Emirates könnte schon Ende 2014 mit dem A-380 von Wien abheben – Vorstand Thierry Antinori im Airbus-Cockpit: "Wir fliegen damit schon in Deutschland und der Schweiz, warum nicht auch in Österreich?"

© Darren Jacklin

Emirates
03/23/2014

Landeverbot für den Airbus A-380 in Wien

Die österreichische Luftfahrtbehörde blockiert den Einsatz des Riesenvogels hartnäckig. "Dann fliegen wir eben in andere Städte", sagt Emirates-Vorstand Antinori im KURIER–Interview.

Die AUA und ihre Mutter Lufthansa tun alles, um den Markt gegen ihre Erzrivalen, die stark expandierenden Golf-Carrier, abzuschotten. Emirates kämpft seit Jahren darum, die Flüge von Wien nach Dubai aufzustocken. Österreich verbietet als einziges Land in Europa den Einsatz des Airbus A-380.

Bei einem von SP-Verkehrsministerin Doris Bures einberufenen Luftfahrt-Gipfel sah es jetzt ganz gut für Emirates aus. Allerdings nur solange, bis die Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate auch noch einen täglichen Flug für die an Air Berlin beteiligte Etihad nach Abu Dhabi forderten. Nun herrscht wieder scharfer Gegenwind. Emirates-Vorstand Thierry Antinori gibt – noch – nicht auf. Er hofft auf den Pragmatismus der Politik.

KURIER: Wann könnte der A-380 endlich in Wien landen?

Thierry Antinori: Ende Mai haben wir 50 Stück A-380. Bis Ende 2014 haben wir die Flexibilität in unserer Flotte, um damit auch nach Wien zu kommen. Wir fliegen mit dem A-380 schon mehr als 20 Städte an, darunter Zürich und München. Es wäre für uns logisch, dass wir mit unserem Flagship-Produkt auch in Wien landen. Aber das hängt nicht von uns ab, sondern von den Behörden und dem Flughafen. Wie ich höre, dürfte der Flughafen nicht das Problem sein.

Was sind die Bedingungen?

Das Okay der Behörden, und der Flughafen muss die Brücke anpassen. Wenn die Voraussetzungen seitens der Politik und des Flughafens geschaffen sind, werden wir uns schnell positionieren. Wir können dann sehr rasch starten. Die österreichischen Behörden wissen ja auch, was der A-380 an Angebotsqualität bringt.

Ist das Passagieraufkommen in Wien tatsächlich groß genug?

Ja. Seit wir einen zweiten Flug täglich nach Dubai haben, ist die Zahl der arabischen Besucher in Österreich höher als in der Schweiz. Diese Gäste geben gutes Geld aus. Wien ist eine der schönsten Städte der Welt mit der besten Lebensqualität. Für Urlauber und Geschäftsreisende aus Asien und dem Mittleren Osten wäre die Anbindung mit dem A-380 ein Grund mehr, nach Wien zu kommen. Die österreichischen Tourismus-Marketingprofis sind sehr effizient, und die österreichischen Kunden hätten die Chance, ein neues Produkt zu wählen.

Außerdem würden wir zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Unsere Studien belegen, dass in jeder Destination, in der wir den A-380 einsetzen, am Flughafen direkt rund 230 neue Arbeitsplätze entstehen. Diese Größenordnung gilt auch für Wien. Der A-380 fliegt schon in Deutschland und der Schweiz, warum nicht auch in Österreich?

Weil Österreich das einzige Land in Europa ist, das Emirates den A-380 behördlich verbietet.

Ich will nicht über Verbote reden. Sagen wir es so: Wir haben noch nicht die Möglichkeit. Doch wir sind seit 14 Jahren im 21. Jahrhundert, das wird nicht mehr ewig dauern. Wir fliegen in Städte, die wesentlich kleiner als Wien und auch international nicht so bedeutend sind.

Das müssen Sie den österreichischen Behörden klarmachen.

Wir haben Geduld und verstehen, dass man nicht über Nacht entscheiden kann.

Von über Nacht kann keine Rede sein. Die Luftfahrtbehörde blockiert Emirates seit Jahren.

Wir sind optimistisch. Die österreichischen Politiker sind Pragmatiker. Sie vertreten ja die Bürger und entscheiden, ob die Leute mehr Auswahl bekommen. Es geht in dieser Entscheidung um mehr Chancen für den Standort Wien und Österreich. Ich sehe da nur Vorteile. Andernfalls werden wir eben weiter in andere Städte fliegen.

Der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz forderte die österreichische Regierung auf, das Luftverkehrsabkommen mit den Emiraten zu streichen. Auch die AUA-Vorstände wettern permanent gegen die angeblich unfaire Konkurrenz.

Ich steige nicht in eine Debatte ein, in der ein Manager in Deutschland der österreichischen Regierung Ratschläge über österreichische Verkehrsrechte gibt. Eine solche Forderung würde ich mir nie erlauben. Das ist nicht mein Job. Mein Job ist, dass Emirates funktioniert und den Kunden ein gutes Produkt bietet.

Hoffen Sie, dass sich das Bashing gegen die Golf-Airlines unter dem neuen Lufthansa-Chef Carsten Spohr aufhört? Sie dürften als ehemaliger Lufthansa-Manager noch gute Kontakte haben und treffen sich angeblich immer wieder freundschaftlich mit ihm.

Das hat keinen Einfluss darauf, wie wir Emirates führen. Bei der Lufthansa-Spitze gehört so was zur Strategie, das nehmen wir zur Kenntnis. Wir haben Respekt vor jeder Airline, natürlich auch vor der Lufthansa. Doch wir beschäftigen uns nicht damit, was die anderen Airlines über uns denken, sondern fokussieren uns darauf, was wir für unsere Kunden verbessern können. Unsere Referenz sind die Kunden und der Markt.

Etihad und Qatar kooperieren bereits mit großen europäischen Airlines. Warum nicht auch Emirates?

Wir kooperieren mit Easyjet, die Kunden können Meilen aus unserem Vielflieger-System Emirates Skywards abfliegen. Sonst haben wir nichts auf der Tagesordnung, aber never say never.

Sehen Sie in Europa überhaupt noch Wachstum, oder spielt sich das längst woanders ab?

Natürlich sehen wir Wachstum in Europa. Wir haben in den ersten neun Monaten unseres Geschäftsjahres von April bis Ende 2013 die Zahl der Sitze um 12 Prozent erhöht und bei den Passagieren um 17 Prozent zugelegt. Wenn man ein erfolgreiches Produkt anbietet, gibt es Wachstum.

In Wien sind wir um vier Prozent gewachsen. Das hätte mehr sein können, aber wir durften leider nicht so, wie wir wollten. Ich bin aber überzeugt, dass wir auch in Wien bald weiter wachsen können. Durch einen zusätzlichen 14. Flug pro Woche und den A-380.

Emirates sucht weltweit Mitarbeiter und rekrutiert auch in Wien. Flugbegleiterinnen dürfen während der ersten drei Jahre nicht schwanger werden. Solche Arbeitsverträge sind in ganz Europa undenkbar.

Wir orientieren uns an den Auflagen der lokalen Behörden. Schwangere Frauen dürfen in Dubai nicht fliegen. Daher können sie in diesem Fall nicht mehr für uns arbeiten. Sie können sich allerdings danach wieder bei uns bewerben.

Also raus aus Dubai und ab nach Hause?

Das kommt auf die jeweilige persönliche Situation an.

Und wenn eine Flugbegleiterin nach den ersten drei Vertragsjahren Nachwuchs erwartet?

Dann geht sie bei uns in den Mutterschutz und kann danach wieder fliegen.

Emirates hat den US-Markt stark im Fokus. Damit konkurrenzieren Sie Europas Airlines ganz gezielt. Auch die AUA will dieses Geschäft forcieren.

Der Markt gehört allen, auch der Markt in Dubai. Der Kunde entscheidet. Aber stimmt schon, die USA sind einer unserer größten Wachstumsmärkte. Wir haben gerade die Destination Boston eröffnet und fliegen ab August nach Chicago. Vor drei Jahren hatten wir nur fünf Ziele in den USA, jetzt haben wir neun und noch Spielraum für mehr. Wir werden auch den A-380 stärker einsetzen. Dubai entwickelt sich sehr stark als Ziel für Urlauber und Geschäftsreisende aus den USA. Und unser hervorragendes Netz nach Südost-Asien ist auch für unsere US-Kunden interessant. Die amerikanischen Kunden mögen und kaufen unser Produkt.

Die Überflieger aus Dubai

Expansionskurs

Die 1985 gegründete staatliche Airline gehört zu den gewinnstärksten Fluggesellschaften weltweit. Derzeit besteht die Flotte aus 208 Flugzeugen. Emirates ist weltweit der größte Betreiber des Airbus A-380. Bis 2020 will Emirates 70 Millionen Passagiere und 250 bis 280 Flugzeuge haben, davon 90 bis 100 A-380. Der Flughafen Dubai ist ebenfalls in Staatsbesitz. Europas Airlines werfen Emirates vor, staatlich subventioniert zu werden.

Thierry Antinori Der gebürtige Franzose war Bereichsvorstand bei der Lufthansa. Wenige Tage vor seinem Amtsantritt als AUA-Chef kündigte er. Ist seit 2011 Vertriebsvorstand bei Emirates.

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