Kurzschluss an deutscher Grenze, Österreich droht Strompreis-Schock

Thüringer Strombrücke
Foto: dpa-Zentralbild/Martin Schutt Weil in Deutschland Leitungen fehlen, soll Österreich draufzahlen.

Deutschland ist fest entschlossen, Österreich aus dem gemeinsamen offenen Strommarkt zu werfen.

"Wir wollen das unbedingt verhindern." Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner versucht den drohenden Kurzschluss an der österreichisch-deutschen Grenze noch in politischen Verhandlungen – unter anderem mit Deutschlands Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel – zu unterbinden.

Doch die Zeichen stehen schlecht: Deutschland ist fest entschlossen, Österreich aus dem gemeinsamen offenen Strommarkt zu werfen. Und hat dabei die Mehrheit der europäischen Energiemarktregulatoren hinter sich. Sie haben sich schon einmal für die Abspaltung Österreichs vom deutschen Strommarkt ausgesprochen. Ein Einspruch Österreichs dagegen soll Anfang November behandelt werden. Doch in der heimischen Elektrizitätswirtschaft erwartet kaum jemand, dass das im Sinne Österreichs ausgeht.

Preissprung

Die Folgen einer Abkoppelung des österreichischen Strommarktes wären dramatisch. "15 bis 30 Prozent höhere Strompreise" befürchtet Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Ein kleinerer Strommarkt bedeutet eben weniger Angebot und damit höhere Preise. Strom aus Deutschland müsste in Auktionen an der Grenze gekauft werden. Auch das wäre nicht billig.Warum aber will das die deutsche Politik? Einfach weil der viele Windstrom aus Norddeutschland auf seinem Weg nach Süden die innerdeutschen Stromleitungen regelmäßig überlastet. Eine Sperre innerhalb Deutschlands aber ist politisch nicht durchsetzbar, also wird sie an die Grenze zu Österreich verlegt. Kann der Strom nicht mehr durch, wird er nach Westen Richtung Frankreich abgelenkt, wo es mehr Kapazitäten gibt.

Für Österreichs Industrie aber ist der Strompreis eine elementare Standortfrage. "Unsere Großkunden feilschen um jeden Zehntel-Cent", weiß Leo Windtner, Chef der Energie AG Oberösterreich. Schon ein Preissprung um einen Cent je Kilowattstunde würde einige Unternehmen der Wettbewerbsfähigkeit berauben.

Eine Lösung stellte Mitterlehner dagegen für Ökostromanlagen in Aussicht. Es werde intensiv mit der SPÖ verhandelt, betonte er. Demnach sollte es für effiziente Biogasanlagen fünf Millionen Euro an Anschlussförderung für fünf Jahre geben. Ineffiziente Anlagen sollten eine Stilllegungsprämie bekommen. Und für die Kleinwasserkraft soll es eine Million Euro mehr geben.

(kurier) Erstellt am
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