Wirtschaft
12.07.2017

Kühe für Katar: Wüstenemirat fliegt 4000 Rinder ein

Mit eigener Milchproduktion will ein reicher Geschäftsmann der Handelsblockade durch die Nachbarländer trotzen.

Es klingt völlig verrückt: Mit dem Aufbau einer eigenen Milchproduktion will sich Katar gegen die Handelsblockade seiner Nachbarländer rüsten. Und das, obwohl in dem winzigen Wüstenemirat praktisch nichts wächst.

Ökonomisch ist das auch unsinnig, weil es wesentlich billiger wäre, Milchpulver zu importieren. Aber für den reichen Geschäftsmann Moutaz al Chajat, zugleich Chef der Power International Holding und eines Bauimperiums, ist es ein Signal des Widerstandes. Dem Katari schwebt vor, 30 Prozent des Milchbedarfs der 2,7 Millionen Einwohner aus eigener Hand zu decken, kündigte er in Interviews an.

4000 Kühe zusätzlich

Dafür ist ein beträchtlicher Aufwand nötig. Die Milchproduktion der Lebensmittelfirma Baladna soll in den nächsten Wochen um 4000 Kühe aufgestockt werden, für die vollklimatisierte Ställe gebaut wurden. Rund 60 Flüge werden dazu nötig sein. Allein die Transportkosten werden mit acht Millionen Dollar angesetzt.

Die ersten 165 Holstein-Kühe sind bereits eingetroffen, sagte ein Baladna-Sprecher (zur Facebook-Seite mit Fotos und Videos) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kühe seien von einem Händler in Budapest nach Katar geliefert worden, stammten aber ursprünglich aus Deutschland. Ein Video des Unternehmens zeigte, wie die Tiere am Vorabend auf Lastwagen vom Flughafen in Doha zu der Farm, rund 50 Kilometer nördlich der katarischen Hauptstadt Doha, transportiert wurden. Dort werden auf einer Fläche von fast 70 Fußballfeldern schon bisher Schafmilch und Fleisch produziert. Ein immenser Aufwand samt Bewässerung und Beschattung ist nötig, um im Wüstenklima das nötige Gras wachsen zu lassen.

Mit dem Ausbau der Milchproduktion reagiert Katar auf die Blockade, die die drei Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sowie Ägypten Anfang Juni über das Emirat verhängt hatten. Aus Protest gegen die angebliche Unterstützung Katars für Terrororganisationen stellten sie auch den Handel mit dem Emirat ein. Der größte Anteil der Milchprodukte des kleinen, aber reichen Wüstenstaates kam bis dahin aus Saudi-Arabien. Derzeit werden sie vor allem mit Waren aus der Türkei ersetzt.

Die nächsten Tiere sollten in den kommenden Tagen eintreffen, sagte der Baladna-Sprecher weiter. Außer aus Deutschland werden sie auch aus den USA und Australien geliefert. Der Vize-Präsident von Baladna, Ramis Al Chajat, hatte im Juni sogar erklärt, Katar wolle sich innerhalb von neun Monaten völlig autark mit Molkereiprodukten versorgen.