Wirtschaft 07.01.2012

Kritik: Atomstrom für Speicherkraftwerke

Strom aus Wasserkraft wird gerne als umweltfreundlich verkauft. Doch billiger Atomstrom trübt die Bilanz.

Österreichs Speicherkraftwerke in den Alpen liefern nicht so umweltfreundlichen Strom wie gedacht: Laut Aussagen des Umweltdachverbandes wird zwar in heimischen Pumpspeicherkraftwerken mit der Kraft des Wassers Strom erzeugt – allerdings wird für den Betrieb der Kraftwerke (wie etwa das Hochpumpen des Wassers) in zunehmendem Maße billiger Atomstrom aus dem Ausland importiert. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Profil.

Jährlich werden laut Umweltdachverband bereits 1600 Gigawattstunden Atomstrom für die Pumpspeicherung in Österreichs Kraftwerken wie Kaprun oder Limberg eingesetzt. Das entspricht umgerechnet etwa 55 Prozent der jährlichen Stromproduktion eines Reaktorblocks im slowakischen AKW Mochovce. Der Verbands-Geschäftsführer Michael Proschek-Hauptmann kritisiert: „Man darf nicht wie der Verbund-Konzern mit grünen Batterien werben, wenn dort so viel Atomstrom zum Einsatz kommt.“

Graustrom

Beim Verbund weist man diese Darstellung allerdings scharf zurück: „Unser umweltfreundlicher Strom aus Wasserkraft stammt von den Laufkraftwerken, etwa an der Donau“, erklärt Konzernsprecherin Beate McGinn dem KURIER. Sämtliche dieser Kraftwerke wären zertifiziert, die Herkunft für die Kunden nachweisbar. Pumpspeicher-Kraftwerke würden mit „Strom unbekannter Herkunft“ (sogenanntem Graustrom) betrieben, was wichtig sei, um bei Nachfrage-flaute Europas Netze zu entlasten. McGinn: „Und wir verkaufen diesen Strom dann auch als Graustrom.“

Generell wird Strom nach dem beschlossenen Atom-Ausstieg in Deutschland offenbar öfter über die Grenzen hinweg gehandelt, um Nachfrage-Spitzen abzufangen. Laut deutschen Medienberichten gingen daher am 8. und 9. Dezember Reservekapazitäten aus den EVN-Kraftwerken Korneuburg und Theiß ans Netz, um rund 1000 Megawatt ins süddeutsche Netz zu speisen.

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( Kurier ) Erstellt am 07.01.2012