Wirtschaft 05.12.2011

Kreditkarten: PIN wird beim Zahlen Pflicht

Wer mit Kreditkarte zahlt, wird bald wie beim Bankomat einen Code benötigen. American Express hat mit dieser Praxis bereits begonnen.

Ein netter Abend in einem guten Restaurant. Man hat gegessen und getrunken, fragt nach der Rechnung und zückt die Kreditkarte; in diesem Fall eine von American Express. Das praktische Stück Hartplastik steckt schon seit Jahren im Portemonnaie; immer wieder benützt, noch nie gab es ein Problem. Diesmal ist es anders: "Tut mir leid, aber für diese Karte brauchen Sie eine Geheimzahl", sagt der Kellner. Einen PIN, um mit Kreditkarte zu zahlen? Kopfschüttelnd zieht man die Karte eines anderen Betreibers, und schon funktioniert es wieder wie gewohnt: Eine Unterschrift, und die Sache ist erledigt; keine Rede von einer Geheimzahl.

Sicherheit

American Express macht den Anfang. Andere Kreditkarten ziehen nach; das Datum steht noch nicht fest.
© Bild: KURIER/Wessig

Tags darauf klärt ein Callcenter-Mitarbeiter von American Express freundlich, aber falsch auf: Man befolge lediglich eine EU-Richtlinie, wonach alle ab 2011 ausgestellten Karten automatisch mit einem PIN verknüpft werden müssen. Wie eine Bankomatkarte kann man auch (neue) Kreditkarten nur noch verwenden, wenn man beim Zahlen einen vierstelligen Code angibt. Die Maßnahme diene der Sicherheit der Kunden und betreffe nicht nur American Express, sondern die Betreiber aller Kreditkarten.

"Das stimmt so nicht", kontert Angela Szivatz von PayLife - das Unternehmen ist für die Abrechnung von Transaktionen mit Bankomat- sowie Visa und Mastercard-Karten zuständig. Es gebe keine Richtlinie oder Verordnung aus Brüssel, lediglich eine freiwillige Vereinbarung europäischer Banken, wonach Kreditkarten künftig mit einer Geheimzahl versehen werden.
"Die Gespräche zur Durchführung laufen aber noch, es gibt noch keinen Stichtag für die Umsetzung", betont Szivatz.

Mastercard und Visa würden bis auf Weiteres ihre Karten nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch mit einem PIN verknüpfen. In anderen Ländern sei eine Geheimzahl zur Kreditkarte allerdings bereits üblich: "In Großbritannien werden Kreditkarten-Zahlungen nur noch mit Code akzeptiert", sagt Szivatz.

Alleingang

Auf Anfrage bestätigt schließlich auch ein Sprecher von American Express: "Ja, wir sind die Ersten in Österreich, eine entsprechende EU-Verordnung gibt es nicht." Allerdings biete American Express seinen Kunden an, sich bei einem Kartenwechsel ihre Geheimzahl selbst auszusuchen. Zudem gebe es auch hierzulande bereits Vertragspartner, die bei Zahlung mit der American einen PIN verlangen.

Praxistest in der Wiener U-Bahn: Schon seit 15. April verlangen Fahrschein-Automaten bei Kreditkarten einen Code. Will man mit Karte und Unterschrift zahlen, muss man sich in eine Vorverkaufsstelle bemühen.

PIN-Code: Geheimzahlen im Alltag

Identifikation PIN steht für P ersönliche I dentifikations N ummer und ist eine nur einer oder wenigen Personen bekannte Zahl, mit der diese sich gegenüber einer Maschine identifizieren können. Diese Codes, auch Geheimzahl genannt, werden z. B. gemeinsam mit Online-Konten, Bankomatkarten und SIM-Karten für Handys ausgegeben.

Sicherheit Der PIN selbst ist nie auf dem Datenträger gespeichert; Dies verhindert, dass er bei Verlust oder Diebstahl ausgelesen werden kann. Ursprünglich bestanden die Geheimzahlen ausschließlich aus Ziffern. Beim Internet-Banking werden mittlerweile auch Kombinationen aus Ziffern und Buchstaben verwendet, was die Sicherheit erhöht.

Bankomatkarte: Manchmal ist kein Code nötig

Wer davon ausgeht, beim Zahlen mit Bankomatkarte zwingend seinen PIN-Code eingeben zu müssen, der irrt. Selten, aber doch, wird bei einigen Geräten keine PIN verlangt, sondern nach Einschieben der Karte wird sofort die Rechnung ausgedruckt. Diese muss der Käufer dann unterschreiben. Dabei handelt es sich um ein Lastschriftverfahren, mit der Unterschrift gibt der Kunde seine Einzugsermächtigung. Im Gegensatz zu normalen Transaktionen bei Bankomatkassen kann es einige Tage dauern, bis das Geld vom Konto abgebucht wird.
PayLife, größter Anbieter von Bankomatkassen, setzt seit jeher auf die sicheren PIN-Zahlungen, seit 1995 auch mit Chip auf der Karte. "Wir garantieren daher unseren 65.000 Vertragspartnern auch die getätigten Zahlungen an der PayLife-Bankomat-Kasse", sagt Sprecherin Szivats.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011