Wirtschaft 05.12.2011

Kopenhagen im Wohnzimmer

Enttäuschung über verpasste Chancen und über die Politiker, die sich nicht einigen konnten. Eigentlich aber auch wieder praktisch...

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist mit einem Minimalkonsens und ohne weitreichende Ergebnisse zu Ende gegangen. Das Echo in den Medien und im Internet spiegelt Enttäuschung über "verpasste Chancen" und über "die Politiker", die sich nicht einigen konnten.

Eigentlich aber auch wieder praktisch. So haben wir doch gleich die "Schuldigen" und können wieder zur Tagesordnung übergehen.

Das sollten wir aber nicht.

Der deutsche Journalist Christian Schwägerl schreibt dazu sehr treffend im Spiegel.Online:

"Wer jetzt aber Unruhe verspürt angesichts der Tragödie von Kopenhagen, darf mit gutem Recht wütend sein auf die mächtigen Gipfelversager. Man darf erzürnt sein, wie einerseits Existenzgefahren an die Wand gemalt werden, aber die gleichen Politiker sich Lösungen verweigern. Dann kann man ins Badezimmer gehen und in den Spiegel schauen: Wie viel Vertrauen verdient man selbst dafür, den Planeten richtig zu behandeln?"

Oder anders gesagt

Brauchen wir - jeder einzelne von uns - eine UNO, um ein paar neue Energiesparlampen im Haushalt einzusetzen? Brauchen wir die Zustimmung des chinesischen Ministerpräsidenten, um vielleicht mit dem Fahrrad zum Semmeln holen zu fahren, anstatt mit dem Auto? Brauchen wir Barack Obama, um unsere Türen und Fenster optimal zu isolieren?

Die Gigatonnen CO2, über die in Kopenhagen so erbittert verhandelt wurde und um die es in den nächsten Monaten und Jahren auch weiterhin gehen wird, steigen nicht direkt aus den Regierungsgebäuden in die Atmosphäre, sondern es sind wir Verbrauche, die mit unserem täglichen Leben, mit all den Gütern, die wir ge- und verbrauchen, mit den Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen und mit Transportmitteln, die wir benutzen, für die Emissionen verantwortlich sind.

Und daher sind es auch wir Verbraucher, die durch - nicht einmal dramatische - Veränderungen in unserem Verhalten die unbestritten notwendigen Reduktionen des CO2 Ausstoßes herbeiführen können.

Wie viel CO2 emittiert ein österreichischer Haushalt im Alltag?

• Ein Haushalt der mit Gas heizt, emittiert im Jahr rund 3.000 kg CO2
• Der jährliche Stromverbrauch eines Haushaltes entspricht Emissionen von rund 2.000 kg (bezogen auf ein Gaskraftwerk)
• Eine Fahrt mit dem PKW von Wien nach Velden am Wörthersee und retour bedeutet CO2-Emissionen von rund 130 kg
• Die Jahres-km-Leistung eines durchschnittlichen Haushaltes mit dem PKW bedeutet CO2-Emissionen von rund 2.500 kg
• Ein Ferienflug innerhalb Europas bedeutet pro Passagier rund 500 kg CO2-Emissionen

Möglichkeiten Energie zu sparen oder effizienter einzusetzen gibt es für jeden Haushalt vielfältige. Informationen dazu ebenfalls.

Eine von vielen Informationsquellen ist die neue Konsumentenbroschüre Energieeffizienz
der E-Control
.

Weitere Informationsquellen wären zum Beispiel

- Klimastrategie in Österreich: Lebensministerium – www.klimastrategie.at  
- Offizielle Daten zu Treibhausgasemissionen in Österreich: Umweltbundesamt – www.umweltbundesamt.at  
- Informationen zum EU-weiten Emissionshandel: http://umwelt.lebensministerium.at/article/archive/7074/  
- Treibhausgasemissionen in der EU: Europäische Umweltagentur - http://www.eea.europa.eu/de  

Klimaschutz auf internationaler Ebene
- United Nations Framework Convention on Climate Change - http://unfccc.int/2860.php  
- Intergovernmental Panel on Climate Change - http://www.ipcc.ch/  
- Internationale Energieagentur - http://www.iea.org/  

Ein Spitzenstürmer schießt nicht nur Tore

Letztendlich bedeutet Energie sparen natürlich auch Geld sparen, womit alle Maßnahmen, die jeder Einzelne unternimmt, nicht nur dem Weltklima, sondern auch ganz direkt der eigenen Geldbörse zu Gute kommen.

Wir sollten damit nicht warten, bis die Amerikaner es tun, bis sich Indien entscheidet oder China vorangeht. Eine Fußballmannschaft, deren Stürmer nur darauf wartet mit guten Pässen bedient zu werden, wird verlieren. Ein echter Spitzenstürmer hilft auch im Mittelfeld aus und manchmal sogar in der Verteidigung. So wird ein guter Spieler zum Spielmacher. Indem er die anderen mitreißt.

In Sachen Energie sollten wir alle Spielmacher sein.

Erstellt am 05.12.2011