Laut GoPro-CEO Nick Woodman sieht man großes Potential im Virtual-Reality-Markt

© REUTERS/MIKE SEGAR

Rekorde
01/12/2015

Konzerne drängen an die Börsen

In den USA boomen Neunotierungen, vor allem aus dem Technologiebereich.

von Robert Kleedorfer

Börsengänge standen 2014 infolge der allgemein guten Stimmung an den Finanzmärkten hoch im Kurs. Alleine in den USA gab es laut Marktforscher Renaissance Capital 273 davon (in der Fachsprache Initial Public Offering, IPO, genannt) mit einem Volumen von 85 Milliarden Dollar. Das waren so viele IPOs wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. "2014 war das beste Jahr für Tech-IPOs", sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria.

Mit 25 Mrd. Dollar legte der chinesische Konzern Alibaba den größten Börsegang aller Zeiten hin. Die Aktie konnte seit dem IPO deutlich von 68 auf 105 Dollar zulegen und ist damit schon ziemlich teuer. Dennoch empfehlen sie 33 von 38 Analysten zum Kauf. Für Rosen aus gutem Grund. "Es gibt noch viel Potenzial in China, weit mehr als für Amazon in den USA." Auch aus diesem Grund hat Amazon im Herbst den ersten realen Store in Manhattan eröffnet. "Nur virtuell geht es wohl nicht", meint Rosen.

Noch mehr stieg die Aktie von Lending Club. Die Plattform, die Kredite zwischen Privaten vermittelt, notierte schon am ersten Börsetag im Dezember 55 Prozent über dem Ausgabekurs. Rosen mahnt aber zur Vorsicht. Denn die Gläubiger geben ihr Geld für ein Paket von Krediten. "2008 lässt grüßen", spielt Rosen auf das Platzen der Kreditblase damals an.

Action-Kameras

Bestes IPO an der Wall Street war jedoch GoPro. Der Kurs des vor allem bei Extremsportlern beliebten Kameraherstellers stieg von 24 auf 60 Dollar. "Alle filmen sich mit Action-Kameras", sagt Rosen. Eine gewisse Skepsis bestehe jedoch. Denn GoPro zahlt keine Dividende und der Hersteller komme durch Nachahmer unter Druck. Das Unternehmen möchte sich künftig breiter aufstellen und auch Drohnen verkaufen. Zudem ist eine Media-Plattform geplant, auf die die Benutzer die aufgezeichneten Filme stellen sollen.

Thema waren 2014 auch in Europa unbekannte Restaurantketten (Habit Burger, Zoe’s Kitchen, El Pollo Loco), die den Gang an die Börse wagten. Laut Rosen wird sich dieser Trend 2015 mit der Kette Shake Shack fortsetzen. In der Vorwoche hat das Unternehmen die Unterlagen für einen IPO eingereicht.

Eine Fortsetzung des Börsebooms dürfte es auch bei Biotechkonzernen geben. Sie zeigten im Branchenvergleich den größten Zugewinn. Insgesamt stellt die Pharmabranche 69 der 273 US-Börsegänge.

Alles in allem machten Aktionäre mit den neuen Aktien ein gutes Geschäft – sie stiegen im Durchschnitt um 16 Prozent. "Die Konzerne wachsen und brauchen Kapital, um das Wachstum zu beschleunigen", sagt Bob Greifeld, Chef der Technobörse Nasdaq.

Sehen lassen kann sich auch die Zahl der Börsegänge in Europa. Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers gab es bis November 344 Neunotierungen. Der Gesamtwert der Börsengänge betrug 48,8 Mrd. Euro und lag damit um 84 Prozent über dem Jahr davor. Insgesamt sind es die besten Zahlen seit 2007. Die Wiener Börse konnte mit dem Flugzeugzulieferer FACC nur eine richtige Neunotierung liefern. Für heuer werden einige potenzielle Kandidaten genannt, wie Hotelriese Vienna International; fix ist aber nur der Börsegang von Stefan Pierers Cross Holding, dafür endet die Notierung seiner Brain Force.

Datendienste

Auch für 2015 ist Rosen bzgl. Neuzugängen optimistisch. "Tech ist sicher weiterhin ein zentrales Thema." Die Datendienste Dropbox und Cloudera, der Musikdienst Spotify, die Unterkunftvermittlung Airbnb und der Taxivermittler Uber stünden auf der Matte. Laut Renaissance könnte es 255 IPOs geben, davon 80 Prozent im Tech-Bereich.

In Asien boomen Börsegänge ebenfalls. So gab es in China (in Schanghai und Shenzhen) rund 120 Neunotierungen. In der Vorwoche wurden von der staatlichen Wertpapieraufsicht die Pläne von 20 weiteren Konzernen genehmigt. Noch mehrere hundert Unternehmen stehen in der Warteschlange.

Krisenherde und niedriger Ölpreis belasteten Kursentwicklung

Im EuroStoxx-Index, der die größten Börsekonzerne der Eurozone enthält, verzeichneten im Vorjahr fünf Branchen Verluste, 13 Zugewinne.

Der tiefe Ölpreis drückte Ölwerte, Krisen (Ukraine) den Gesamtmarkt.

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