Wirtschaft
26.09.2017

Konsumenten erfahren nichts über Herkunft der Lebensmittel

Trotz Fipronil-Skandal weiter keine Kennzeichnung bei der Lebensmittelverarbeitung und in der Gastronomie

Die Konsumenten werden auch in Zukunft nicht wissen, woher die Lebensmittel in verarbeiteten Produkten oder in der Gastronomie kommen. Die EU will nach dem Skandal um mit dem mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier lediglich nationale Ansprechpartner für Lebensmittelsicherheit einrichten. Die von Konsumentenschützern und Umweltorganisationen verlangte Kennzeichnungspflicht über die Herkunft der Lebensmittel wird es weiter nicht geben.

Keine Details

Wie weit die EU-Mitgliedsstaaten in dieser Frage auseinanderliegen zeigt die Stellungnahme von EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. "Es wurde grundsätzlich akzeptiert, dass solche Kontaktpunkte eingerichtet werden müssen." Welche Aufgaben und Kompetenzen die Kontaktpersonen für Lebensmittelsicherheit haben werden ist allerdings völlig unklar. Es sei noch zu früh, um Details zu nennen. Zumal es dazu "unterschiedliche Vorstellungen" der EU-Staaten gebe, berichtet der EU-Kommissar. Gesundheitsminiserin Rendi-Wagner erwartet sich von der Reform eine "deutliche Verbesserung der Kommunikation" in Krisenfällen.

Die Nahrungs- und Futtermittelindustrie in der EU hat einen Jahresumsatz von über 940 Milliarden Euro. Ein Teil der Lebensmittel, die zu Fertigprodukten verarbeitet oder in der Gastronomie verkauft werden, kommen aus Nicht-EU-Staaten oder aus EU-Staaten mit niedrigeren Standards etwa bei der Tierhaltung. Diese Produkte sind billiger, als wenn höhere Standards eingehalten werden müssen.

Umsatzeinbußen

Die Lebensmittelindustrie befürchtet, dass etwa nach einem Fleischskandal in Brasilien verarbeitete Lebensmittel mit Fleisch aus Brasilien nur schwer zu verkaufen sind. Daher soll der Konsument nicht erfahren, wo die Lebensmittel herkommen.

Ein umfassende Kennzeichnungspflicht bezüglich der Herkunft gibt es nur bei unverarbeiteten Lebensmitteln wie Fleisch oder Eiern im Lebensmitteleinzelhandel. Dort wurden auch keine Fipronilrückstände gefunden, sondern nur in der Gastronomie. Diese Kennzeichnungspflicht wurde eingeführt als nach dem BSE-Skandal die Fleischverkäufe massive eingebrochen waren.