Wirtschaft 22.04.2012

Konsum-Nachfolger "Okay" sucht Partner

17 Jahre nach der Konsum-Pleite ist dessen Überbleibsel Okay in Bedrängnis. Die Märkte suchen nach Partnern.

Sieben kleine Reiseproviantmärkte namens "Okay" – vornehmlich auf Bahnhöfen in Wien und Niederösterreich: Das ist der traurige Rest des "roten Riesen" Konsum Österreich, der im März 1995 spektakulär in die Insolvenz geschlittert ist. In dieser Geschäftsnische konnte Okay jahrelang recht gut überleben. Die Konkurrenz der Großen wird aber zunehmend härter.

"Wir sind eingezwickt zwischen den Großen und kämpfen an der Geschäftsfront", sagt Jan Wiedey, Chef der Konsum Österreich Genossenschaft. Das ist jener kleine Konsum-Teil, zu dem neben den Okay-Geschäften einige Immobilien und eine Beteiligung an einer EDV-Firma gehören. Die wenigen regionalen Konsum-Geschäfte, etwa in Vorarlberg sind selbstständig und gehören nicht dazu. Wiedey ist stolz, dass es die Okay-Märkte überhaupt 17 Jahre lang geschafft haben, zu überleben. Jetzt aber würden Partner gesucht. Knapp 100 Mitarbeiter und zehn Millionen Euro Umsatz – Tendenz fallend – zählen die sieben Geschäfte noch. Untergehen werde Okay aber nicht.

Pleite verboten

"Wir sind die Weiterführungsgesellschaft des Konsum, die nicht zugrunde gehen darf", sagt Wiedey. Denn bei einer Pleite müssten die Altgesellschafter, also die Genossenschafter, zur Kasse gebeten werden. Das wolle man unter allen Umständen vermeiden.

"Konkurs ausgeschlossen": Das war schon 1995, als die Konsumgenossenschaft unter einem Schuldenberg von 25 Milliarden Schilling (1,8 Milliarden Euro) in Finanznot geraten ist, die Devise. "Hätten die damals rund 140.000 Genossenschafter Nachschuss gezahlt, wären zwei Milliarden Schilling hereingekommen und der Konsum hätte mit einem Schlag seine Schulden abgedeckt", betont Wiedey, der nach der Pleite als Vize-Vorstand neben Hans-Jörg Tengg die Konsum-Geschäfte zu verwerten hatte.

Allerdings hatte der Großteil der Konsum-Genossenschafter den vollen Anteil von 3200 Schilling gar nicht eingezahlt. Im Durchschnitt betrug der Beitrag 900 Schilling. Daher konnten sie nach dem Genossenschaftsgesetz gar nicht zum Nachschuss verpflichtet werden. Außerdem hatte das damalige Management gar keine vollständige Liste mit den Namen der Genossenschafter.

Rot mit Schwarz

Wiedey ist dennoch bis heute Anhänger der Genossenschaftsidee. „Das ist eine Gesellschaftsform, die auch vom sozialen Gedanken der gegenseitigen Hilfe, etwa in der Vermarktung, getragen wird“, sagt er.

Politisch treffen sich hier „Rot“ und „Schwarz“. Der Rest-Konsum ist heute Mitglied des schwarzen Genossenschaftsverbandes der Volksbanken.

Der Untergang im März 1995

Am 8. März 1995 kurz vor Mitternacht fiel der Beschluss: Österreichs größter Lebensmittelkonzern Konsum bekommt keine neuen Bankkredite mehr und muss Insolvenz anmelden. Mit Schulden von 25 Milliarden Schilling (umgerechnet 1,8 Milliarden Euro) galt die Pleite als die bis dahin größte in der österreichischen Nachkriegsgeschichte.

13 Milliarden Schilling Schulden bestanden allein innerhalb des Konzerns, 15.000 Mitarbeiter, 630 Filialen, die Backfirma Ährenstolz sowie die Schokoladenproduktion Knäbchen standen vor dem Aus. Ein Konkurs konnte allerdings vermieden werden. Im Ausgleich erhielten die Gläubiger eine Quote von 45 Prozent ihrer Forderungen. Binnen weniger Wochen konnten die Konsum-Geschäfte verkauft werden. Billa, Spar, Meinl und Löwa übernahmen damals die Filialen; Ährenstolz ging an Ankerbrot, Knäbchen an die deutsche Firma Hosta.

Zwei Drittel der Konsum-Mitarbeiter wurden von den neuen Eigentümern übernommen. Ex-Konsum-Chef Hermann Gerharter wurde 1999 wegen fahrlässiger Krida zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt.

( Kurier ) Erstellt am 22.04.2012