Wirtschaft 05.12.2011

Konjunktursorgen: Wachstumslok USA fällt aus

Die USA erwarten einen drastischen Konjunktureinbruch. Auch in Österreich lässt das Wachstum spürbar nach.

D ie allseits beklagte Negativspirale nimmt eine weitere Drehung nach unten. Die ungelöste Finanzmarkt- und Schuldenkrise dies- und jenseits des Atlantik schlägt zum dritten Jahrestag der Lehman-Pleite erneut auf die Realwirtschaft durch.

Der Unterschied zu der Zeit nach dem 15. September 2008, als der Kollaps der fünftgrößten US-Investmentbank die globale Finanzkrise auslöste, ist: Heute sind die Staatskassen leer. Neue Konjunkturpakete spielt es zumindest in den meisten EU-Staaten nicht. Ein Überblick zeigt:

Protest in Washington beim Streit um die Schuldenobergrenze (Archivbild): US-Präsident Obama denkt an ein neues Konjunkturpaket.
© Bild: Reuters/KEVIN LAMARQUE

USA Das Weiße Haus hat seine Wachstumsprognose um mehr als ein Drittel gesenkt. Statt 2,6 Prozent Wachstum werden heuer nur noch 1,7 Prozent erwartet.
Verglichen mit normalen Konjunktur-Zeiten und angesichts des US-Bevölkerungswachstums, das allein schon für ein gewisses Wachstum sorgt, bedeutet das eigentlich Rezession, zumindest aber Stagnation in den USA. Präsident Obama hat trotz der Rekordverschuldung ein Konjunkturprogramm für den 8. September angekündigt.

Deutschland Auch bei Österreichs wichtigstem Handelspartner stehen die Zeichen auf Sturm. Spätestens 2012 dürfte die Konjunktur abreißen, speziell wenn die Wachstumslok USA auslässt. Die Deutsche Bank erwartet für Deutschland nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent, verglichen mit den drei Prozent heuer kommt das einem Absturz gleich.

Österreich Das kann nicht ohne Spuren für die heimische Volkswirtschaft bleiben. WIFO, IHS und Nationalbank revidieren ihre Prognosen hinunter - von grob drei Prozent heuer auf ungefähr zwei Prozent 2012. Weiteres Potenzial nach unten dürfte vorhanden sein.

OeNB-Chef Ewald Nowotny sagte in Alpbach: "Deutschland fällt als Wachstumslok aus. Wir dürfen in der Budgetkonsolidierung nicht nachlassen. Für Konjunkturprogramme sehe ich keinen Spielraum. Das zentrale wirtschaftspolitische Ziel ist die Absicherung des Triple-A Österreichs."

Kein Spielraum

Nowotny und Finanzministerin Maria Fekter betrachten die Top-Bonitätsbewertung als abgesichert. Dennoch lautet die Frage angesichts des Richtung 80 Prozent wachsenden Schuldenbergs: Wie das Budget sanieren ohne die Konjunktur endgültig abzuwürgen?

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011