Wirtschaft
08.06.2017

Konjunktur in Eurozone nimmt Fahrt auf, aber Leitzinsen bleiben weiterhin tief

Mario Draghi hält an ultralockerer Geldpolitik weiter fest.

EZB. Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum um 0,6 Prozent zum Vorquartal zu, teilte das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mit. Gründe waren ein starker privater Konsum sowie höhere Investitionen. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet nun für das Gesamtjahr mit einem Plus von 1,9 Prozent, im März wurden 1,8 Prozent erwartet. Die Prognose für die Inflation wurde aber von 1,7 auf 1,5 Prozent gesenkt.

Das ist für die EZB zu wenig, um die Leitzinsen anzuheben, gilt doch dafür eine Richtmarke von knapp unter 2,0 Prozent. Daher blieb bei der gestrigen Zinssitzung ein solcher Schritt aus. Doch EZB-Chef Mario Draghi deutete eine geldpolitische Wende an. Erstmals seit langem nannte er die Risiken für das Wachstum als ausgeglichen. Bisher hatten die Gefahren überwogen. Zudem erwartet er die Zinsen "für längere Zeit auf ihrem aktuellen Niveau". Der bisherige Zusatz "oder auf einem niedrigeren Niveau" entfiel. Laut Draghi war ein Zurückfahren der billionenschweren Anleihenkäufe kein Thema.

Das könnte Beobachtern zufolge im September für 2018 angekündigt werden. Eine Zinsanhebung wird erst für Anfang 2019 erwartet. Wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland oder Österreich drängen auf einen schnelleren Ausstieg aus der Tiefzinsphase, die Peripheriestaaten bremsen aber. Die tiefen Zinsen und Anleihenkäufe helfen ihrer Wirtschaft.