Wirtschaft 29.11.2016

Kommunalkredit: Erste neue Filiale nach dem Crash

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Acht Jahre nach der Notverstaatlichung startet der "gute Teil der Kommunalkredit einen Expansionskurs.

Deutschland. 2008 musste die Bank nach dem Beinahe-Zusammenbruch notverstaatlicht werden. 2015 wurde der "wirtschaftlich gute Teil der Bank" an ein Konsortium um den deutschen Investmentbanker Patrick Bettscheider verkauft. Jetzt, ein Jahr später, kündigt Kommunalkredit Austria-Chef Alois Steinbichler den ersten Wachstumsschritt nach dem Crash an: Im ersten Quartal 2017 wird eine Filiale in Frankfurt/Main eröffnet. Der deutsche Markt biete für die Spezialbank große Chancen, erwartet Steinbichler.

Kerngeschäft der Kommunalkredit, die inklusive ihrer Consulting-Tochter 300 Mitarbeiter beschäftigt, ist die Finanzierungsvermittlung für öffentliche Infrastruktur – von Schulen über Straßen bis zu Gefängnissen. Das Geld dafür komme von Versicherungen, Pensionsfonds und anderen institutionellen Investoren, die damit eine relativ sichere Rendite bekommen. Und vor allem eine höhere Rendite als beim Kauf bonitzätsstarker Anleihen. Bis zu knapp drei Prozent können die Investoren je nach Infrastrukturprojekt dabei verdienen.

Günstig für Gemeinden

Finanziert werden auf diese Weise Schulen, Gefängnisse oder auch Straßen. In Österreich hofft Steinbichler auf die Tagesschul-Projekte. Grundsätzlich übernimt bei solchen Infrastrukturfinanzierungs-Modellen eine Projektgesellschaft das gesamte Risiko - von der Errichtung bis zur Abwicklung des Projekts. Die öffentliche Hand als Auftraggeber bezahle ein jährliches Entgelt an den Projektbetreiber. Die große Anfangsfinanzierung übernehme eine Bank wie die Kommunalkredit, die diese Finanzierung wiederum an die Investoren überträgt. Für viele Gemeinden, die auf einem hohen Schuldenberg sitzen, ist diese Finanzierung vorteilhaft. Denn sie erhöhe den Schuldenstand nicht, betont Steinbichler. Europaweit werden laut dem Kommunalkredit-Chef etwa zehn bis 15 Prozent aller Infrastruktur-Vorhaben auf diese Weise finanziert.

( kurier.at ) Erstellt am 29.11.2016