Wirtschaft 10.12.2011

Klimakonferenz: „Dann noch lieber ein Scheitern“

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Bevor man eine Mogelpackung als Ergebnis präsentiere, solle der Klimagipfel lieber scheitern, war man sich in Durban einig.

Am Freitag ging der UNO-Klimagipfel im südafrikanischen Durban in seine entscheidende Phase. Bereits zu Mittag war klar, dass es ein langer Tag und eine noch längere Nacht werden wird. „Viele Verhandler haben sich schlafen gelegt, um später einigermaßen fit zu sein“, sagte Johannes Wahlmüller von Global 2000, einer der mehr als 15.000 Teilnehmer der Klimakonferenz.

Doch es steht zu befürchten, dass dies alles vergebliche Verhandlungsmüh sein wird. „Die Chancen sind 50 zu 50“, sagten Beobachter. Sowohl die Einigung auf einen Fahrplan hin zu einem rechtlich verbindlichen Klimaabkommen ab 2020, als auch ein komplettes Scheitern standen im Raum. Die EU hat ja bereits im Vorfeld angeboten, das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll als Überbrückung zu verlängern –, aber nur, wenn auch die großen Verschmutzer dem Fahrplan zustimmen.

Druck erhöhen

Shakehands: Umweltminister Niki Berlakovich traf in Durban UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon
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Am Donnerstag hat sich die EU mit Entwicklungsländern und Inselstaaten zu einem 120 Staaten umfassenden Block zusammengeschlossen. „Wir wollen den Druck insbesondere auf China, die USA und Indien erhöhen“, sagte Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich. Allerdings standen die großen Länder auch am letzten Gipfel-Tag auf der Bremse. Doch die Nervosität stieg.

Vor allem China und die USA belauerten einander unentwegt. Keiner der beiden größten Treibhausgas-Emittenten wollte den ersten Schritt wagen. China hatte zwar schon signalisiert, dass man sich einem international verpflichteten Abkommen anschließen könnte. „Das ist aber zu wenig“, sage Berlakovich. China müsse konkrete Zahlen auf den Tisch legen. Dann würden sich womöglich auch die USA und Indien bewegen.

Offen war auch die genaue Ausgestaltung des „Klima-Fonds“. Dieser soll ab 2020 mit jährlich 100 Milliarden Dollar ausgestattet sein, auf die Entwicklungsländer für die Umsetzung von Klima-Maßnahmen zurückgreifen können.

Plan B

Die EU spielte am Freitag „Alles oder Nichts“. Für einen halbherzigen Kompromiss sei man nicht zu haben, „dann noch lieber ein Scheitern des Gipfels“, sagte Berlakovich. Auch viele NGO-Vertreter teilten diese Ansicht. Es kursierte bereits ein Plan B: Durban vertagen und im Frühjahr bei einer Sonderkonferenz in Bonn weiterverhandeln.

Die Dringlichkeit einer Einigung veranschaulicht eine aktuelle UN-Studie: In 13 der vergangenen 15 Jahre gab es globale Wärmerekorde.

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( Kurier ) Erstellt am 10.12.2011