Wirtschaft
20.02.2018

kika/Leiner-Mutter Steinhoff muss Bilanz für 2016 ändern

Der südafrikanisch-deutsche Möbelhändler hält nur 50 Prozent an der deutschen Poco, hatte diese aber zu 100 Prozent in den Büchern. Im Hintergrund tobt ein Streit mit der XXXLutz-Gruppe.

In der Affäre um Bilanz-Unregelmäßigkeiten hat die finanziell angeschlagene kika/Leiner-Mutter Steinhoff eine juristische Niederlage erlitten. Nach dem Urteil eines Berufungsgerichts in Amsterdam muss der südafrikanisch-deutsche Konzern seine Bilanz für das Jahr 2016 ändern.

Steinhoff hatte seine 50-Prozent-Beteiligung an dem deutschen Billig-Möbelhändler Poco falsch verbucht. Um Poco tobt ein Streit mit dem österreichischen kika/Leiner-Konkurrenten XXX-Lutz, dessen Eigentümer Andreas Seifert bereits mehrere Verfahren angestrengt hat. Ursprünglich hatten sich Steinhoff und die XXXLutz-Gruppe gemeinsam an Poco beteiligt.

Lutz vs. Leiner: Streit um Poco

Steinhoff hätte jedenfalls nur 50 Prozent von Poco in die Bilanz einrechnen dürfen, wie aus dem Urteil der Unternehmenskammer vom Montag hervorgeht. Allerdings erkannten die Richter an, dass Steinhoff auch mit der Hälfte der Anteile die Kontrolle über Poco ausübt. Damit darf der Konzern die deutsche Tochter konsolidieren. Poco setzte 2016 nach eigenen Angaben mit mehr als 100 Möbelhäusern 1,52 Mrd. Euro um.

Hintergrund des Verfahrens ist ein Streit mit dem Eigentümer der XXXLutz-Gruppe um Poco. Steinhoff und XXXLutz hatten die Kette gemeinsam gekauft, sich dann aber entzweit. Der XXXLutz-Eigner Seifert hat mehrere Verfahren eingeleitet, weil er sich von Steinhoff aus dem Unternehmen gedrängt fühlt. Ein Gerichtsverfahren, wem Poco gehört, ist beim deutschen Landgericht in Dortmund anhängig.

Amsterdamer Gericht bekrittelt Bilanz

In der Bilanz hatte Steinhoff aber einen 100-Prozent-Anteil an Poco ausgewiesen. Der Preis, mit dem Seifert herausgekauft werden sollte, stand als Eventualverbindlichkeit in den Büchern, weil das Verfahren in Dortmund noch läuft - nach Ansicht von Steinhoff im Einklang mit deutschem Recht. Das Amsterdamer Gericht sah das anders. Danach hätte die 50-Prozent-Beteiligung Seiferts ausgewiesen werden müssen - mit dem Verweis, dass es darüber Streit gebe. Der Forderung Seiferts, dass Steinhoff Poco entkonsolidieren müsse, gab das Gericht aber nicht statt.

Der in Amsterdam verhandelte Fall ist aber nur ein Teil der juristischen Auseinandersetzungen mit XXXLutz. In Wien ist beim Handelsgericht eine ähnliche Klage um die Eigentumsverhältnisse am französischen Möbelhändler Conforama anhängig.