Wirtschaft 05.12.2011

Kelag kauft sich selbst Biomasse-Werke ab

Heimische Banken haben der Kelag-Tochter SWH einen massiven Nachlass der Kredite zugestanden. Nun übernimmt die Kelag fünf Werke.

Nachdem sieben österreichische Banken dem heimischen Biomasse-Großunternehmen SWH (Strom und Wärme aus Holz GmbH), Tochter von Kelag und Bundesforsten, einen massiven Nachlass der Kredite zugestanden haben, übernimmt die Kelag selbst fünf der 28 SWH-Werke. "Wir kaufen die Werke zum Marktpreis", betont Kelag-Chef Hermann Egger. Er weist Spekulationen zurück, wonach die Kelag nach der Entschuldung ihrer 50-Prozent-Tochter SWH billig zu den Werken gekommen sei.

Mit 200 Millionen Euro stand die SWH bei den Banken in der Kreide. 2010 überstiegen die Verluste das Eigenkapital. Eine Pleite konnte nur vermieden werden, weil die Banken dem Vernehmen nach die Hälfte der Schulden nachgelassen haben. Jetzt wird abverkauft: Zehn SWH-Biomassewerke sind zum Verkauf ausgeschrieben, fünf übernimmt die Kelag selbst, einige Werke dürften Gemeinden erwerben. Nur zwei Biomasseanlagen - jene in Ennsdorf und in Imst - sind unverkäuflich und bleiben vorläufig bei der SWH. "Das sind Altanlagen, für die der Ökostromfördertarif in den nächsten Jahren ausläuft. Diese können daher kaum wirtschaftlich geführt werden", sagt SWH-Chef Matthias Preußer.

Rohstoffkosten

Kelag-Generaldirektor Egger begründet den wirtschaftlichen Absturz der SWH mit dem enorm gestiegenen Preis für den Rohstoff Holz seit 2007: "Wir konnten diese Teuerung nicht an die Fernwärmekunden weiter geben". Dennoch versucht die Kelag nun selbst mit den fünf erworbenen Biomassewerken Gewinne einzufahren. "Alle Beteiligten in der SWH inklusive Banken haben einen Weg gefunden, der eine Basis bietet, künftig erfolgreich zu wirtschaften", erklärt Egger die Zuversicht, mit den Werken in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Branchenkenner sehen den Hauptgrund für den Niedergang des Biomasse-Unternehmens in Missmanagement und mangelnder Unterstützung durch die Eigentümer. Weder Kelag noch Bundesforste hätten genug Eigenkapital in das Unternehmen gesteckt, allerdings viele Kostenpositionen in die SWH geschoben.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011