Wirtschaft
25.01.2018

Kaufkraft-Unterschiede in Europa werden größer

Laut RegioData-Vergleich ist die Schweiz das reichste Land in Europa, Moldau das Armenhaus. Österreich konnte 2017 leicht zulegen.

Die Wohlstandsunterschiede zwischen den europäischen Ländern haben sich im vergangenen Jahr weiter vergrößert. Mit einer Kaufkraft von 39.588 Euro pro Kopf ist die Schweiz weiterhin das reichste Land in Europa, während Moldau mit 1.256 Euro Kaufkraft pro Kopf und Jahr das Schlusslicht bildet. Österreich hat sich laut RegioData Research nominell um 3 Prozent auf 21.812 Euro gesteigert.

Der europäische Durchschnittswert der Kaufkraft ist 2017 demnach in Relation zu 2010 nominell um mehr als ein Viertel gestiegen. Selbst unter Abzug der jeweiligen Inflationsraten bleibe im Durchschnitt noch ein sattes Plus in der Geldbörse, schreibt RegioData Research.

Wohlstandsindikator

Das mit der "Geldbörse" darf man allerdings nicht zu wörtlich auffassen - mit Kaufkraft sind in dem Zusammenhang nämlich alle in einem Jahr für den privaten und nicht privaten Konsum zur Verfügung stehenden Geldmittel gemeint, sie ist also nur ein statistischer Wert und dient als Wohlstandsindikator für den Vergleich von Ländern oder Regionen, sagt aber nichts über die finanzielle Situation einzelner Personen oder Verteilung des Wohlstands in der Gesellschaft aus. Auch ist die nominelle Kaufkraft in dem Vergleich nicht inflationsbereinigt - so müsste man etwa für Österreich von den rund 3 Prozent Kaufkraft-Plus die Jahresinflation von 2,1 Prozent abziehen.

Zu den größten Aufsteigern gehörten im vergangenen Jahr Island, Russland, Moldau, Tschechien und Weißrussland. Das liegt aber zumeist an der Wechselkurs-Entwicklung der Landeswährungen. So hat Russland mit Ende 2017 eine nominelle Steigerung in Euro von fast 20 Prozent verzeichnet, und auch Weißrussland konnte einen Anstieg von etwa 10 Prozent verbuchen, ebenso eine Folge der Währungsschwankungen.

Folgen der Ukraine-Krise normalisiert

Real in Landeswährung betrug die Steigerung in Russland für 2017 nur etwa 2,3 Prozent. Die wirtschaftlichen Folgen der Ukraine-Krise scheinen sich damit wohl wieder normalisiert zu haben und an das Vorkrisenniveau anzuknüpfen. Denn auch die Ukraine, die ihren letzten Kaufkraft-Höhepunkt Ende 2013 erreicht hatte und sich dann bis 2016 im Abwärtstrend befand, ist bis Ende des Jahres 2017, in Euro gemessen, fast 8 Prozent gestiegen. In Landeswährung erreichte die Ukraine bis Ende 2017 sogar einen nominellen Anstieg von fast 15 Prozent und eine reale Steigerung von 1,5 Prozent. In absoluten Zahlen sind Island mit einer Steigerung von über 5.000 Euro und Norwegen mit einer Steigerung von über 1.000 die großen Durchstarter des Jahres 2017.

Zwei Länder mussten im vergangenen Jahr aber Kaufkraftverluste hinnehmen: Großbritannien verlor nominell in Euro gerechnet 2,6 Prozent, die Türkei sogar knapp 5 Prozent. Um den Wechselkurs bereinigt haben jedoch beide Länder ein leichtes nominelles Plus erwirtschaftet.