Ulrich Kater, Chefvolkswirt der deutschen Dekabank

© /Deka Bank

Ausblick
02/10/2016

Katerstimmung nach der Nullzins-Party

Börsen: Ökonom Kater sieht "Welle des Misstrauens", aber keinen Grund zu Panik.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Am Aschermittwoch kommt Ulrich Kater, Chefökonom der deutschen Dekabank, traditionell nach Wien – zu einem "Kater-Frühstück". Das Motto hat noch selten so gut gepasst wie nach dem Börsencrash der Vortage. Schuld an dieser Talfahrt sei ein großer Vertrauensverlust, der sich "in die Köpfe der Anleger gefressen" habe, sagt Kater. Und das seit Mitte 2015 – ausgehend von Chinas Börsenturbulenzen.Wie so oft übertreiben die Finanzmärkte jedoch. Denn dass die Weltwirtschaft völlig abschmiert, erwartet Kater nicht: "So schlecht sieht es nicht aus." Die Dekabank sieht den deutschen Aktienindex DAX zu Jahresende wieder bei 10.000 Punkten – zuletzt war er unter 9000 gerutscht. Fazit: Eine Krise oder Anlass zu Panik gebe es nicht, aber die Stimmung habe sich merklich gedreht.

Notenbanken "bisserl hilflos"

Der Grund: "Wir sind endgültig in der Nullzinswelt angekommen", sagt Kater: "Das Hineinfahren hat noch Spaß gemacht, da sind die Preise aller Vermögenswerte nach oben gegangen." Jetzt mache sich aber Ernüchterung breit. Die Kurse bewegen sich seitwärts, die laufenden Erträge gehen in Richtung Null. Und die Notenbanken seien "ein bisserl hilflos". Das Wachstum anzuschieben, funktioniere nicht so richtig, geldpolitische Aktionen seien "keine Wunderwaffen" mehr.

Erst hui, dann pfui: Das gilt auch für den sinkenden Ölpreis. Beim Rückgang von 100 auf 50 Dollar überwogen die Vorteile, mit 30 Dollar werden schädliche Auswirkungen spürbar. Im Ölsektor drohten Pleiten, die womöglich einzelne Banken gefährden könnten. Und die hohen Schulden der Unternehmen, die durch das billige Notenbankgeld und die Nullzinsen getrieben waren, seien "nicht mehr gesund" – in den USA, mehr noch aber in China und anderen Schwellenländern.

EU-Horrorszenario

Sorgenfalten bereitet Kater auch Europa. Er glaubt zwar nicht, dass die EU durch die Flüchtlingskrise auseinanderbricht. Dieses Szenario wäre freilich ein "Albtraum" und "juristisches Kuddelmuddel", das die Märkte heftig durchrütteln würde. Gewissheiten, die 60 Jahre galten, würden schlagartig obsolet. "Die Unsicherheit wäre bis in die kleinste Unternehmensplanung überwältigend."

Weniger schlimm sei es, falls "nur" der Schengenraum kollabiert: Grenzkontrollen seien lästig und teuer, aber verkraftbar.

Einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens ("Brexit") hielte Kater für ökonomisch machbar, die britische Wirtschaft würde aber fünf bis zehn Jahre brauchen, um sich zu erfangen. Die Verunsicherung wäre groß – es drohen eine Rezession, Schwächung von Pfund und Euro und höhere Risikoprämien.

Aus dem Jammertal

Österreichs Wirtschaft habe die Talsohle durchschritten und werde im ersten Quartal wieder wachsen. Wie gut 2017 wird, hänge von den Exporten und den Schwellenländern (samt Osteuropa) ab.

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