Wirtschaft | Karriere
22.12.2017

Zwölf Mal zur Ruhe kommen

Wir hetzen von Termin zu Besprechung, dann heim zur Familie. Im Alltag bleibt wenig Zeit, um zu reflektieren. Die 12 Raunächte zwischen 24. Dezember und 6. Jänner sind eben dafür geeignet. Eine Anleitung.

Die meisten Tage im Jahr haben wir es zu eilig, um darüber nachzudenken, wie es uns geht. Wir hetzen von einem Termin zum Abendessen mit Kunden oder nach Hause. Sind genervt von Kindern, die bei der Aufgabe Hilfe brauchen und von Freunden, die beleidigt sind, weil man ein lang geplantes Frühstück absagen muss. Das Ergebnis: schlechte Stimmung und das Gefühl, die Zeit rinnt durch die Finger. Doch es gibt sie auch, die Tage, an denen man aus diesem Karussell aussteigen kann und eine Weile in sich hineinhört. An denen man prüft, wo man steht und wo man hin will. Besonders einfach soll das ab morgen, in der Nacht von 24. auf 25. Dezember gehen. Da beginnen die sogenannten Raunächte.

Mystisch

Es sind zwölf mystische Nächte, die am Weihnachtsabend beginnen und am Dreikönigstag enden, manchmal beginnen sie auch schon am 21. Dezember, der Wintersonnwende. Es sind Tage, die seit Jahrhunderten in vielen Gegenden tief im Volksglauben verwurzelt sind. Woher sie kommen ist nicht klar, vermutet wird ihr Ursprung im 16. Jahrhundert, als der Mondkalender mit seinen 354 Tagen vom Sonnenkalender mit 365 Tagen abgelöst wurde. Die Differenz sind genau zwölf Nächte. Sie verbinden das alte mit dem neuen Jahr, heißt es. "Sie stellen Verbindung her, machen Türen auf, lassen Wahrheiten durchschimmern und Einsichten anklopfen", schreibt die Oberösterreicherin Nina Stögmüller in ihrem Buch "Mein Raunächte-Tagebuch", erschienen im Verlag Anton Pustet.

In den Raunächten sind verschiedene Traditionen angesiedelt: Eine der wichtigsten ist das Räuchern – daher werden sie manchmal Rauchnächte genannt. Auch die Perchten und Glöckler haben hier ihre Tradition, begehen ihr wildes Treiben, sollen die bösen Geister austreiben und das neue Jahr gut einläuten. Und auch das Orakeln am Silvestertag – etwa durch Bleigießen – ist ein Brauch aus alten Zeiten. Sie sind nicht für jeden etwas, aber das Sich-Besinnen, das Reflektieren, einmal Offline-Sein, wird heute immer bewusster gesucht.

Auf den Job umgelegt

Wir haben diese zwölf Nächte nachfolgend auf die Jobwelt umgelegt, das Thema und die Fragen an dem jeweiligen Tag sind an jene in Nina Stögmüllers Buch angelehnt. Beantworten Sie die jeweiligen Fragen an dem dafür vorgesehenen Tag und schreiben Sie Ihre Gedanken nieder. Legen Sie Ihr persönliches Job-Raunächte-Tagebuch an. Es braucht dazu nicht viel, nur ein schönes Notizbuch, einen Stift, ein ruhiges Plätzchen und – mit unserer Anleitung – nur ein paar Minuten täglich. So können Sie klar, zuversichtlich und in sich ruhend in das neue Jahr starten. Den Abschluss der Raunächte stellt die Nacht von 5. auf 6. Jänner dar. An diesem Dreikönigstag ziehen Sie Ihr Resümee der vergangenen Tage.

Und dann? Setzen Sie um, was Sie in diesen Tagen so deutlich formuliert haben. Und wenn Sie wieder mal Karussell fahren, nehmen Sie das Tagebuch zur Hand und steigen aus.

24./25. Dezember: Ausgelassen feiern

Die erste Raunacht steht im Zeichen des Schenkens und Feierns. Denken Sie über die folgenden Fragen nach und beantworten Sie sie ruhig opulent:
1. Was ist für mich im Job das größte Geschenk?
2. Was habe ich heuer von meinem Job erwartet?
3. Was wünsche ich mir fürs nächste Jahr?
4. Was kann ich mir selbst schenken?
5. Womit konnte und werde ich Arbeitgeber/Kunden/Patienten/Kollegen bereichern?

25./26. Dezember: Tief Luft holen

Die großen Weihnachtsfeierlichkeiten sind bei den meisten vorbei. Am zweiten Weihnachtstag geht es daher ums Stillwerden und Genießen. Bleiben Sie im Pyjama, gehen Sie spazieren, lesen Sie bis tief in die Nacht hinein. Und fragen Sie sich:

1. Wann nehme ich mir im Alltag eine Auszeit?
2. Wie wichtig ist sie für mich?
3. Brauche ich mehr? Viele kleine? Oder eine große?
4. Was würde das ändern?
5. Wie kann ich mir mehr Freiräume schaffen?

26./27. Dezember: Negatives loslassen

Während des Jahres sind wir meist zu gehetzt von aktuellen Projekten, Deadlines, Bilanzen, wer das kranke Kind abholen soll oder einfach nur von der Frage „Was gibt’s heut zu Essen?“. All das drängt sich in den Vordergrund und es bleibt kaum Zeit, sich diese Fragen zu stellen:
1. Was oder wen hätte ich längst ziehen lassen sollen?
2. Was kann ich (noch) nicht loslassen?
3. Was hält mich zurück?
4. Was macht mir Angst/Sorgen?
5. Worauf möchte ich mich im komm enden Jahr einlassen?

27./28. Dezember: Fakten akzeptieren

Wie oft lassen wir unsere Laune von Dingen trüben, die wir in dem Moment nicht ändern können? Etwa die volle U-Bahn, dass im Supermarkt die Milch aus ist oder dass der Kollege ausgerechnet da Urlaub bekommen hat, wo man doch selbst gerne weggefahren wäre. Wer übt, Unumstößliches anzunehmen, führt ein leichteres Leben. Fragen Sie sich also:
1. Was ärgert/stört mich?
2. Was kann ich ändern?
3. Was kann/muss ich akzeptieren?
4. Wie gehe ich damit um?
5. Was hilft mir dabei?

28./29. Dezember: Gewohnheit ändern

Nicht alle Gewohnheiten sind schlecht. Denn nur durch diese Automatismen ist im Gehirn genug Kapazität frei, um auch Komplexes zu schaffen. Aber weil sie so tief liegen, ist es auch so schwierig schlechte Angewohnheiten aufzugeben. Beginnen Sie damit:
1. Welche Angewohnheiten haben sich eingeschlichen?
2. Welche machen mein Leben komplizierter?
3. Welche möchte ich aufgeben?
4. Wie kann ich sie aufgeben/ersetzen?
5. Was gewinnen ich dadurch?

29./30. Dezember: Glück erforschen

Macht Geld glücklich? Nein, an Reichtum gewöhnt man sich, sagt George Vaillant. Er hat Glück länger als jeder andere erforscht. Er sagt: „Glück ist, nicht immer alles gleich und sofort zu wollen, sondern weniger zu wollen.“ Denken Sie darüber nach:
1. Was macht mich heute glücklich?
2. Macht mich mein Job glücklich?
3. Was macht mich daran glücklich
und was macht mich unglücklich?
4. Kann ich ändern, was mich un
glücklich macht?
5. Welche Strategie hilft mir dabei?

30./31. Dezember: Punkt machen

Die Oberösterreicherin Nina Stögmüller schreibt in „Mein Raunächte-Tagebuch“, dass diese dazu da sind, um das alte Jahr gut abzuschließen und sich mit Dingen und Menschen zu versöhnen. Fragen Sie sich dazu:
1. Wer/Was hat mich heuer enttäuscht?
2. Kann ich das vergessen? Kann ich das vergeben?
3. Wie?
4. Wen habe ich heuer enttäuscht?
5. Wie kann ich Vertrauen (zurück) gewinnen?

31. Dezember/1. Jänner: Glück wünschen

In dieser Nacht wird mehr geträumt und Glück gewünscht, als in jeder anderen des Jahres. Es scheint vieles möglich, wo uns sonst der Mut versagt. Nutzen Sie diese positive Energie, beenden Sie das alte Jahr so, wie sie das neue erleben möchten. Überlegen Sie sich:
1. Was fehlt mir zum Glück?
2. Was sind meine Herzenswünsche?
3. Wie kann ich meine Träume verwirklichen?
4. Wer oder was kann mir dabei helfen?
5. Wie kann ich anderen dabei helfen, ihre Träume zu verwirklichen?

 1./2. Jänner: Chancen formulieren

Vorsätze fürs neue Jahr laut zu formulieren ist aus der Mode gekommen. Vielleicht, weil nur die wenigsten umgesetzt werden und man sich Niederlagen ersparen möchte? Aber: Wer Ziele definiert, erreicht sie leichter, sagt die Wissenschaft.
1. Was treibt mich an? Was motiviert mich?
2. Was möchte ich heuer beruflich erreichen?
3. Wie komme ich an meine Ziele?
4. Was sind die Herausforderungen dabei?
5. Wie kann ich sie bewältigen?

2./3. Jänner: Fehler eingestehen

Ein Sprichwort sagt: „Doubt kills more dreams, than failure ever will.“ Also: Zweifel beendet mehr Träume, als Fehler es jemals könnten. Haben Sie also keine Angst, Fehler zu machen. Stellen Sie sich ihren Fehlern und lernen Sie daraus. Dazu dient die zehnte Raunacht.
1. Welche Fehler mache ich immer wieder?
2. Was sind die Folgen dieser Fehler?
3. Was kann ich aus diesen Fehlern lernen?
4. Wie kann ich sie künftig verhindern?
5. Was gewinne ich dadurch?

3./4. Jänner: Sich selbst lieben

Für das Zu-sich-selbst-Nettsein, In-sich-Hineinhören bleibt im Alltag kaum Zeit. Wir verheizen den Körper, nehmen wenig Rücksicht auf Zeichen der Überforderungen und das Verlangen des Geistes für Ruhe. Doch heute gibt es keine Ausreden. Fragen Sie sich:
1. Was mag ich an mir?
2. Was mögen meine Kollegen/Chefs/Kunden/Patienten an mir?
3. Worin bin ich richtig gut? Was fällt mir leicht?
4. Wie kann ich das ausbauen?
5. Was kann ich mir Gutes tun?

4./5. Jänner: Licht und Schatten

Die Dualität von Gut und Böse wird in den Raunächten durch Frau Percht und ihr Gefolge, die Perchten, und ihre Umzüge symbolisiert. Eben dem widmet sich auch die letzte Raunacht: den eigenen Licht- und Schattenseiten. Um die Schattenseiten ans Licht zu bringen beantworten Sie folgende Fragen:
1. Was sind meine negativen Seiten, Gedanken und Eigenschaften?
2. Was füttert sie?
3. Welche möchte ich loswerden?
4. Wie kann ich sie bremsen?
5. Was habe ich heute Gutes getan?