Südkorea: Kein Uni-Abschluss, kein Job

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Foto: Reuters/KIM HONG-JI Für den entscheidenen Tag der Zulassungsprüfung lernen Südkoreas Teenager bis zum Umfallen

81 Prozent der Koreaner wollen auf eine Uni.Trotz des enormen Leistungsdrucks – oder deswegen. In Österreich sind es nur 28 Prozent.

„Während der Prüfungszeit  lernen die Studierenden von sieben Uhr früh, oft bis Mitternacht oder  sogar bis zwei Uhr. Sie schlafen während des Lernens eine halbe Stunde und dann geht es weiter“, erzählt Sabine Reyländer. Vergangenes Sommersemester verbrachte die   Studentin der FH Technikum Wien an einer der renommiertesten Universitäten Südkoreas, der Korean University. Dort lernte sie eine neue  Einstellung zu Arbeit und Studium kennen.
In   Südkorea ist ein Universitätsabschluss nicht nur die   Eintrittskarte in eine angesehene Firma, in  Südkorea hängt die soziale Stellung  vom Abschluss ab. Ja  sogar  die Stellung  der ganzen Familie.  Da wird das  Leben der Bildung untergeordnet, viel  Geld in diese investiert. Das  ganze Leben der jungen Südkoreaner ist  auf den Tag  ausgerichtet, der darüber entscheidet an einer Top-Uni studieren zu können: Den Tag an dem der zentrale Zulassungstest  stattfindet.  81 Prozent der  15-jährigen Südkoreaner haben  laut OECD-Statistik das Ziel einen Uni-Abschluss zu machen. Hingegen nur  28 Prozent der Österreicher.

Der Weg in den Himmel

Mit sechs Jahren kommen Kinder in die  sechsjährige Grundschule. Stressig wird es in der dreijährigen Mittelschule: Der Schultag dauert oft bis 16 Uhr, danach gehen die Jugendlichen  mehrmals pro Woche in eine der 70.000  privaten Bildungsfabriken, den  Hakwon.  Nach der Mittelschule ist die Schulpflicht zwar vorbei, doch fast 100 Prozent besuchen die Oberstufe. Vier bis fünf Stunden Schlaf täglich sind im letzten von zwölf   Schuljahren keine Seltenheit –  die  große Zulassungsprüfung erfordert Vorbereitung. An diesem  Tag  im Herbst  wird  eine Stunde später mit der Arbeit  begonnen. Nur um den Prüflingen das übliche Verkehrschaos zu ersparen.  Das Ziel an diesem Tag, ist nichts geringeres als der Eintritt in den Himmel:  Nur die Besten werden es auf eine der sogenannten SKY-Universitäten in Seoul schaffen: Die  Seoul-National-Universität, die Universität Korea und eben die Yonsei-Universität sind die Kaderschmieden Südkoreas. Wer es in eine der drei schafft, kann sich den Job  aussuchen.


Der Preis

Südkorea  hat nicht nur eine der höchsten Akademikerraten, sondern auch eine  der  höchsten Selbstmordraten der Welt: Alleine im  Jahr 2009 haben sich 202 Schüler das Leben genommen. Der enorme Leistungsdruck  vom Kindergarten an und die starke Konkurrenz am Arbeitsplatz werden oft als Grund dafür angegeben.   „Die Südkoreaner sind viel mehr unter Druck als die Studierenden  in  Österreich“, sagt Reyländer.  Ein Dreier auf eine Prüfung sei eine katastrophal schlechte Note, es herrsche Anwesenheitspflicht  und Koreaner  haben sich  auch  an den Unis  an einen Stundenplan zu halten.
Irgendwie haben sich die Koreaner mit dem System arrangiert. „Es passt für sie“, meint Reyländer.  Alternative gibt es ohnehin keine. Denn ohne Abschluss rückt ein Job in weite Ferne.                                               

(KURIER / Andrea Hlinka) Erstellt am
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