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Wirtschaft Karriere
02/16/2012

Studie: Frau mit Grips hat doch Kinder

Je höher Frau gebildet ist, desto weniger Kinder gebärt sie – stimmt nicht. Eine neue Studie widerlegt Altgeglaubtes.

von Andrea Hlinka

Frauen mit hoher Bildung haben weniger Kinder, weil sie ihre Familienplanung rationaler angehen und weil Karriere sich mit Kindern nach wie vor schwer bis gar nicht vereinbaren lässt. Klingt logisch und wurde in diversen Studien belegt. Wolfgang Lutz, angesehener Demograf und Wittgensteinpreisträger hat eben das erst vergangenes Jahr publiziert.

Rudolf Winter-Ebmer, ein Wissenschaftler des Instituts für Volkswirtschaftslehre der Johannes-Kepler-Uni in Linz steigt jetzt in den Statistik-Ring, mit einer klaren Ansage: „Zwar bekommen höher gebildete Frauen wirklich weniger Kinder. Aber ob die Bildung der Grund dafür ist, muss bezweifelt werden.“

Winter-Ebmer führt aus: „Ebenso wäre es möglich, dass frühe Schulabgängerinnen generell größere Familien bevorzugen oder dass die Geburt eines Kindes die weitere schulische Karriere einer jungen Mutter negativ beeinflusst.“

6000 Europäerinnen

Gemeinsam mit den beiden Forscherinnen Margherita Fort aus Bologna und Nicole Schneeweis aus Linz hat der Ökonom Daten von mehr als 6000 Frauen mit Pflichtschulabschluss aus acht europäischen Ländern untersucht und Änderungen der gesetzlichen Schulpflicht ausgewertet, die sich zwischen 1942 und 1967 ereignet haben.

Das überraschende Ergebnis: Frauen, deren Pflichtschulzeit länger dauerte hatten sogar mehr Kinder geboren.

Ein zusätzliches Jahr an Schulbildung reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau kinderlos bleibt, um rund zehn Prozent. Jede fünfte Frau bekommt aufgrund der höheren Bildung ein zusätzliches Kind.

Aber Winter-Ebmer differenziert hier: „Eine Verlängerung der Schulpflicht beeinflusst aber generell nur Frauen mit geringer Schulbesuchsneigung. Für diese Frauen bedeutet die höhere Bildung eine Chance auf höheres Einkommen, wodurch sie sich wiederum mehr Kinder leisten können“, so der Wissenschaftler Winter-Ebmer.

Auch das klingt logisch und wurde wissenschaftlich belegt. So oder so: Gebildete Frauen sind in jedem Fall selbstbestimmter.

Lutz-Studie: Viel Grips, weniger Kinder

Neun Milliarden Menschen Im Juli 2011 hatten die Demografen Wolfgang Lutz und Samir K.C. die Auswirkungen der Bildung auf das Wachstum der Weltbevölkerung bis 2050 analysiert. Es wurde gezeigt, dass die Weltbevölkerung 2050 die Neun-Milliarden-Grenze nicht überschreiten würde, wenn jetzt Anstrengungen zur weltweiten Anhebung des Bildungsniveaus unternommen werden würden. Die formale Bildung der Frau ist laut der Studie der entscheidende Faktor für das Wachstum von Bevölkerungen – gebildetere Frauen haben allgemein weniger Kinder, sind gesünder, die Überlebenschancen ihrer Kinder sind höher.

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