Sie hat 50 Millionen Euro für die richtigen Start-ups

Doris Agneter ist Geschäftsführerin von tecnet Equity, einem Fond, der in Tech-Start-ups in der frühen Phase investiert © Bild: tecnet equity/Bernhard Schramm

Doris Agneter beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Venture Kapital und steuert heute ein Fondsvolumen von 50 Millionen Euro. Kürzlich wurde sie mit dem Investorinnen-Award ausgezeichnet. Wie schafft man es als Frau dahin?

KURIER: Sie sind Managerin und wurden soeben als Investorin des Jahres im Bereich Fond Management ausgezeichnet. Wie kommt eine Frau zu Macht und Geld?

Doris Agneter: Nicht anders als ein Mann. Ich habe eine technische Ausbildung und habe von Beginn an im betriebswirtschaftlichen Finanzierungsbereich gearbeitet. Und ich habe schon seit vielen Jahren eine Passion für verschiedene Finanzierungsformen, Technologien und Menschen.

Wieso ist die Kombination Macht, Geld und Frau so selten?

Zum einen haben nur wenige Frauen in der Vergangenheit technische Studienrichtungen ausgewählt. Und wenn, dann sind sie in die Forschung gegangen. Gerade die Kombination von Management und Technologie ist immer noch selten, aber da wir mit vielen Unis zusammenarbeiten und ich auch einige Lehraufträge habe, sehen wir, dass sich das langsam ändert. Gerade im IT-Bereich gibt es noch immer nur eine Handvoll Gründerinnen.

Sie haben zwei Kinder. Wie haben Sie Ihr Berufs- und Ihr Privatleben angelegt, um diese Erfolge zu erreichen? Welche Kompromisse mussten Sie dafür eingehen?

Ich hatte das Glück, dass ich sehr viel Unterstützung hatte. Die Großeltern waren immer da. Die Kompromisse sind die, dass man einige Nächte arbeitend verbringt und dadurch weniger Zeit für sich selbst hat. Umso wichtiger ist es, dass man den Beruf gerne hat und mit Freude macht. Dann geht sich das aus.

In welchen Fragen hätten Sie sich Energie und Nerven sparen können?

Viele Frauen tendieren dazu, sehr perfekt sein zu wollen. Gerade in einem männerdominierten Bereich muss man sich am Anfang der Laufbahn doppelt gut vorbereiten und performen. Man darf sich nicht mit dem Mittelmaß zufriedengeben, aber es darf auch mal nicht ganz so perfekt sein.

Investieren Sie privat in Start-ups?

Nein. Das wäre ein Conflict of Interest.

Mit wie viel Geld steigt tecnet Equity bei Start-ups ein?

Wir haben ein Fondsvolumen von rund 50 Millionen Euro, Geld vom Land Niederösterreich. In ein Start-up investieren wir einige Hunderttausend Euro bis zu drei Millionen.

Was ist das Ziel?

Wir investieren natürlich, um Rendite zu machen. Zum anderen wollen wir den Standort stärken und neue Unternehmen zum Durchstarten bringen und einen Kreislauf in Gang setzen.

Wieso wäre es wichtig, dass mehr Frauen investieren? Was machen Investorinnen anders?

Man sieht die Gründerteams wohl etwas breiter, geht auf andere Aspekte ein.

Welche Aspekte sind das?

Zwischenmenschliche und in Managementfragen. Gerade bei der Gründung eines Unternehmens durchlebt man sehr viele unterschiedliche Phasen, die nicht immer euphorisch sind. Daher ist es gut, unterschiedliche Partner zu haben, wo nicht der Konkurrenzkampf im Vordergrund steht.

Gibt es unter den Start-ups große Konkurrenz ums Geld?

Ja. Die Szene hat sich stark entwickelt, auf Gründer- und auf Investorenseite. Angebot und Nachfrage sind gestiegen. Vor allem ist aber die Qualität der Investoren und Start-ups gestiegen.

Für welche Start-ups sehen Sie eine rosige Zukunft voraus?

Wir sind auf Deep-Tech-Start-ups spezialisiert. Das sind Start-ups, die auf einer Technologie basieren, wo einiges an Forschungsleistung vorangegangen ist oder nötig ist. Da braucht man einen längeren Atem und macht nicht nach einem Jahr einen guten Exit. Aber man kann eine nachhaltige Entwicklungen herbeiführen, die dann gute Chancen für Mergers & Aquisitions und Exits bringt. Im vergangenen Jahr konnten wir etwa einen sehr schönen Exit mit nxtControl feiern.

Wie hoch war der Exit?

Er bewegte sich im zweistelligen Millionen-Bereich.

Welche Start-ups disqualifizieren sich?

Wenn wir das Gefühl haben, dass das Team nicht voll hinter dem Unternehmen und dem Thema steht und dafür bereit ist, etwas einzusetzen, dann ist es kein Unternehmen für uns. Es muss skalierbar sein, damit entsprechendes Wachstum sichergestellt sein kann.

( kurier.at ) Erstellt am 23.01.2018