Wirtschaft | Karriere
30.12.2017

Neues im Job: Das waren die Schlagzeilen des Jahres

Das Karrieren-Jahr 2017 war bewegend: ein Überblick über die Neuerungen und Änderungen, Aufreger und Trends des abgelaufenen Jahres.

Trendwende auf dem Arbeitsmarkt Im Frühjahr 2017 gab es eine sichtbare Erholung auf dem Arbeitsmarkt. Eine Trendwende nach vielen Jahren schlechter Beschäftigungslage. Nach und nach manifestierte sich diese positive Entwicklung auch bei den kritischen Gruppen des Arbeitsmarkts – Jugendliche, Ältere und Ausländer. Aktuell waren im November 404.699 Personen arbeitslos gemeldet (8,2 Prozent, nationale Definition), ein Minus im Vergleich zum Vorjahr von 5,7 Prozent. Gleichzeitig gibt es einen Rekord: Noch nie waren so viele Menschen in Beschäftigung wie in diesem Jahr, aktuell sind 3.682.000 Personen unselbstständig beschäftigt.

Roboter und Digitalisierung Während die einen jubeln, sind andere besorgt, dass Roboter ihren Job wegnehmen. Tatsächlich fallen der Digitalisierung Jobs zum Opfer. Die Oxford-Studie "Zukunft der Beschäftigung" spricht von jedem zweiten Job, der gefährdet ist. Für Österreich prognostiziert das IHS, dass 360.000 Jobs akut gefährdet sind. Nämlich überall dort, wo die Arbeit berechenbar und routiniert ist, Informationen verarbeitet werden, Facharbeiter Hand anlegen oder im niedrigqualifizierten Bereich. Aber die Industrie 4.0 wird auch Jobs schaffen, sind Zukunftsforscher sicher. So der Mensch bereit ist, sich weiterzubilden und Firmen das unterstützen. Der Idealfall: Mensch schafft an, Roboter arbeiten.

Aktion 20.000 Am 1. Juli startete das Pilotprojekt "Aktion 20.000", bei dem Jobs für Langzeitarbeitslose über 50 Jahre (in Gemeinden, gemeinnützigen Organisationen) geschaffen werden sollen und die Lohn- und Lohnnebenkosten für zwei Jahre vom Staat übernommen werden. Kosten: 778 Millionen Euro. Ein Bericht des Sozialministeriums zeigte, dass die Maßnahme greift: Während die Langzeitarbeitslosigkeit bei über 50-Jährigen um 2,3 Prozent gestiegen ist, konnte in den Modellregionen eine Reduktion von 1,4 Prozent erreicht werden. Für 2018 ist die Weiterführung der Aktion unsicher.

Beschäftigungsbonus Eine weitere Maßnahme, Jobs zu schaffen, ist der Beschäftigungsbonus: Firmen, die neue Jobs schaffen, sollen in den nächsten drei Jahren mit zwei Milliarden Euro gefördert werden. Mittlerweile sollen schon 11.000 Betriebe für 50.000 Jobs um den Bonus angesucht haben. Die EU-Kommission prüft aktuell allerdings noch die Vereinbarkeit des Bonus mit dem EU-Recht. Die ÖVP und FPÖ erwägen, die Maßnahme zu kippen.

Mindestlohn 220.000 Menschen in Österreich – darunter Friseure, Angestellte bei Ärzten oder Zeitungszusteller – verdienen bei einer Vollzeitbeschäftigung weniger als 1500 Euro brutto im Monat. Bis Ende 2019 soll das in Etappen angehoben werden, denn Mitte des Jahres wurde der Mindestlohn von 1500 Euro brutto für Branchen mit Kollektivvertrag beschlossen.

#MeToo Es begann in Hollywood und verbreitete sich mit einem Hashtag wie ein Lauffeuer um die Welt: Die #MeToo-Kampagne. Hauptakteurinnen sind Frauen, die sich gegen sexuelle Belästigung durch männliche Chefs und Kollegen wehren. Dadurch, dass sie Erlebnisse im Netz veröffentlichten und ihre Peiniger an den Pranger stellten, sind zahlreiche Politiker und Manager zurückgetreten. Im österreichischen Parlament soll bis Mitte März 2018 eine Anlaufstelle für sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch entstehen.

Die Quote kommt Im Sommer im Parlament beschlossen, ab 1. Jänner gesetzliche Pflicht: ab 2018 gibt es auch in Österreich eine Quote von 30 Prozent für das unterrepräsentierte Geschlecht in Aufsichtsräten, wenn das Unternehmen börsenotiert ist oder mehr als 1000 Arbeitnehmer beschäftigt. Das betrifft in Österreich ca. 150 Unternehmen.

Leiharbeiter-Boom Die Arbeitskräfteüberlassung erlebt in Österreich einen neuen Höhenflug. Die anziehende Auftragslage in der Industrie und am Bau ließ die Zahl der Beschäftigten erstmals über 100.000 steigen. Ende Oktober gab es laut Hauptverbands-Daten 103.000 Leiharbeiter, das waren um 14.000 bzw. 15,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

12-Stunden-Tag Viele Jahre war er Streitthema, mit Ende 2017 wird er eventuell konkret: Der 12-Stunden-Tag, der im Rahmen einer Arbeitszeitflexibilisierung eingeführt werden soll. Bedeutet: Wenn im Betrieb in Spitzenzeiten mehr Arbeit anfällt, darf der Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern fordern, zwölf Stunden am Tag oder 60 Stunden in der Woche zu arbeiten – bis jetzt lag die Höchstgrenze der Arbeitszeit bei zehn Stunden täglich und 50 in der Woche. Im Gegenzug sollen die Mitarbeiter selbst entscheiden können, wann sie diese Stunden wieder abbauen wollen – es gibt für die Überstunden also kein extra Geld. Zuschläge soll es nur für jene Stunden geben, die nicht abgebaut werden konnten.

Sessel geräumt: Diese zwölf Manager sind 2017 gegangen

Im März 2017 legte Karl Sevelda (67) den Vorstandsvorsitz bei der RBI zurück. Einen Paukenschlag gab es im März bei Semperit: Vorstandschef Thomas Fahnemann (55) musste das Unternehmen verlassen. Ebenfalls im März ging Finanzchef Heinz Lachinger (50) von der AUA, nach 30 Jahren im Konzern, sein Nachfolger ist der Österreicher Wolfgang Jani. Anfang Juni übernahm Alexander Labak (54) den Chefsessel bei Casinos Austria und Lotterien und folgte Karl Stoss (61) nach. Chefwechsel auch bei der Allianz: Wolfram Littich (58) übergab an Remi Vrignaud (40). Ende September verließ Harald Nograsek (59) das Verkehrsbüro. Bei IBM Österreich übernahm Patricia Neumann von Tatjana Oppitz (55). Margarete Schramböck (47) schied im Oktober bei A1 aus, jetzt ist sie Ministerin für Wirtschaft und Digitales. Auch die Brau Union baute um: Vorstandsvorsitzender Markus Liebl (62) übergibt mit Jahresbeginn an den Norweger Magne Setnes (47). Ein Abgang auch bei der Bawag PSK: Byron Haynes (51) geht mit Jahresende. Und zum Jahreswechsel wechselt Frank Hensel (59) vom Vorstand bei Rewe International in dessen Aufsichtsrat.