Netzwerk: Die wichtigsten Veränderer Österreichs

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Foto: ahlinka/netzwerk_online.jpg

Wer treibt in Österreich Veränderung voran? Eine Studie identifiziert die wichtigsten Player.


Jede Gesellschaft braucht Change-Maker. Menschen, die an die Veränderung glauben, sie vorantreiben, mit Einsatz und Energie daran arbeiten, dass Erneuerung stattfindet.

Auch Österreich hat seine Veränderer. Der bekannte Netzwerk-Analyst Harald Katzmair von FAS Research hat, gemeinsam mit der Non-Profit-Organisation Ashoka diese Menschen identifiziert. Ergebnis: Ein dichtes Gewebe aus 1225 Change-Makern, die in ihren Branchen den Wandel realisieren.

Diese Change-Maker hätten keine Chance ohne wohlwollende Unterstützer. Das sind Geldgeber oder etablierte Kenner der Szene, die ihr Know-how zur Verfügung stellen, oder Personen, die ihrerseits über ein großes Netzwerk verfügen, das beim Vorantreiben der Sache hilft. Von diesen Unterstützern gibt es gerade mal 220, die 25 wichtigsten sind in der Grafik oben abgebildet. Studienleiter Harald Katzmair: "Die Anzahl wäre für ein Land wie Österreich ganz okay, aber nur eine erbärmlich kleine Gruppe von 14 Personen wurde mehr als zwei Mal genannt." Das zeige, dass diese sozialen Business Angel isoliert und lokal agieren, dass die Community noch sehr jung ist, aus der Peripherie kommt und es kein strategisches Zentrum gibt. "Es gibt Cluster, die sind aber nicht oder nur sehr wenig miteinander verbunden. Das Netzwerk ist also gerade erst im Entstehen", so Katzmair.

Was die Unterstützer geben? "Es geht es nicht nur ums Geld", sagt Marie Ringler, Geschäftsführerin von Ashoka. Wiewohl Geld ein wichtiger Input ist. Auch Wissen, Beziehungen und Reputation sind wertvolle Treiber. "Das hat man alles nicht, wenn man beginnt, als Newcomer ein Projekt in die Wege zu leiten", erklärt Katzmair. Jemand muss die Rutsche legen, finanzieren, Anleitung liefern. Den Hintergrund ihres Engagements erklärt Katzmair mit den Schlagworten Money and Meaning, das seien die zwei Währungen in Netzwerken. Diese Leute suchten Sinn. Das hat viel weniger mit Idealismus zu tun, als man glaubt. Diese Menschen wollen etwas bewegen, etwas schaffen.

Top-5 der Liste der wichtigsten sozialen Business Angels: Sylvia Brenzel von plenum, Irene Varga von der Köck Privatstiftung, Christian Friesl von der Industriellenvereinigung, Markus Plasencia von der Vulkanschule und Adolf Groß vom Land Vorarlberg.

Die Change-Maker

1225 Menschen, die etwas verändern

In 300 Interviews mit Opinionleadern wurden von FAS Research im Auftrag von Ashoka, einer Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs, 1225 Menschen genannt, die Probleme in der österreichischen Gesellschaft auf innovative Weise lösen.

Die wichtigsten Change-Maker – am häufigsten genannt und mit der größten Tatkraft – sind: Martin Hollinetz: Der Gründer von OTELO Technologielabore, ein Open-Source-Modell für Kreative auf dem Land, wurde 2013 von der Presse zum Österreicher des Jahres gekürt.

Michael Kvas hat den Verein EP (Erlebnispädagogik), zur Förderung von Jugendlichen gegründet – eine Plattform die Menschen dabei unterstützt ihre Ressourcen und Potenziale zu entdecken und zu nutzen.

Die Bildungsexperten Heidi Schrodt ist Gründerin und Vorsitzende des Vereins BildungGrenzenlos – und niemals leise, wenn es um Bildung geht.

Studienleiter Harald Katzmair erklärt, warum man die Liste bis auf weit über tausend Menschen recherchiert hat: "Selbst in der Changemaker-Community kommen neue Ideen und Lösungen nicht aus dem Zentrum sondern von der Peripherie, von den hinteren Rängen. Die Etablierten sind nur erfolgreich, soweit sie fähig sind, mit der Peripherie Verbindungen einzugehen und deren Potenzial zu nützen – denn dort findet die Erneuerung statt." Generell geht es in allen Netzwerken und Beziehungen darum, das Potenzial ständig zu erneuern. Das gelingt dann, wenn es eine kritische Masse von Komplementarität und Diversität gibt: "Ein Netzwerk ist nur dann Erneuerungsfähig, wenn es unterschiedliche Typen gibt, Newcomer und etablierte Player, wenn Querdenker und Förderer dabei sind."

Unterstützerin der humanistisch-liberalen Bildung

Die Advokatin der Bildung: Irene Varga

… Foto: Köck Privatstiftung 1958 machte sich Walter Köck mit einem 40 m² großen Elektro-Geschäft selbstständig. 1989, zum Zeitpunkt des Verkaufs, war das Unternehmen Marktführer und auf 550 Mitarbeiter an vier Standorten angewachsen. Um der Gesellschaft etwas zurückzugeben, richtete die Familie Köck eine Privatstiftung ein, die u.a. kindgemäße, humanistisch-liberale pädagogische Konzepte fördert. Irene Varga betreut seit 2000 die Projekte.

Wir unterstützen ...

... Projekte im Bereich der Schulreform und der kindgemäßen Pädagogik. Eine freie, offene und humane Gesellschaft braucht offene, tolerante, verantwortungsbewusste, sozial engagierte und couragierte Menschen. Kinder brauchen ein Umfeld, das sie bei der Entwicklung dieser Eigenschaften unterstützt.

Gutes tun versus Geld verdienen?Am Beispiel der Initiative Neues Lernen erlebe ich seit 14 Jahren, wie wichtig es ist, engagierte Menschen in ihrem Tun zu bestärken, ihnen für ihr Engagement zu danken und Interessierte zu ermuntern. Das bewirkt einen enormen Hebel im Sinne zivilgesellschaftlicher Weiterentwicklung und bereichert das eigene Leben. Das Tollste ist, konkrete Wirkungen zu erleben – welche Persönlichkeiten Kinder sind, die sich an ihren Talenten, Interessen und mit Freude entwickeln können.

Ich glaube an Veränderung, weil ...... ich erleben darf, welch enorme Gestaltungskraft Menschen besitzen und wie Kinder Zukunft gestalten wollen. Sie übernehmen Verantwortung für sich, ihr Umfeld – letztendlich die Welt im Sinne einer nachhaltigen, friedlichen Entwicklung.

Die Begleiterin von Wachstum

Erschaffte Plenum: Sylvia Brenzel

… Foto: plenum Wirtschaftswissenschaftlerin Sylvia Brenzel gibt Change-Makern das Know-how, um soziale Innovationen und zukunftsfähige Projekte umzusetzen. Rund 90 Change-Maker begleitete sie bisher im Rahmen von "Pioneers of Change" (www.pioneersofchange.at), ein Projekt, das den Wandel begleitet. Weitere rund 140 im Rahmen der Quint.Essenz, der Meisterklasse für Nachhaltigkeit und -management. 2008 gründete sie mit vier Kollegen plenum, eine soziale Unternehmensberatung, die hilft, Nachhaltigkeit in Unternehmen zu implementieren.

Ich unterstütze ...

... echte Nachhaltigkeit, die ich als integriertes Modell verstehe. plenum versteht sich als Begleiter, weil wir dabei helfen, Nachhaltigkeit als selbstlaufende Prozesse in Unternehmen zu etablieren – konkret etwa bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten, beim Aufsetzen von CSR-Strategien und Stakeholder-Dialogen.

Gutes tun versus Geld verdienen?

Mein Wunsch ist es, vom herrschenden Wachstumsparadigma wegzukommen, hin zu einer fairen und zukunftsfähigen Wirtschaft für den Menschen. Initiativen wie "Wachstum im Wandel" (www.wachstumimwandel.at) sind für mich dafür wesentliche Meilensteine.

Ich glaube an Veränderung, weil ...

... ich mit Menschen zu tun habe, die zukunftsfähige Wege aufzeigen und gehen, die eine Ahnung davon haben, dass es auch anders geht. Ich kann nicht versprechen, dass wir die große Wende schaffen, aber ich kann meinen Teil dazu beitragen.

Entwickler von Innovationsräumen

Matthias Reisinger, der Gründer vom HUB Vienna

… Foto: Impact HUB Nach dem Wirtschaftsstudium gründete Matthias Reisinger 2010 mit Kollegen den Impact Hub Vienna, einen Arbeits- und Innovationsraum, eine Plattform für unternehmerisch denkende Menschen, in einem Gründerzeit-Haus in Wien 7. Dort konzipieren, kalkulieren, diskutieren sie und setzen innovative Ideen um.

Ich unterstütze ...

... Menschen mit innovativen Ideen, die die Welt verändern und Probleme lösen wollen. Wir sehen gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen, die nicht lösungsorientiert behandelt werden. Menschen, die die Lösung dieser Probleme unternehmerisch angehen, brauchen Raum, um sich zu vernetzen und zu arbeiten. Deshalb haben wir den Impact Hub gegründet.

Gutes tun versus Geld verdienen?

Klar – ich kann wirtschaftlich handeln und gleichzeitig etwas bewegen. Für mich war eine Dimension der Wirtschaft, die über die Profitmaximierung hinausgeht, immer wichtig und real. Unsere Zeit hat ein Bild erschaffen, das auf der einen Seite die bösen Wirtschaftler zeigt und auf der anderen die Gutmenschen – dieses Bild gibt es tatsächlich nicht.

Ich glaube an Veränderung, weil ...

... das Bewusstsein da ist, dass wir einen neuen Ansatz brauchen, wie wir Politik betreiben, wie wir nachhaltig konsumieren und produzieren und wir stoßen an Grenzen, bei dem Versuch Menschen mit einem anderen sozialen Hintergrund zu integrieren. Es gibt dazu viele Ideen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Alternativen zum Normalzustand werden.

(kurier) Erstellt am
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