Marchgut
Marchgut

© Andreea Saseran

13 Fragen

„Man wird erfolgreich gemacht“

Die Produkt-Designer Marek Gut und Christoph March sind zusammen March Gut

von Andrea Hlinka

05/24/2013, 11:45 AM

Am Tummelplatz Nummer eins, in der Nähe vom alten Theater in Linz, haben Christoph March und Marek Gut 2010 ein Quartier gefunden – einen Teil haben sie renoviert, ein Teil ist eine alte Garage. In ihrem Garten baut der Besitzer des benachbarten vegetarischen Restaurants Kräuter an. Manchmal spaziert der Koch mit Kräutern durch die Werkstätte, während March und Gut einen Stuhl entwerfen, eine Kommode als Karton-Modell seine Form findet, Eckbanken am Bildschirm entstehen.

1 Wieso seid ihr Industrial Designer geworden?

Marek Gut: Unserer beiden Väter sind Architekten. Die Materie war uns also nicht ganz fremd. Es war die Liebe zu den Formen, das Spiel mit Materialien und dass die Produkte vom Endkunden geschätzt werden.

2 Woher kennt ihr euch?

Gut: Wir haben in Linz studiert, zeitverschoben.

3 Wieso Linz?

Gut: Als ich 1998 mit dem Studium begonnen habe, gab es Linz, Wien und Graz. Wien war möbellastig, Graz durch die FH sehr schulisch, Linz hat beide Seiten geboten. Inzwischen ist das anders, früher war das Spektrum in Linz größer.

4 Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Christoph March: Wir setzen uns in der Früh bei einem Kaffee zusammen und gehen durch, was zu tun ist – wir haben mehrere Projekte gleichzeitig. Wir switchen von Projekt zu Projekt, jeder hat woanders zu tun.

5 Wie viel arbeitet ihr?

Gut: Wir versuchen unter der Woche normale Arbeitszeiten einzuhalten, beginnen um neun und hören so um 19 Uhr auf. Wenige Mal im Jahr lässt es sich nicht vermeiden, am Wochenende zu arbeiten.

6 Eigenschaften die man als Produkt-Designer haben sollte?

March: Ich glaube, Neugierde ist ganz wichtig. Sie ist der Ansporn, immer Neues zu finden. Vor einem Jahr waren wir drei Monate in Afrika. Vom Reisen nimmt man viele Eindrücke mit. Und man darf sich nicht zu ernst nehmen. Es sollte das Produkt im Vordergrund stehen. Reisen holen einen gut auf den Boden der Tatsachen zurück.

7 Wie wird man als Industrial Designer erfolgreich?

Gut: Erfolgreich wird man von den anderen gemacht. Selber kann man die Leidenschaft für die Sache mitbringen.

8 Was wolltet ihr als Kind werden?

Gut: Ich wollte Pilot werden. Dann gab es viele Abstürze und mir ist das zu brenzlich geworden. Schon mit 16 wollte ich Designer werden.

9 Streitet ihr manchmal?

March: Wir krachen selten bis gar nicht aneinander.

10 Worauf seid ihr stolz?

March: Man ist immer stolz auf die letzten Produkte: auf den Stuhl Lentia und eine Armlehne, die wir für Thonet entworfen haben. „Marina’s Desire“ kann auf Stühlen ohne Armlehne montiert werden. Der Name ist eine Anspielung auf Marina Abramović, die Performancekünstlerin, die 20 Tage regungslos auf einem Stuhl gesessen hat. Sie wurde danach gefragt, was sie anders gemacht hätte. Sie hätte sich einen Stuhl mit Armlehne ausgesucht.

11 Wie geht ihr mit Kritik um?

March: In den meisten Fällen verwenden wir die Kritik, um die Produkte zu verbessern. Manchmal müssen wir aber für die Sache kämpfen.

12 Könnt ihr je abschalten?

Gut: Das musste ich lernen. Ich kann voller Stolz sagen, dass ich es jetzt beherrsche.

13 Welcher Gegenstand ist total missglückt?

Gut: Bei manchem China-Trash, Klein-Krims-Krams und Kunststoff-Gag-Utensilien frage ich schon, wo der Sinn liegt.

Die Designer Marek Gut.

1978 wurde Marek Gut in Krakau, Polengeboren. 1986 wurde ihm die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Mit 15 machte Gut den ersten Fotografiekurs, 1998 startete er das Industrial Design Studium an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz. Gut ist Gründer des Designforum Linz.

Christoph March. Er (geboren 1983) stammt ursprünglich aus Brixen, Südtirol. Er besuchte Kunst-Kollegs in Bruneck und Kramsach, auch er studierte Industrial Design in Linz. March ist zudem Drummer der italienischen Hardcore-Band Norean.

March Gut. 2004 gründete Marek Gut sein eigenes Label, 2006 stoß Christoph March dazu, 2010 gründeten sie das gemeinsame Büro: March Gut. Anfang April 2013 kuratierten sie den Salone Internazionale del Mobile in Mailand.

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