Wirtschaft | Karriere
10.04.2012

"Man wird als Mensch zweiter Klasse behandelt"

Martin Mair, Gründer der Initiative "Aktive Arbeitslose", übt harsche Kritik an AMS-Projekten für Langzeitarbeitslose.

 

KURIER: Warum  haben Sie die Selbsthilfe-Initiative "Aktive Arbeitslose" gegründet?

Martin Mair: Ich hatte da so meine Erlebnisse mit dem AMS, erhielt eine Bezugssperre. Damals wusste ich nicht, wie man so etwas vermeidet. Ich habe dann die Informationsplattform arbeitslosennetz.org aufgebaut, daraus ist dann die Selbsthilfegruppe entstanden.

Sie haben in der Vergangenheit das AMS scharf kritisiert, haben in einem Interview gesagt, die AMS-Kurse seien dequalifizierend. Wie meinen Sie das?

Es werden Kurse vorbestellt und dann ziellos mit Teilnehmern befüllt. Das ist Planwirtschaft.  Wir wollen, dass jeder einen Bildungsscheck bekommt und sich einen Kurs aussucht, der für ihn passt.

Freut  Sie  der Rückgang der Langzeitarbeitslosen-Zahlen?

Das sind völlig geschönte Zahlen durch die AMS-Kurse und durch die Jobverhältnisse für Langzeitarbeitslose in den sozialökonomischen Betrieben. Auf diesem zweiten Arbeitsmarkt wird man als Mensch zweiter Klasse behandelt. Für Arbeitslose, die als  Transitarbeitskräfte in sozialökonomischen Betrieben wie Itworks beschäftigt werden, fühlen sich die Gewerkschaften und Betriebsräte nicht zuständig. Bei Itworks wird statt des Kollektivvertrags für Personalüberlassung der weit schlechtere BABE-Kollektivvertrag gezahlt. Nach einer Überlassung wird nur der Pauschallohn der BABE-Transitarbeitskräfteregelung gezahlt statt nach ABGB § 1155 weiterhin den vollen Überlasserlohn - das ist unserer Meinung nach rechtswidrig.

Braucht es mehr psychologische Betreuung für Langzeitarbeitslose, um Fälle wie den  Mann, der sich den Fuß amputierte, zu vermeiden?

Sein Bruder hat mir bestätigt, dass der Mann vom AMS Feldbach unter Druck gesetzt wurde. Er wollte arbeiten, aber etwas, was er kann.

Was kann Ihre Initiative für Arbeitslose tun?

Wir tauschen Informationen aus, geben den Leuten Tipps. Wir wollen auch Druck auf die Politik ausüben. Es wird getan, als würde die Massenarbeitslosigkeit an den Betroffenen selbst liegen. Das stimmt nicht. Es gibt zu wenige Jobs. Es liegt am System.

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