Wirtschaft | Karriere
21.06.2017

Lehrlinge an die Macht

Bei Bundy Bundy darf der Friseurnachwuchs drei Tage lang einen Salon selbst managen. Hans Bundy verrät, warum und worauf es im Beruf sonst noch ankommt.

KURIER: Was hat es mit der Talente-Woche bei Bundy Bundy auf sich?

Hans Bundy: Vom 19. bis 21. Juni wird das gesamte Tagesgeschäft von Lehrlingen übernommen, sie managen selbstständig und alleinverantwortlich alle Abläufe und Aufgaben in einem Salon. Die Lehrlinge stellen damit ihr Können unter Beweis und stehen quasi an vorderster Front.

Was ist das Ziel?

Ziel ist es, dass unsere Lehrlinge schon im dritten Lehrjahr als StylistInnen selbstständig arbeiten könnten. Sie nehmen dann auch schon an unserem Leistungslohnsystem teil, es winkt also ein höheres Gehalt.

Viele Friseure klagen, dass die Suche nach Lehrlingen immer schwieriger wird. Was tun Sie, um sie zu finden?

Es ist mühsamer geworden, die Richtigen zu finden, weil das Niveau sinkt. Wir sind aber ein attraktiver Arbeitgeber und guter Ausbildner, daher melden sich viele Jugendliche von sich aus bei uns. Im Vorjahr hatten wir fast 500 Bewerbungen. Es gibt ein mehrstufiges Auswahlverfahren inklusive Casting. Für heuer nehmen wir 33 neue Lehrlinge auf und sind schon fast komplett.

Worauf legen Sie besonderen Wert?

Auf Sprachkenntnisse und Kommunikationsfähigkeiten. Der Friseur ist ein kommunikativer Beruf.

Was vermissen Sie bei der heutigen Jugend?

Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen.

Was können die Jugendlichen heute besser als früher?

Sie sind mit dem Smartphone privat besser vernetzt. Darunter leidet jedoch die Kultivierung von direkter Kommunikation, die im Friseurberuf extrem wichtig ist. Manchmal meinen Kundinnen ja etwas anderes als sie sagen ...

Verändert die Digitalisierung den Friseurberuf?

Die Organisation sicher. Das Handwerk selbst und der starke persönliche Kundenkontakt ändert sich nicht, da geht es auch um Vertrauensbildung.

Wie belohnen Sie besondere Leistungen?

Mit einer raschen Karriere im Unternehmen. Ich halte nichts davon, mit Geschenken die Karotte vor die Nase zu hängen. Werden die Ziele dann nicht erreicht, gehen die Leistungen oft zurück.

Die Lehrlingsentschädigung ist kürzlich erhöht worden, mit 470 Euro im ersten Lehrjahr aber immer noch sehr niedrig. Gerechtfertigt?

Die Erhöhung der Lehrlingsentschädigung war richtig. Schon aus Imagegründen. Es wird aber gerne vergessen, dass der Friseur auch ein Trinkgeldberuf ist. Wer fünf Euro Trinkgeld pro Tag bekommt und 20 Tage im Monat beschäftigt ist, hat schon 100 Euro mehr.

Beim Mindestlohn erhöhen die Friseure erst 2019 auf 1500 Euro. Ihre Meinung dazu?

Es muss nicht gleich ein hoher Mindestlohn bezahlt werden, aber die Chance auf einen höheren Verdienst muss vorhanden sein. Leistung gehört belohnt. Gute Leute verdienen in unserer Branche sehr gut und haben auch gute Aufstiegschancen. Mehr als die Hälfte unserer Mitarbeiter waren Lehrlinge bei uns.

Friseur-Dynastie seit fast 100 Jahren

Das 1919 gegründete Familienunternehmen Bundy Bundy betreibt vier exklusive Friseursalons in Wien, zwölf „Style-In“-Salons in Einkaufszentren, Bundy Color World in Wien sowie einen Franchise-Salon in Oberwart. Die Expansion ist noch nicht abgeschlossen, im Herbst sperrt ein weiterer „Style-In“-Salon auf. Bundy Bundy beschäftigt 280 Mitarbeiter und nimmt jährlich 30 bis 40 Lehrlinge auf. Die Jugendlichen erwartet eine eigene Bundy-Klasse in der Berufsschule und eine Trainingsakademie mit Kommunikationstrainings und Persönlichkeits-Coachings. Hans Bundy (73) legte 2008 die Friseurschere hin, sein Bruder Georg 2005. Die nächste Generation ist am Zug.