© Ortner

Lehre
12/04/2012

"Im Betrieb erwachsen werden"

Mentoring, Exkursionen, Sozialprojekte: Elf Unternehmen rund um die Baubranche bündeln ihre Kräfte, um ihren Lehrlingen mehr zu bieten als bloß eine Ausbildung

Über die mangelnde Qualität der Lehranfänger  ständig nur zu raunzen, war ihnen zu wenig, sie  wollten aktiv etwas dagegen tun: Elf Unternehmen  rund um die Baubranche schlossen sich daher kurzerhand zusammen und nahmen die Entwicklung ihrer künftigen Fachkräfte selbst in die Hand.  


Ein  überbetriebliches, 16-monatiges Mentoringprogramm soll ab Anfang  2013 insgesamt 40 Lehrlingen helfen, ihre  persönlichen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen zu verbessern. Initiiert wurde das Trainingsprogramm „Step-up“ vom Gebäudetechnik-Unternehmen Ortner, das österreichweit 200 Lehrlinge ausbildet: „Wir wollen mit dem Mentoring die Motivation und Leistungsbereitschaft der Jugendlichen erhöhen“, erläutert Iris Ortner, Geschäftsführerin der IGO Ortner-Gruppe. „Unsere Lehrlinge sollen quasi im Unternehmen  erwachsen werden.“


 Die Jugendlichen  erhalten die Möglichkeit, sich während der Lehrzeit mit erfahrenen Mitarbeitern aus anderen teilnehmenden  Unternehmen auszutauschen und so „über den Tellerrand hinauszublicken“.  Neben vier Unternehmen der Ortner-Gruppe (Ortner, Elin, Bacon und Babak) beteiligen sich  das Architekturunternehmen Cserni, Lugitsch Elektroinstallationen,  rhtb Trocken- und Innenausbau, die Knill-Gruppe mit ihren Töchtern Mosdorfer, Elsta, Rosendahl Maschinen sowie die Hirsch Beteiligungs GmbH an der Initiative. Zusammen geben die elf Betriebe, die in drei Bundesländern verstreut liegen,   650.000 bis 800.000 Euro für  das Projekt aus.
Das von der Agentur Management-Impulse entwickelte Trainingsprogramm umfasst  Mentoring, also regelmäßige Treffen, Workshops, Exkursionen, sowie ein gemeinsames Sozialprojekt. „Die Lehrlinge haben die Chance, ihre eigenen Stärken zu entdecken und für ihre Karriere auszubauen“, sagt Ortner. Mitarbeiter, die sich als Mentoren zur Verfügung stellen, erhalten einen 2-tägigen Coaching-Workshop.


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Otto Hirsch, Chef des Malerbetriebs Hirsch Beteiligungs GmbH, will mit dem „Erfolgscoaching“ auch den Stellenwert der Lehre in Österreich insgesamt heben: „Wir brauchen im Handwerk mehr Intelligenz, das geht nur, wenn die Lehrlinge den Wert bekommen, den sie verdienen.“ Die Bau- bzw. Baunebenbranche sei für viele Lehranfänger  aber oft die „letzte Alternative“, wenn sie in anderen Branchen nicht unterkämen. Mit dem  Zusatzangebot   in der Lehrausbildung wollen sich die Firmen auch als attraktive Lehrbetriebe präsentieren.


Das Trainingsprogramm mit den ersten 40 Lehrlingen der teilnehmenden Unternehmen startet Anfang 2013. Bis 21. Dezember können sich Interessierte bei ihren Lehrlingsbetreuern bewerben.  Insgesamt beschäftigten die Betriebe rund 300 Lehrlinge. Die Befürchtung, mit der gezielten Zusatz-Förderung ein „Zwei-Klassen-System“ in der Lehrausbildung zu schaffen und  jene zu demotivieren, die nicht am Programm teilnehmen können, teilt Ortner nicht: „Es handelt sich viel mehr um ein Anreizsystem für all jene, die mehr aus ihrer Lehre machen wollen“. Ein zweiter Durchgang ist bereits geplant. Die Idee von „Step-up“, so die Hoffnung der Initiatoren, sollte auch von anderen Lehrbetrieben übernommen werden. Nachahmer durchaus erwünscht!


www.step-up.cc

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