Wirtschaft | Karriere
10.02.2012

Filmkarriere: "Es ist wichtig, dass man dich kennt"

Eine Karriere im Film – ein Traum vieler. Einfach ist das nicht: Zu vielfältig sind die Faktoren, die Stars ausmachen.

Am Freitag wurde in Wien der Österreichische Filmpreis verliehen. Viel Glamour, viel Glanz, Tränen, Freude, vielleicht auch Neid. Einmal einen Preis als Lohn für die vielen zermürbenden Stunden zu bekommen, ist ein Traum vieler Filmschaffender. Bei manchen wird er nie in Erfüllung gehen. Karrieren in der Filmbranche sind hart, weiß Barbara Albert. Sie ist Drehbuchautorin, Filmregisseurin, Produzentin und Dramaturgin – und Präsidentin der Österreichischen Filmakademie.

KURIER: Was ist Ihr Rat an junge Menschen, die eine Karriere beim Film anstreben?
Barbara Albert: Sich die Berufsbilder wirklich anschauen und nicht nur das Bild übernehmen, das man durch die Medien kennt. Sich ansehen, was macht ein Regisseur, die Kameraleute, die Schauspieler, Cutter etc. Und man braucht einen langen Atem.

Wie wichtig ist eine fundierte Ausbildung?

Eine Ausbildung kann nicht schaden. Es bringt etwas, weil man sich ausprobieren kann, Fehler machen kann. Ich habe an der Filmakademie studiert, habe aber immer nebenbei gearbeitet. Ich empfehle allen Studierenden viel am Set zu sein, im Schneideraum zu sein. Aber es gibt auch Leute, die ohne Ausbildung eine Karriere machen. Es gibt kein Patentrezept.

Wie wichtig sind die richtigen Kontakte?
Ich höre immer wieder, dass Leute meinen, dass sie an Schulen nicht angenommen werden, weil sie niemanden kennen. Das sind Vorurteile. Ich komme auch nicht aus einer Künstlerfamilie. Aber es ist natürlich wichtig, auf Leute zu treffen, die das mögen, was du tust. Das können etwa Journalisten sein oder die Menschen, die in den Fördergremien sitzen.

Schaden können Kontakte wohl nicht ...
Nein. Aber man kann Erfolg nicht auf Kontakten aufbauen. Wenn man eher unkommunikativ ist und sich schwertut, nach außen zu gehen, ist es sicher schwieriger. Es ist eine Branche, in der viel über Kommunikation läuft und wo es wichtig ist, dass dich jemand kennt.

Das Filmbusiness erfordert unheimlich viel Engagement und trotzdem ist nie gewiss, dass man den Durchbruch schafft.
Das gilt denke ich für jeden Beruf. Film und Medien sind so komplex, es ist von so vielen Faktoren, fast Zufällen abhängig, ob man den Durchbruch schafft. Man kann einen richtig guten Film drehen, aber zur falschen Zeit – und dann geht er unter.

Es gibt viele, die nie Erfolg haben. Wann ist der richtige Zeitpunkt, aufzuhören?
Wenn du nach Jahren kein Feedback hast und nicht weiterkommst, kann man es nochmal hinterfragen.

Die Filmbranche ist männerdominiert.
Ich merke das immer auf Premieren, wenn 98 Prozent auf der
Bühne Männer sind. Interessant ist, dass mehr Frauen als Männer zu studieren anfangen.

Wieso sind dann vor allem Männer erfolgreich?
Es ist vergleichbar mit anderen Branchen, wo es so eine Art gläserne Decke gibt. Männern wird mehr zugetraut als Frauen – vor allem, wenn es um viel Geld geht. Auch gibt es die Familienfalle. Wenn man ein Kind hat, ist es sehr schwer. Ich habe ein Kind und kann nur deswegen so arbeiten, weil ich einen Mann habe, der auch Regisseur ist und wir alles 50/50 teilen. Während der Drehzeit ist es kaum möglich, mein Kind zu sehen, dann kommt die Schnittzeit und so weiter. Männer arbeiten dann oft in dieser Zeit mehr, weil sie mehr Geld verdienen müssen. Und da sie mehr arbeiten, machen sie auch eher Karriere. Es ist wie eine Lawine. Man muss als Regisseur regelmäßig arbeiten, man muss dranbleiben. Umso mehr man dreht, umso besser ist es.

Wie sehr kann man sich treu bleiben?
Das muss jeder für sich herausfinden. Ich habe bei mir gemerkt, dass, wenn ich für etwas sehr viel Kraft aufwenden musste, ich es nicht gut machen konnte. Nur etwas abzuliefern fürs Geld, das entspricht mir nicht. Ich habe entschieden, wenn mir etwas nicht liegt, dann mache ich es lieber nicht. Ich habe daher zum Beispiel begonnen zu unterrichten. Wenn man nicht von einer Sache abhängig ist, nimmt das den Druck raus. Es muss eine Leichtigkeit bleiben, aber eben das ist so schwer, weil man regelmäßig in Krisenzeiten steckt. Es wird immer Zeiten geben, in denen man kein Geld hat.

Frau Regisseurin: Barbara Albert

Erfolge Nach ihrem erfolgreichen Kurzfilm-Debüt „Die Frucht deines Leibes “ (1996) folgt der erste Langspielfilm „Nordrand“ (Filmfestspiele Venedig 1999). Im selben Jahr gründet Albert mit anderen die Produktionsfirma coop99. Sie unterrichtet an Hochschulen, ist Gründungsmitglied und auch Präsidentin der Österreichischen Filmakademie.

Person 1970 in Wien als Kind zweier Biologen geboren, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Publizistik, Regie- und Drehbuch an der Filmakademie und an der Uni für Musik und darstellende Kunst. Albert lebt in Wien und Berlin.