© Martin Winkler

Wirtschaft Karriere
09/21/2012

Ein Rotknopf nach Maß

Für maximal 800 Euro schneidert Oliver Schwarz Männern Anzüge auf den Leib.Produziert wird die Maßware in Indien.

Die Idee ist eigentlich aus einer Frustration heraus geboren", sagt Oliver Schwarz. Bei seinem vormaligen Job als Wirtschaftsprüfer in Bratislava musste der drahtige 32-Jährige dienstlich immer einen Anzug tragen. Da er nur  ein mageres Praktikantengehalt verdiente, konnte er sich aber seinen Traum vom olivgrünen Zwei-Knopf-Anzug nicht leisten.  

"Ich dachte mir, das kann eigentlich nicht sein", erinnert sich der Unternehmer an seine vergeblichen Versuche eine passende Stoffkarosserie zu einem erschwinglichen Preis zu finden. Für ihn war klar: Das muss er selbst in die Hand nehmen.

Über einen Freund erfuhr er von der Qualität indischer Anzüge. Also machte er sich – als die Gelegenheit jobtechnisch günstig war – selbst auf den Weg ins Land der Hindus, um sich von den Fähigkeiten der indischen Schneider zu überzeugen.  Nach einem halben Jahr setzte ihm  seine Frau dann die sprichwörtliche Pistole auf die Brust: "Sie hat gesagt, sie macht mit mir Schluss, wenn ich das jetzt nicht durchziehe."  

Das ist nun fünfeinhalb Jahre her und Oliver Schwarz ist noch immer mit seiner Frau zusammen. 2007 machte er sich selbstständig und verkauft seitdem unter dem Label Rotknopf Maßanzüge und Maßhemden in der Wiener Lindengasse.

Pro Woche werden in dem urigen Eckladen unweit der Mariahilferstraße gut 20 Maßanzüge gefertigt. Das Konzept hinter Rotknopf erklärt Schwarz so: "Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, ihre Wunschvorstellungen umzusetzen. Und zwar zu Preisen, die sich an Stangenware orientieren." Ein zweiteiliger, handgefertigter Anzug kostet bei Rotknopf zwischen 350 und  800 Euro, abhängig von der Stoffqualität und etwaigen Überlängen. Der günstige Preis erklärt sich durch den Produktionsstandort in Mumbai, Indien.

 

Arbeitsbedingungen

"Klar, wenn man von Indien hört, denkt man sofort an Kinderarbeit", sagt Schwarz. "Aber wir haben da nichts zu verstecken." Der Unternehmer beteuert, stets auf gute Arbeitsbedingungen zu achten. Mit größter Sorgfalt überprüfe ein Manager vor Ort, ob die  Näher und Schneider in Indien fair behandelt werden. Zudem reist Schwarz selbst vier Mal im Jahr nach Indien, davon zwei Mal unangekündigt, um sich ein Bild über die Arbeitsbedingungen machen zu können.  Ein guter indischer Schneider könne umgerechnet 700 bis 800 Euro im Monat verdienen, sagt Schwarz.

 Herstellungsprozess Ein Anzug ensteht in  grob drei Stationen: Im Geschäft  wird Maß genommen. Die Daten werden anschließend nach Indien übermittelt, wo der Anzug grundgefertigt wird. Und in Wien erfolgt dann der letzte Feinschliff. Nach vier bis sechs Wochen Wartezeit erhalten die Kunden dann ihren  Rotknopf nach Maß.

Als wichtigen Erfolgsfaktor von Rotknopf erachtet Schwarz die funktionierende Mund-zu-Mund-Propaganda: "In diesem Business ist nichts wichtiger." Zusätzlich spielt ihm aber die immer größer werdende Nachfrage nach Maßware in die Hände.

Alle Wünsche erfüllt freilich auch Rotknopf nicht. Frauen haben beispielsweise Pech – maßgefertigt wird ausschließlich für Herren.

Erfolgsgeschichte, Rotknopf, Massanzüge, Oliver Schwarz

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Meilensteine: „Man darf den Glauben nicht verlieren“

Wieso das Ganze? Weil ich für mich selbst verantwortlich sein will. Unabhängigkeit spielt eine große Rolle.

Die größte Stütze?  Definitiv meine Frau.

Woran wären Sie fast gescheitert? Oh, da sind viele Sachen. Zum Beispiel daran nicht an die Möglichkeit des eigenen Erfolgs zu glauben.

Selbstzweifel? Nein, nie.

Was haben Sie zuletzt gefeiert? Unser fünfjähriges Jubiläum.

Wohin soll’s gehen? Kurz geantwortet: Nach Europa, am besten Frankreich. Meine Frau kommt von dort.

Ein Rat für junge Selbstständige? Auf keinen Fall demoralisieren lassen. Gerade am Anfang ist das schwer, aber man darf den Glauben nicht verlieren. Sonst? Sich zu differenzieren, flexibler zu sein als andere. Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Schritt in die  Selbstständigkeit hart und sehr arbeitsreich ist. Ich arbeite noch immer gut 60 bis 70 Stunden in der Woche. 

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