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Wirtschaft Karriere
10/08/2012

Ein Jobwechsel in Ehren

Ein neuer Job kann der Karriere Flügel verleihen. Dazu muss der Wechsel gut überlegt sein. Eine Anleitung.

von Andrea Hlinka

Seit drei Jahren ist nichts passiert:  Er ist inzwischen Anfang   30,   in der  Hackordnung   noch immer zu weit unten, hat in letzter Zeit  keine  neuen Aufgabenbereiche übernommen und  das Essen in der Kantine schmeckt inzwischen jeden zweiten  Tag wie Pappe.     Schluss, aus, basta. Er will einen neuen Job. Weil er in diesem Unternehmen keine Zukunft sieht.  

Erst kürzlich  hat Deloitte den vierten Teil der Studienreihe Talent 2020 veröffentlicht:  42 Prozent  der befragten Wechselwilligen glaubt, dass ihre Fähigkeiten  vom derzeitigen  Arbeitgeber nicht  genügend  eingesetzt werden – deswegen wollen sie weg.  37 Prozent sehen  keine Entwicklungschancen im Unternehmen. "Wenn es kein Vorankommen  im Unternehmen gibt, dann kann ein Jobwechsel Sinn machen", sagt Gundi Wentner,  Partnerin vom Beratungsunternehmen Deloitte. Doch einen Jobwechsel des Jobwechsels wegen halte sie keinesfalls  für sinnvoll. Motive Ein Jobwechsel sollte gut überlegt sein. "Nie  aus dem Bauch heraus kündigen oder  aus einer persönlichen Gekränktheit heraus", warnt  Tom Diesbrock. Der Psychologe  und Buchautor rät, sich stattdessen   genau über die Motive der Unzufriedenheit klar zu werden. "Ich muss mir Gedanken machen, was meine Unzufriedenheit überhaupt ausmacht. Und:  ob das im  kommenden Job  wirklich anders sein wird." Dann heißt es, die Kompetenzen  ehrlich   einzuschätzen – auch wenn es weh tut.

Wie oft man Job wechseln sollte, um die  Karriere zu pushen?  Alle zwei Jahre? Alle zehn Jahre? Dafür gibt es kein Patentrezept. "Es gibt tolle Karrieren, die  in einem Unternehmen stattgefunden haben. Aber eben auch andere. Wir sind nicht rasend begeistert, wenn wir im Lebenslauf sehen, dass jemand alle zwei, drei Jahre gewechselt hat", sagt  Gundi Wentner. In jüngeren Jahren werden   verschiedene Arbeitgeber jedoch eher als positiv bewertet als in späteren Jahren.      "Bis zum Alter von  30 Jahren  sehen wir  Jobwechsel durchaus positiv. Zur Karrieremitte hin sollte man sich  gesettelt haben", sagt  Karl Lang,  Leiter Personalstrategie CEE bei Siemens. Bis zu 20.000 Bewerbungen gehen jedes Jahr bei Siemens ein.   Dem Technologiekonzern kommt seine  globale    Präsenz zugute, es gibt Entwicklungsmöglichkeiten, in alle Richtungen und Zeitzonen. Die Fluktuation ist, sagt Lang, gering.

Jobsuche  Wenn sich die Idee, das Unternehmen zu verlassen, manifestiert hat, geht es daran, einen neuen Job zu suchen. Dabei ist Diskretion gefragt. Je kleiner die Branche und je höher die Position, desto sensibler wird die Suche. "Wenn ein Bewerber interessant ist, wird     zu Beginn telefonisch  Kontakt aufgenommen und geklärt, wie  vertraulich die Bewerbung zu handhaben ist", erklärt Karl Lang die Handhabe bei Siemens. Dann trifft man sich, wenn es  die Situation des Bewerbers  erfordert, auch mal im Kaffeehaus. Beim  Noch-Arbeitgeber würde man sich natürlich nicht über den Bewerber informieren.  "Das wäre  dilettantisch", sagt der HR-Strategie-Chef. Sensibilität  ist in einer solchen Situation vor allem auch vom Suchenden gefordert (siehe Spielregeln unten).

Auch bei PricewaterhouseCoopers würde man  nie ohne Rücksprache mit einem Kandidaten einen aktuellen Dienstgeber kontaktieren. "Das wäre respektlos, unprofessionell und als potenzieller künftiger Dienstgeber alles andere als vertrauensbildend", sagt Elisabeth Hull, Human Capital Leader  bei dem Beratungsriesen in Österreich. Zudem könne ein Recruiter  in einer Interviewsituation einiges über die Motivationsgründe für den Jobwechsel oder Einblicke in die derzeitige berufliche Situation erfahren. Also besser immer ehrlich bleiben.

Spielregeln

Gerade in überschaubaren Branchen kann ein  Jobwechsel zu  einer heiklen Angelegenheit werden. Sollte man den Chef  vom Wechselwunsch informieren? "Es ist durchaus legitim und berechtigt, während eines aufrechten Dienstverhältnisses den aktuellen Dienstgeber nicht darüber zu informieren, dass man einen Jobwechsel überlegt oder im Bewerbungsprozess steht", sagt Elisabeth Hull von PricewaterhouseCoopers. Doch Hull rät, vorher das Gespräch mit dem Chef zu suchen und ihm von den Wünschen und Zielen zu erzählen.

Verschwiegenheit  Diskretion ist die oberste Prämisse auf der Suche nach einem neuen Job. Karrierecoach Elfriede Gerdenits  rät:  "Wenn es heikel ist, am besten über persönliche Kontakte oder über einen Personaler bewerben." Wer bereits einen neuen Job gefunden hat,  sollte den Kollegen keinen Raum für  Spekulation geben. "Nicht sagen: ,Ich bin in ein paar Monaten ohnehin nicht  mehr da"", rät Gerdenits. Und sie empfiehlt, zuerst mit dem direkten Chef zu reden und erst danach mit dem Personalbüro.

Loyalität "Ich würde größten Wert darauf legen, bis zum letzten Tag loyal und produktiv zu bleiben  und sich korrekt zu verhalten. Man begegnet sich immer zwei Mal im Leben", sagt Gerdenits.   

Gerade in kleineren Unternehmen entwickelt sich aber oftmals eine persönliche Beziehung  zum Unternehmen. Doch deswegen im Unternehmen zu bleiben, hält Tom Diesbrock,  Psychologe und Buchautor für falsch. "Die Wirtschaft hat heute eine ganz andere Dynamik als vor 20  Jahren." Bei der nächsten Krise könne  alles ganz anders  sein. "Unternehmer können  dem Arbeitgeber gegenüber heute kaum noch loyal sein. Kann man dann  noch vom Mitarbeiter  Loyalität erwarten?  Er muss sich natürlich einsetzen und er muss sich professionell verhalten. Aber Kadavergehorsam?  Darf ich meinen Arbeitgeber enttäuschen? Das ist eine Geschäftbeziehung, nicht meine Familie", sagt Diesbrock. In seinem neuen Buch  "Jetzt mal Butter bei die Fische", gibt  er  all jenen, die sich beruflich umorientieren wollen, aber den ersten Schritt noch nicht geschafft haben, praktische Tipps.

Rechtlich

Nie aus dem Bauch heraus  kündigen", warnt Karrierecoach Tom Diesbrock. Bei einer Kündigung sollte vieles  beachtet werden:

Kündigung  Auch wenn eine Kündigung nicht zwingend schriftlich erfolgen muss, die Leiterin der Abteilung Arbeitsrecht der Arbeitkammer Wien Irene Holzbauer empfiehlt es dringend.   

Die Kündigungsfristen sind bei Angestellten und Arbeitern unterschiedlich geregelt.     Bei Angestellten endet die  Kündigungsfrist – wenn nicht anderes vereinbart wurde – nach einem  Monat, zum Monatsletzten. Die Frist kann  bis zu sechs Monaten dauern.  Bei Arbeitern: In der Gewerbeordnung und im AGBG (Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch) sind 14 Tage vorgesehen.  Die zwei Wochen sind aber  nicht zwingend, die Kündigungsfrist kann kürzer oder länger sein – je nach Kollektiv- oder Arbeitsvertrag.

 "Wenn die Kündigungsfrist nicht eingehalten werden kann, weil man etwa  bereits einen neuen Job hat, hat man ein Problem", meint Irene Holzbauer.  Am besten sei es, eine  einvernehmliche Lösung zu finden.  Die Konsequenzen, wenn die Frist nicht eingehalten werden kann, sind   wenig verlockend: Verlust des Urlaubsanspruches, Schadenersatz und  bei Arbeitern der Verlust von Sonderzahlungen.

Konkurrenzklausel Diese Klausel verbietet dem Arbeitnehmer, nach Beendigung des Dienstverhältnisses im Geschäftszweig des Unternehmens bei der Konkurrenz tätig zu werden. So wollen Unternehmen verhindern, dass Kunden mitgenommen werden   oder ihnen geschadet wird. "In früheren Jahren war die Konkurrenzklausel vor allem  bei  Managementposten üblich. Heute findet man sie in fast allen Verträgen", sagt Irene Holzbauer. Die Konkurrenzklausel gilt maximal ein Jahr und sie darf per Gesetz den Arbeitnehmer nicht in seinem beruflichen Vorwärtskommen hindern. Sie gilt auch nur, wenn   der Arbeitnehmer  kündigt oder wenn das Dienstverhältnis einvernehmlich gelöst wird.   

Dienstzeugnis In Österreich hat man das Recht auf ein einfaches Dienstzeugnis, in dem zumindest die wahrgenommenen Aufgaben beschrieben werden. "Aber man hat kein Recht  auf schöne und belobigende Worte", sagt Irene Holzbauer.   

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