Wirtschaft | Karriere
11.12.2017

Ein Arbeitsleben

Fast 40 Jahre dauert ein Erwerbsleben, Aufstieg und Abstieg inklusive. Wie die Karriereverläufe von Männern und Frauen aussehen und was am Ende bleibt.

Ein durchschnittliches Arbeitsleben dauert aktuell keine 40 Jahre. Genau 37,1 Jahre, zeigt die Statistik. In dieser Zeit durchläuft unser Arbeitsleben verschiedene Phasen: Wir investieren Zeit und Fleiß in eine Ausbildung; suchen uns einen Job mit Sinn und Möglichkeiten; geben beruflich Gas und hoffen, später einmal die Früchte unserer Arbeit zu ernten. Und wir fragen uns dazwischen: Wann ist die richtige Zeit für eine Familie? Den nächsten Karriereschritt? Und am Ende unseres Erwerbslebens steht die Frage: Was bleibt?

Was Männer und Frauen unterscheidet

Frauen- und Männerkarrieren verliefen bisher sehr unterschiedlich, sagt Martin Hofstetter, Geschäftsführer der Personalberatung Karriereschmiede. Am Anfang sind dabei beide gleich auf: "Bis 30 gibt es eine Aufbauphase, man studiert oder arbeitet, sammelte Erfahrungen in ersten Jobs." Wie steil ein Arbeitsleben dann vorangeht, hängt von Firmengröße und Branche ab – Konzerne ermöglichen andere Sprünge als kleine Firmen. Ziemlich sicher war jedenfalls, dass ab 30 Männer- und Frauenkarrieren auseinanderdriften: Frauen bekommen ein Kind, machen eine Babypause. Männer arbeiten weiter. Folglich steht Männern bei weiteren Karrieresprüngen dann nichts im Weg. Frauen mit Kindern hingegen haben dann meist ein anderes Ziel: Eine Job-Vereinbarkeit mit der Familie.

So weit, so klassisch.

Das Modell verändert sich aber. "Lineare Karrieren gibt es nicht mehr", sagt Bernhard Otti, Geschäftsführer der Otti & Partner Personalberatung. Ein Arbeitsleben in einer einzigen Firma – von der Lehre bis zu Pension –, das gibt es nur noch selten. "Heute haben schon Einsteiger zwei bis drei Mal das Unternehmen gewechselt, sie wollen sich ausprobieren." Aber auch auf Unternehmensseite werden weniger Chancen vergeben als früher. "Firmen haben sich verkleinert, es stehen weniger Aufstiegsmöglichkeiten zur Verfügungen. Die klassischen Karrierewege von früher sind heute oft nicht mehr möglich", erklärt Martin Hofstetter.

Es gibt auch Brüche

Hinzu kommt, dass es heute mit der Karriere nicht immer nur bergauf geht. "Es gibt gut ausgebildete Kandidaten, die machen Karriere bis sie 35 sind. Und dann ist plötzlich ein Knick da", so Bernhard Otti. Die Gründe dafür sind vielfältig: Jobverlust, die Firma geht in Konkurs oder man gönnt sich einfach eine Auszeit. "Im Laufe eines Arbeitslebens sind fünf bis zehn Wechsel völlig normal", betont Otti. Das allein mache so etwas wie eine Musterkarriere in einem Job – so wie früher – nicht mehr möglich. "Wenn wir heute einen Kandidaten haben, der 15 Jahre lang in einer Firma war, fragen wir uns, was mit ihm los ist." Bei Karriereverläufen spielt auch die technische Entwicklung eine Rolle: Berufsbilder werden neu kreiert, verändern sich. Umgekehrt verschwinden manche Jobs für immer.

Babyknick?

Die Umbrüche in der Gesellschaft betreffen auch Frauen stark. Weil sie ihre Karrieremöglichkeiten nutzen und Erfahrungen sammeln wollen, schieben sie ihren Kinderwunsch auf, sie wollen mitten im Aufstieg keinen Babyknick. "Die Entscheidung, ein Kind zu kriegen, war für Frauen noch nie so schwierig", sagt Martin Hofstetter. Im Schnitt kriegen Frauen in Österreich mit 29 Jahren ihr erstes Kind – vor 30 Jahren war Frau schon mit 24 Jahren Mutter. Statistiken zeigen zu dieser Entwicklung: Je gebildeter die Frau, desto später wird sie schwanger. Was dann folgt, ist eine schrittweise Rückkehr in den Job, hohe Teilzeitquoten belegen das. Und genau an diesem Punkt – mit 35 bis 38 Jahren – spalten sich die Frauenkarrieren wiederum: Auf der einen Seite jene, denen eine Work-Life-Balance wichtig ist, die ihren Fokus auf die Familie richten. Und auf der anderen Seite jene, die sich während der Auszeit weiterbilden und beruflich am Ball bleiben. Ihnen gelingt es besser, wieder an ihre Karriere vor der Auszeit anzuknüpfen. Bernhard Otti betont: "Für ihre berufliche Weiterentwicklung gibt es dann keine Grenze nach oben."