Mutig: In Zeiten der Digitalisierung setzt Roman Steiner auf Füllfedern und Rollerboys. „Ich will eine Gegenbewegung schaffen“, sagt er

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Edelfeder für jedermann
07/24/2012

Edelfeder für jedermann

„Clever“-Erfinder Roman Steiner will mit der Füller-Marke „Original Gusswerk“ federführend werden.

von Nicole Thurn

Ich habe sehr naiv begonnen", sagt der Mann mit der kessen Kreativ-Brille.Mit der Marke "Original Gusswerk" hat Roman Steiner seine Leidenschaft in die Feder fließen lassen. 2010 hat er sie gegründet, der Ursprung liegt lange zurück: Mit elf Jahren bekam er vom Vater ein besonderes Geschenk. "Es war ein relativ hässlicher Pierre-Cardin-Füller", erzählt er. Er hat ihn immer noch. Hinzu kam die Sammler-Leidenschaft. Füllfedern von Mont Blanc und Waterman, Kugelschreiber von Parker. "So habe ich das Schreiben entdeckt", sagt er.  

 

Gegenbewegung

Die Füllfeder und die Zeit der Digitalisierung – das passt doch so gar nicht zusammen. "Wäre ein Kunde damit  zu mir gekommen, hätte ich gesagt, das ist nicht schlau" , lacht er. Aber: "Als Unternehmer brauchst du einen Schuss Verrücktheit, musst Dinge tun, von denen dir alle abraten. " Und so sieht Steiner Gusswerk als  Gegenbewegung zur Schnelllebigkeit unserer Zeit. "Man schreibt mit der Hand langsamer, mehr mit Bedacht,  denkt mehr nach als am Computer" , meint er. Die Füllfedern aus Metall und Edelstahl gibt es  um 100 Euro, "sie sollen aber nicht Mainstream werden", sagt er. Der Kunde solle sie im Gegensatz zur  exklusiven Konkurrenz auch benutzen.

Und der Kunde soll mit der Marke Tradition verbinden – auch wenn sie erst zwei Jahre alt ist.   Ein Marken-Schwindel? Steiner winkt ab. "Die Tradition liegt in der Sache", meint Steiner, "eben,  mit  Hand zu schreiben."  Darum sind die Modelle nach Entdeckern benannt: Marie Curie, David Livingstone, Julius von Payer.

 

Markenkundig

Roman Steiner weiß, wie Marken wirken. Er hat 2004 für REWE die "Clever"-Marke miterfunden, für die Molkerei Oberwart die Soja-Marke JOYA kreiert.  Auch seine Karriere ist kreativ: Der Tourismuskaufmann studierte Jus, gründete 2007 Steiner & Urbanek  – eine Agentur für Markenentwicklung, die  "Gusswerk" als Marke führt. Bald soll es ein eigenes Unternehmen geben.

Der Marken-Profi gibt zu, anfangs einen "etwas verklärten Blick" gehabt zu haben: "Ich dachte an die Fertigung in Österreich, um die Wertschöpfung hierzubehalten – aber das kann hier niemand herstellen." Die Suche nach Produktionsfirmen führte ihn  von  Deutschland über Europa immer weiter weg. Schließlich wurde Steiner in Schanghai fündig – und war begeistert von der Qualität: "85 Prozent ist Massenware, aber die anderen 15 Prozent haben mich beeindruckt", sagt er.

90 Prozent seiner Ware exportiert er nach Deutschland. Zurzeit vertreibt er die Füller über den eigenen Online-Shop und Amazon, dann erst über Schreibwarenhändler.  Bis 2015 will er bei allen Premium-Schreibwarenhändlern  in   Österreich, Deutschland und Skandinavien gelistet sein, "denn man muss die Füllfeder angreifen können". Für den Vertrieb  sucht Steiner  Mitarbeiter – vorzugsweise ab 45 Jahren. "Ältere Mitarbeiter passen gut zur Tradition", meint er, "und sie haben viel Erfahrung".

 

Meilensteine: "Will Gusswerk als Marke etablieren"

Wieso das Ganze?  Aus Leidenschaft.

Woran wären Sie fast gescheitert?  Gescheitert noch gar nicht. An sich scheitert man meist an sich selbst. Aber es gibt immer wieder kleinere Hürden, die man überwinden muss, Dinge, die nicht so laufen, wie  man sich das vorstellt.  

Die größte Stütze? Ist meine Frau. Weil sie mir Mut zuspricht.  Ich arbeite zurzeit sehr viel, habe wenig Zeit für die Familie. Sie hat sich nie beschwert. Das ist nicht selbstverständlich.

Was haben Sie zuletzt gefeiert?  Die Geburt meines Sohnes vor zwei Wochen (lacht). Und das neue Gustav-Klimt-Modell. Die Produktion haben wir abgeschlossen, es wird in zwei Wochen erhältlich sein.

Wohin soll’s gehen? "Gusswerk" soll sich als Marke am Schreibwarenmarkt etablieren. Und neben den bekannten Größen seinen Platz finden. 

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