Der Kosmetikriese L'Oreal steht ebenfalls hoch im Kurs: Platz 6 bei der Wirtschaftsstudieren. Das Unternehmen veranstaltet regelmäßig spektakuläre Recruitingevents - wie hier im Bild den Wettbewerb Brandstorm.

© /L'oreal

L’Oréal Brandstorm
06/26/2014

Die Mutter der Studentenbewerbe

Studierende aus 45 Nationen treten bei Brandstorm an einem Tag in Paris gegeneinander an. Wer gewinnt?

von Andrea Hlinka

Die chilenischen Studentinnen tragen schwarze enge Hosen und T-Shirts, High Heels und roten Lippenstift. In einer Reihe stehend reden sie selbstbewusst auf die vier Jurymitglieder ein, die vor ihnen am Besprechungstisch sitzen. Ihr Tempo ist schnell, der Vortrag rhythmisch, im Chor tragen sie vor, was nach hoher Aufmerksamkeit schreit. Dabei geht es nur um Duschgel. Und eigentlich um viel mehr – um die Worte: "And the winner is ...".

Rund 140 Studierende aus aller Welt wollen die magischen Worte am Abend hören. Sie alle wollen auf der Bühne des fabelhaften Theater Le Trianon am Fuße des Montmartre in Paris stehen. Es sind Worte für die sie mehr als ein halbes Jahr gearbeitet haben, Engagement und Zeit investiert haben. Sie alle, Teams zu je drei Studierenden, aus 45 Ländern der Welt, treten an jenem Vormittag gegeneinander an, um ins große Finale des L’Oréal Brandstorm Wettbewerbs zu kommen – um 10.000 Euro Reisegeld zu gewinnen und möglicherweise einen Job angeboten zu bekommen.

Auch aus Wien war ein Team angereist: Das Team Vienna Kiehling, bestehend aus den drei Studentinnen Kristina Misha, Undine Zach und Katharina Rohrer. Sie präsentierte am Morgen in ihrer Gruppe als erste. Die Konkurrenten: Chile, Griechenland, Philippinen, Niederlande, Tschechien, Hongkong, Ungarn, Estland. Bärte sind der neue Trend, verdeutlichten die Österreicherinnen mit Marktanalyse, Inhaltsstoffe, Marketingstrategie und Film. Ihr kreiertes Produkt "The Ultimate Balmy Beard Solution " soll jeden Kratzbart geschmeidig machen. Die Studentinnen waren überzeugend, aber sie gingen analytisch, mit weniger Showanteil als ihre Konkurrenten an die Challenge heran.

Brandstorm ist einer der etabliertesten, internationalen Studenten-Wettbewerbe, wurde 1993 gegründet, um Talente zu identifizieren. 60.000 Studierende haben seither teilgenommen. Dabei schlüpfen sie in die Rolle eines Brandmanagers, um ein neues Produkt inklusive Marketingstrategie und Kommunikationskampagne für eine Marke der L’Oréal-Gruppe zu entwickeln. Heuer sollte ein Produkt für die Marke Kiehl’s für den Mann entwickelt werden.

L’Oréal ist Brandstorm einiges wert. Die Studierenden werden eingeflogen, in Hotels untergebracht und versorgt. Key-Executives, wie Nicolas Hieronimus, President Selective Divisions der L’Oréal-Gruppe und Cheryl Vitali, President of Kiehl’s Worldwide, sind zum Event gekommen. Man präsentiert sich innovativ, dynamisch und kompetitiv – genau wie die Bewerber. 1,6 Millionen Bewerbungen gehen jedes Jahr bei L’Oréal ein. Deswegen heißt es hier auffallen – rund 200 Studierende werden jedes Jahr über Brandstorm rekrutiert.

Ein Theater

Am Abend des Finales ist vor dem Theater Le Trianon der rote Teppich ausgerollt. Die Studierenden sehen in ihren schicken Kleidern aus, wie einer L’Oréal-Kampagne entflohen. Das Theater ist in Lila getaucht, Kellner balancieren Champagnergläser und verköstigen mit Amuse-Bouche. Dann startet das Finale. Japan, Malaysia und Pakistan haben es in die nächste Runde geschafft. Das Publikum klatscht und kreischt, Pop-Musik tönt aus den Boxen. Die drei Teams müssen nun präsentieren – und sie geben ein letztes Mal alles. Dann tritt Nicolas Hieronimus auf die Bühne und verkündet das Gewinner-Team: Malaysia. Ihr Produkt: Ein Mittel gegen Akne am Rücken. Plötzlich ist die Welt der Schönheit nicht mehr makellos. Dafür aber umso menschlicher.

„Trau niemals einem Lebenslauf“

Die Französin Frédérique Scavennec ist eine Frau, die keine Unsicherheiten zeigt, die in schneller Sprache die Sache auf den Punkt bringt. Sie muss gut sein in dem was sie tut, sonst hätte sie L’Oréal vor zehn Jahren wohl nicht abgeworben. Seit zwei Jahren ist sie Global Vice President of Talent Acquisition.

KURIER: Sie treiben einen hohen Aufwand, um Junge anzuziehen. Ist das wirklich notwendig?
Frédérique Scavennec: Wir sind nicht alleine am Markt. Um die Besten zu sein, braucht man die Besten und um sie muss man sich bemühen.

Was erwarten Sie?
Wir wollen Menschen, die unternehmerisch denken, die Komplexität mögen, die schnell Entscheidungen treffen, die agil und mobil sind – L’Oréal hat in 66 Ländern eine Niederlassung. Aber wir warten nicht mehr darauf, dass Bewerbungen bei uns am Tisch liegen.Wir gehen direkt zu den Talenten, rekrutieren sie aktiv. Das funktioniert sehr gut. Talente suchen meist nicht nach einem Job. Also muss man zu ihnen gehen und sie überzeugen.

Wie überzeugen Sie sie?
Wir sind die Nummer eins am Kosmetikmarkt, haben einen Umsatz von knapp 23 Milliarden Euro, haben 28 internationale Marken – wir sind attraktiv. Die Generation Y will Sicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten – vier Jahre derselbe Posten interessiert sie nicht. Aber man kann sie auch nicht zu schnell aufsteigen lassen, sonst sind sie überfordert. Sie wollen Work-Life-Balance, ein gutes Unternehmensklima und für ein nachhaltiges Unternehmen arbeiten. Man muss heute anders managen – mehr loslassen.

Wie wichtig ist in diesem Sinne Employer Branding? Ist ein Mitarbeiter nicht zufrieden, landet seine schlechte Meinung schnell im Netz.
Wir animieren unsere Mitarbeiter, unsere Botschafter im Netz zu sein. Das Internet ist ein Raum der Freiheit, aber man kann diese Freiheit nicht nur den Unzufriedenen überlassen.

Wie wichtig ist Aussehen in einem Konzern wie L’Oréal?
Vor Jahren hatte ich eine Bewerberin in schmuddeliger Kleidung und fettigen Haaren. Sie begann bei uns zu arbeiten. An dem Tag, an dem sie uns verlassen hat, trug sie ein Kleid, schicke Schuhe und Lipgloss. Sie war sich damals nicht bewusst, dass sie nichts für sich selbst machte. Aber als sie all die gepflegten Frauen hier sah, dachte sie, wieso nicht. Man passt sich der Firma an, für die man arbeitet. L’Oréal verändert.

Wie perfekt muss ein Lebenslauf sein?
Keiner ist perfekt und alle sind mit Unwahrheiten gespickt. Trauen Sie niemals dem Lebenslauf. Um zu sehen, ob der Bewerber das gewisse Etwas hat, muss man ihn treffen. Der Mensch macht den Unterschied.

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