Gründungspartner

© KURIER/Jeff Mangione

Aktion Gründungspartner
06/07/2013

Die Gründer starten los

Der KURIER und ein Expertenteam suchten Gründer samt Ideen, um sie ein Jahr lang zu begleiten und zu unterstützen. Die Kandidaten stehen fest – sie starten ihr Business.

von Andrea Hlinka

Fünf Minuten bevor Isabel Philipp ihren Lebenstraum vor drei Fremden verteidigen muss, soll sie locker in die Fotokamera lächeln. Isabel Philipp greift in ihre Handtasche und fischt ein Maßband heraus. Sie entrollt einen Meter, sie lächelt – mit einem Mal selbstsicher.

Kurz darauf betritt Isabel Philipp das Konferenzzimmer. Die Herren stehen auf, Philipp reicht ihnen die Hand. Ein erfreutes Lächeln huscht über die Gesichter der Männer. Isabel Philipp muss auf dem Sessel gegenüber der Jury Platz nehmen. In die Mitte der Jury hat sich Franz Schweiger gesetzt, der Einzige ohne Krawatte. Er weist sie ein: „Herzlich willkommen. Sie haben 15 Minuten Zeit, uns Ihre Geschäftsidee zu präsentieren, danach werden wir Ihnen ein paar Fragen stellen.“ Isabel Philipp nickt. Sie verschwendet keine Zeit und legt los. Sie erzählt vom Glanz von geöltem Eichenholz, vom glimmernden Schleifstaub, schwärmt von der Freude, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.

Die Bewerberin lässt sich nicht verunsichern, nicht von den verschränkten Armen von Rupert Brix – der Notar sitzt rechts außen –, nicht von der tiefen Furche, die sich zwischen seine Augenbrauen gräbt. Auch Anwalt Florian Kranebitters Stirn, er sitzt links außen, wirft Falten. Philip spricht über die Finanzierung und Brix Mundwinkel ziehen nach unten. Sie sagt: „Ich bin realistisch, ich will nicht übertreiben“. „Gut so“, sagt Schweiger, lächelt.

Die Rollen sind klar verteilt: ein Prüfling, ein Realist, ein Sympathisant und ein Skeptiker, „Wie lange ist ihr Atem?“, fragt Realist Kranebitter. „Lange“, sagt die Geprüfte und unterbreitet den Gründungspartnern ihren detaillierten Finanzierungsplan. Brix fragt skeptisch: „Sie wollen sich zu 100 Prozent selbstständig machen.“ „Ja. Das ist es. Das ist, was ich machen will.“ Die drei nicken, schließen die Unterlagen. „Sie werden spätestens morgen Früh informiert, ob Sie eine der drei sind, die wir begleiten werden.“

Isabel Philip schließt die Tür hinter sich. Sie zittert. Sie weiß nicht, dass Kranebitter, Schweiger und Brix sich auf der anderen Seite der Tür anerkennend zunicken. Die drei Herren sind nicht leicht zu lesen – berufsbedingt. „Wer kommt als Nächstes?“, fragt Franz Schweiger. Er blättert die nächste Seite seines Ordners auf: „Sabrina Teresa Huber“.

Die drei Gründerpartner werden in den kommenden drei Stunden sechs Konzepte von neun Gründern hören. Es sind die den meisten Erfolg versprechenden aus mehr als 70 Businessplänen, die dem KURIER innerhalb weniger Wochen gesendet wurden. Die Jury hat bei der Auswahl darauf geachtet, dass die Gründer, und ihre Geschäftsideen sich voneinander unterscheiden. Vielfalt ist gefragt.

Sabrina Teresa Huber ist aus Tirol angereist, um ihr Konzept zu präsentieren: ein Restaurant, das sowohl Veganer als auch Fleisch-Liebhaber bedient. Während sie im fünften Stock des Bürogebäudes auf der Mariahilfer Straße den USB-Ausgang des Laptops sucht, warten unten ihre Eltern und eine Freundin. Huber startet die Power-Point-Präsentation, sagt: „Stellen Sie sich vor: Ihre Freundin isst kein Fleisch und Sie wollen ein Steak.“ Kranebitter, Schweiger und Brix werfen Blicke in die Luft, verraten dann aber Geschichten von ähnlichen Situationen. Souverän liefert die 22-Jährige Antworten auf alle Fragen. Nur bei der Finanzierung gibt es Probleme, eine Großküche ist investitionsintensiv. Bis zu 250.000 Euro schätzt Huber. Eine zu große Belastung für eine Studentin, beraten die Gründungspartner im Anschluss. Nach jeder Runde stehen sie auf und besprechen am Fenster. Sie analysieren, sie diskutieren, sie hinterfragen und schlussfolgern.

Zwei Welten

Marko Ertl und Matthias Kroisz betreten den Konferenzraum. Junge Hipsters mit Kappe, T-Shirt und Sneakers treffen auf Anzugträger mit teuren Uhren und Schönbrunner-Deutsch. Der Notar gibt die Ernsthaftigkeit für einen kurzen Moment auf – Brix schmunzelt selten.

„Fast Food ohne Bullshit“, sagt Ertl. Damit haben sie die volle Aufmerksamkeit ihrer Gegenüber. Die Wrap-stars erzählen von Marktforschung, dass sie ihre Speisen bereits auf Flohmärkten und Festen getestet haben. Sie erwähnen beiläufig, dass sie an der WU und an der FH Technikum Wien studieren. Brix hat keine Fragen. „Ist das gut oder schlecht?“, sagt Ertl nicht verlegen.

Idee gut, Marktchancen gut, Gründer gut, Finanzierung gut, befinden die Herren. Es ist Halbzeit.

Esther Rois-Merz ist an der Reihe. Ihr Geschäft, Hörgeräte für Musiker, begeistert, doch sie ist in der Umsetzung so gut wie fertig – zu wenig Arbeit und Herausforderung für die Partner. Hingegen ist die Geschäftsidee der drei Freunde Raphael Thonhauser, Nikolaus Redl und Christopher Zajac – Verleih-Laptops aus Automaten an Unis – noch zu unausgereift.

Um 19.30 Uhr tritt Michael Steiner mit Laptop, Aktentasche, Wasser und Espresso in Erscheinung. Ein Mann, der innere Ruhe und leichte Verwirrtheit vereint. Ein Controller, der mit 18 Jahren den höhenflexiblen Stöckelschuh erfunden hat. Er hat den Ehrgeiz von Rechtsanwalt Florian Kranebitter geweckt. „Das ist eine Herausforderung“, freut er sich. Nach der letzten Präsentation wird diskutiert. Die Entscheidung fällt schwer. Doch am Ende stehen drei Gewinner fest (siehe Seite 1).

„Mir läuft es kalt über den Rücken. Für mich war das eine Gratwanderung gestern“, sagt Michael Steiner als wir die Zusage übermitteln. Matthias Kroisz: „Das hat mir eine schwere Nacht besorgt. Wir wollten unbedingt gewinnen.“ Und Isabel Philip ruft: „Oh Gott, das ist ein Wahnsinn!“

Geschäftsidee:„Wir wollen Fast Food ohne Bullshit“, sagt Marko Ertl. Die Idee hinter Wrapstars ist: Die zwei Gründer und Hobbyköche liefern täglich selbstgemachte, gesunde Wraps in einem Foodtruck direkt zu großen Business-Vierteln aus. Sogenannten GUFIEs (gestresste, urbane Foodies) soll damit eine attraktive Alternative zu Kantine und Imbiss geboten werden.

Die Foodtruck-Köche: Jung, frech, supermotiviert. Marko Ertl und Matthias Kroisz überzeugen durch Einfall, Authentizität und Elan. Der 24-jährige Ertl mit slowakischen Wurzeln studierte Entrepreneurship und Innovation an der WU Wien, schloss vor drei Monaten mit einem Bachelor ab. Kriosz, 27 Jahre, absolviert das Masterstudium Internationales Wirtschaftsingeneurswesen an der FH Technikum. Beide sind seit einem Jahr „Jamie Oliver‘s Food Revolution“-Botschafter und wollen die Welt mit gutem Essen verbessern.

Juryentscheidung: Ein Erfolgsmodell aus den USA mit hohen Marktchancen, authentische, beeindruckend engagierte Gründer.

Geschäftsidee:Die „Finally You Werkstadt“ basiert auf der Idee des „Finally You“-Events: Nach Fertigstellung der Design-Maß-Möbel von Isabel Philipp darf und soll der Kunde beim letzten Schliff selbst Hand anlegen: Ölen, schleifen, das Produkt zu seinem machen. „Mit diesen Möbeln lebt er dann, sie sind ein Teil von ihm“, erzählt die Gründerin. Ganz dem „Do it yourself“-Trend folgend, spricht sie mit ihrer Idee umweltbewusste, kreative , an individuellem Design interessierte Menschen an.

Die Möbeldesignerin: „Das ist es. Das ist, was ich machen will“, erzählt Isabel Philipp bei ihrer Präsentation. Vor einem Jahr entschied sich die 43-jährige Marketing- & Sales Managerin, aus ihrem Business auszusteigen und ihre Hingabe zum Gestalten zum Beruf zu machen. Heute ist sie Tischlerin. Nebenbei absolviert sie ein Fernstudium für Interior Design an der KLC School of Design in London.

Juryentscheidung: Detailverliebte Gründerin mit vielfältiger Berufserfahrung, klugem Businessplan. Trendige Idee mit viel Potenzial.

Geschäftsidee:Ein Damenschuh, dem, je nach Laune und Anlass, unterschiedlich hohe, breite und designte Absätze „angeclickt“ werden können. „Es ist die Abwechslung, das tolle Modell und das Click-Erlebnis an sich, das die Kundinnen begeistern wird“. „Clickheels“ heißt die Innovation, welche der Erfinder bereits in sieben europäischen Ländern patentiert hat. Der Geschäftszweck der Unternehmung wird die Bereitstellung dieses Patents an neue Partner sein.

Der Erfinder: Bereits mit 18 Jahren hatte Michael Steiner, er bezeichnet sich selbst als Erfinder, die Idee mit der er sich jetzt auch selbstständig machen will. In der Zwischenzeit studierte er Betriebswirtschaft an der WU Wien, arbeitete als Berater, Finanzleiter und Controller. Heute, mit 42 Jahren, geht er mit seiner Erfindung von damals an die Öffentlichkeit. „Ich bin noch eine One-Man-Show“, erzählt er, „aber hoffentlich nicht mehr lange“.

Juryentscheidung: Außergewöhnliches Projekt, jahrelanges Engagement des Gründers, eine sehr reizvolle Beratungsherausforderung.

Viele BewerberInnen reichten ihre Ideen bei der Gründungspartner-Aktion ein. Von liebevoll skizziert bis akribisch durchgerechnet, von Restaurant-Konzepten bis zu einem nuklearen Endlager. Wochenlang wurden die Bewerbungen gesichtet, lange diskutiert. Schließlich schafften es sechs Start-up-Ideen in die letzte Runde: Die Präsentation vor den Gründungspartnern selbst. Die drei Gewinner, welche nun bei ihrer Gründung ein Jahr lang beraten und medial begleitet werden, finden Sie auf Seite eins.
Die weiteren drei Ideen, die es vor die Jury geschafft haben: „The Green Red“ von Sabrina Teresa Huber. Die 22-Jährige möchte ein Restaurant gründen, in dem alle alles essen können. Von vegan über vegetarisch, laktosefrei bis hin zu Steak soll im Innsbrucker Innenstadtlokal geschlemmt werden können.
Die Freunde Raphael Thonhauser, Nikolaus Redl und Christopher Zajac haben eben erst maturiert, sind dennoch mit ihrer dritten Idee bei einem Businessplan-Bewerb dabei: Mit „CarryLess“ sollen sich Studierende gegen Gebühr Laptops an ihren Unis ausleihen können.
Esther Rois-Merz entwickelt Hörgeräte für Musikliebhaber und aktive Musiker mit Hörbehinderung. Anders als andere Geräte ist die musikalische Hörberatung von „audienz“ auf Töne, Höhen und Stärken ausgerichtet.
So facettenreich und innovativ die Ideen zum Teil waren, sprengten sie mitunter leider den finanziellen und zeitlichen Rahmen unserer Gründer-Aktion. Trotzdem: Allen Teilnehmern wünschen wir das Beste für ihre Unternehmungen.

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