Wirtschaft | Karriere
07.01.2013

Die drei F zum Glück: Freunde, Fitness und Fun

Das Glück liegt durchaus auch in der Arbeit. Nämlich dann, wenn wir in ihr mehr sehen, als nur Mittel zum Geldverdienen. Aber persönliche Zufriedenheit braucht vor allem die „drei F“: Freunde, Fitness und Fun.

Die bulgarische Investment-Bankerin Eva war sehr glücklich, als ihr langjähriger Freund ihr endlich einen Heiratsantrag gemacht hat. Die deutsche Studentin Andrea sagt, dass eine positive Work-Life-Balance für sie Glück bedeutet. Der französische Informatiker Silvain benennt spontan ein Upgrade in die First Class auf einem Langstreckenflug nach Singapur als sein letztes Glückserlebnis. 700 Menschen hat Annegret Braun in ihrer Studie zu Glückerlebnissen befragt und völlig unterschiedliche Antworten bekommen. Zu komplex und vielschichtig ist das Glückserlebnis, um es in eine Form gießen zu können. Glück ist außerdem höchst individuell.

Und dennoch: Die Glücksforschung ist sich einig, dass Geld alleine zum Glücklichsein nicht reicht, da braucht es schon mehr. „Was uns tatsächlich glücklich macht sind die drei F: körperlich und geistig fit zu sein, dazu fun – nämlich Spaß, Emotion, Leidenschaft (auch im Job) und Liebe zu haben. Und friends, viele positiv gesonnene Menschen um sich zu haben“, sagt Psychologe Alfred Endl (siehe Interview rechts).

Familiäre Beziehungen

Seit mehr als siebzig Jahren begleiten Forscher der Harvard University 268 Menschen, nur um eine Frage zu beantworten: Was macht ein zufriedenes Leben aus? Die Ergebnisse sind zum Teil vorhersehbar: Regelmäßige Bewegung, keine Zigaretten, kein Übergewicht und wenig Alkohol tragen zum Wohlbefinden bei. Doch mit Abstand das Wichtigste für ein zufriedenes Leben ist die Bindung, sind die Beziehungen zu anderen Menschen.

Befriedigende Arbeit

Die Erwartungen an Arbeit haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv geändert: Arbeit soll mehr sein, als nur Mittel zum Geldverdienen. Sie soll Freude machen und erfüllen. Sie soll fordern und Anerkennung bringen. Am besten gelingt sie im Flow-Zustand.

Mihaly Csikszentmihalyi, emeritierter Professor an der University of Chicago, hat die Merkmale solcher Ereignisse definiert: Es sind Tätigkeiten für die man Geschicklichkeit braucht und die um ihrer Selbst willen geschehen. Im Flow-Zustand wird die Aufmerksamkeit vollständig gefesselt, alle unangenehmen Aspekte des Lebens und die Zeit werden vergessen. Sie fordert uns, aber überfordert nicht. Wer das in seinem Job erlebt, hat den richtigen Beruf gewählt.

Doch glücklich machen kann Karriere allein auf Dauer nicht. Denn der Feind des Glücks ist die Gewöhnung. „Karriere ist meist damit verbunden, dass man auch mehr Zeit investieren muss und dass man unter Druck gerät – und das macht auf Dauer eher wieder unglücklich. Außerdem gewöhnt man sich an diesen Erfolg und damit ist er nichts Besonderes mehr“, sagte Ethnologin Annegret Braun in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Finanzielle Lage

Personen mit höherem Einkommen bewerten ihr subjektives Wohlbefinden höher als ärmere Personen. „Diese positive Korrelation zwischen Einkommen und Glück ist statistisch gut gesichert“, sagt Ökonom Bruno Frey. Doch ist es der Vergleich mit anderen, der die Ausprägung des Glücks bestimmt. „Uns interessiert nicht die absolute Höhe unseres Einkommens, sondern vielmehr unsere Position auf der Einkommensleiter im Vergleich zu den anderen, also das relative Einkommen“, sagt Frey. Und es sei die Gewöhnung an den Status quo, die immer neue Ansprüche auch an das Einkommen stellt. Der Mensch passe sich an das Glück an. Mit steigendem Einkommen, würden auch die Ansprüche steigen, die Zufriedenheit bringen.

Jan-Emmanuel De Neve vom University College London und Andrew Oswald von der Universität Warwick haben die Fragestellung in ihrer Arbeit umgedreht: Werden glückliche Menschen eher reich? Die Antwort lautet: Ja. Mehr als 10.000 Teilnehmer wurden dafür begleitet. Wer als 16-Jähriger angab, mit seinem Leben besonders unzufrieden und unglücklich zu sein, verdiente mit 29 Jahren etwa 30 Prozent weniger als der Durchschnitt. Wer sich hingegen mit 16 Jahren glücklich fühlte, bekam mit 29 Jahren zehn Prozent mehr Geld als der Durchschnitt. Die Gründe dafür: Wer zufrieden ist, erreicht laut den Wissenschaftern eher einen Universitätsabschluss, bemüht sich eher um einen Job, ist generell aufgeschlossener und optimistischer.

Nicht dass es erstrebenswert wäre, aber auch das Unglücklichsein hat eine entscheidende Rolle im Leben: Nur so finden wir Lösungen und entwickeln uns weiter.

„Andere Perspektiven gehören zu einem erfüllten Leben “

Schenken Sie Glücksbringer zu Silvester?
Alfred Endl: Natürlich. Wenn ich jemandem ein Glückssymbol schenke, geht damit ein positiver Wunsch einher und die Botschaft „Ich traue dir das zu“. Das beflügelt die Denkweise dieses Menschen. Glücksbringer haben also einen sehr realen Hintergrund, sind eine positive Manipulation in einer angenehmen und feinsinnigen Form.

Was ist Glück für Sie?
Für mich ist das ein Konglomerat aus verschiedenen Dingen: Gesundheit, Zufriedenheit, nette Menschen, nicht hungern müssen...

Was macht Menschen glücklich?
Viele Menschen glauben, Geld und Reichtum machen glücklich – ist aber nicht so. Lottogewinner haben drei bis vier Monate einen Glückszustand, dann ist das vorbei. Was uns tatsächlich glücklich macht sind die drei F: Fit – körperlich und geistig, Fun – Spaß, Emotion, Liebe und Friends – positiv gesonnene Menschen.

Stimmt es, dass verschiedene Menschentypen auf verschiedene Art glücklich werden?
Es gibt vier Typen: Logiker brauchen Informationen und Fakten zum Glücklichsein. Energiegesteuerte Menschen müssen geistig und körperlich etwas tun für ihr Glück. Gefühlsmenschen brauchen Emotionen und andere Menschen. Der Abwartende braucht vor allem Zeit – er muss viel denken.

Wieso sind manche Menschen glücklich und andere nicht?
Ob ich glücklich bin, ist meine ureigene Entscheidung. Man kann das sogar lernen, die bewusste Steuerung ist möglich. Es ist die Einstellung.

Helfen neue Perspektiven?
Natürlich. Andere Denkperspektiven gehören zu einem glücklichen, erfüllten Leben. Sie sind ein Indiz dafür, dass ich mit meinem Gehirn auch brauchbar umgehen gehen.

Gibt es Glück ohne Unglück?
In gewisser Weise nicht. Nur Glück allein würde es uns unmöglich machen, das Glück als solches erkennen zu können.

Spielen wirtschaftliche Faktoren eine Rolle?
Wir können nicht auf eine gewisse materielle Basis verzichten. Das hat nichts mit Luxus zu tun, aber eine materielle Sicherheit ist notwendig.

Geld macht also doch glücklich?
Eine materielle Sicherheit macht zufrieden und ist die Basis zum Glück – es gibt also eine Grenze nach unten. Die Grundbedürfnisse müssen gut gedeckt sein und im Bestfall ist ein gewisser, individuell definierter Luxus vorhanden. Aber es heißt absolut nicht: Je mehr Geld, desto glücklicher.