APA9303730-2 - 03092012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT II - Studenten vor einen Inskriptionsschalter am Montag 4. September 2012, in der TU in Wien. Die neue Inskriptionsfrist an den Universitäten geht in die heiße Phase: Wer sich erstmals für ein Bachelor- oder Diplomstudium einschreibt, muss dies grundsätzlich bis 5. September tun. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

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WIen
03/14/2013

TU verzichtet auf Aufnahmeverfahren

An der TU Wien wird es weiterhin einen unbeschränkten Zugang geben - "nicht jedoch unbeschränkte Plätze".

Die Technische Universität (TU) Wien verzichtet auf die durch den Testlauf zur Studienplatzfinanzierung ermöglichte Einführung von Aufnahmeverfahren in den beiden Studienfeldern Architektur/Städteplanung und Informatik. Gleichzeitig werde sie den vom Wissenschaftsministerium vorgelegten Zusatz zur Leistungsvereinbarung nicht unterschreiben, in dem festgehalten wird, wie viele Anfänger-Studienplätze die Uni in diesen Studienfeldern anbieten muss, so Rektorin Sabine Seidler in einer Aussendung am Donnerstag: "Ich unterschreibe nicht, weil wir nicht bestätigen können, dass wir für dieses verpflichtende Angebot von Studienplätzen auch die Ressourcen haben. Das ist Fairness gegenüber zukünftigen Studierenden."

Der Testlauf zur Studienplatzfinanzierung betrifft insgesamt fünf Studienfelder (Architektur und Städteplanung, Biologie und Biochemie, Informatik, Pharmazie sowie Wirtschaft), die wiederum 28 Fächer umfassen. In diesen Feldern wurde die Mindestzahl der Studienanfänger gesetzlich festgelegt, die Verteilung auf die einzelnen Unis bzw. Fächer sollte durch Verhandlungen zwischen Ministerium und Unis festgelegt werden. Überschreitet die Zahl der Studienwerber die Mindestzahl der Studienplätze, dürfen die Unis Aufnahmeverfahren durchführen. An der TU Wien werden von diesen Feldern nur Architektur und Informatik angeboten.

Die vom Ministerium vorgelegte Mindestzahl sei "viel zu hoch, unrealistisch und hat mit den tatsächlichen Kapazitäten nichts zu tun", argumentiert die TU. Die Zahlen seien nicht akzeptabel. "Wenn es in die Nähe unserer Kapazitäten gegangen wäre, hätten wir es gemacht“, erklärte das Rektorat unisono. Die neuen Beschränkungen brächten jedoch keine Entlastung in überlaufenen Fächern. "Im Gegenteil: Sie verschlimmern die Situation für Studierende und Lehrende."

"Mogelpackung"

Die vom Ministerium angekündigten zusätzlichen 95 Professuren in allen Studienfeldern zur Verbesserung der Betreuungsverhältnisse bezeichnete Seidler als "Mogelpackung": "Es fehlt die Verknüpfung der Zahl von BeginnerInnen (Studienplätzen) und prüfungsaktiver Studierender. Das ist deshalb so wichtig, weil das viel zitierte verbesserte Betreuungsverhältnis auf Basis der Anzahl prüfungsaktiver Studierender ermittelt wird." Die Architektur und Raumplanung verfügt laut TU über Kapazitäten für rund 535 Studienanfänger, vom Ministerium seien jedoch 1.030 Anfänger vorgegeben worden. In der Informatik könnten 509 Anfänger realistisch betreut werden, die Vorgabe habe aber 980 betragen.

Die Entscheidung der TU bedeutet, dass es weiterhin einen unbeschränkten Zugang an der Uni gibt - "nicht jedoch unbeschränkte Plätze", betont man: "Daraus folgt, dass in den beiden Studienfeldern Pläne umgesetzt werden müssen, um zu realistischen AnfängerInnenzahlen verknüpft mit einem qualitativen Betreuungsverhältnis zu kommen", so der Vizerektor für Lehre, Adalbert Prechtl. Bereits abgeschlossene Vorarbeiten zu Aufnahmeverfahren und intern vorliegende Konzepte "dienen der Vorbereitung für kommende Studienjahre und sind damit keinesfalls obsolet". Die bestehende Studieneingangs- und -Orientierungsphase (STEOP) werde wie gehabt weitergeführt.

Die HochschülerInnenschaft (ÖH) an der TU begrüßte den Schritt in einer Aussendung: Dieser "sollte von anderen Universitäten jetzt wiederholt werden". Die Zugangsbeschränkungen, die Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) als Lösung präsentiert habe, "wurden an der TU Wien als das entlarvt, was sie sind, eine Mogelpackung".

Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle stößt der Verzicht auf Aufnahmeverfahren auf Unverständnis: "Die Entscheidung der TU Wien liegt in ihrer Eigenverantwortung, jedoch gerade im Bereich der Architektur ist sie nicht nachvollziehbar", so der gerade in Südamerika weilende Minister in einer Stellungnahme. Er habe bereits mehrmals betont, dass eine von der TU de facto geforderte Halbierung der Zahl der Studienanfänger nicht zur Diskussion stehe: "Das wurde auch mit dem Koalitionspartner so vereinbart."

Wenn die Zahl der Studienanfänger an der TU Wien konstant bleibe bzw. dem Trend der Vergangenheit entspreche, würde diese im Wintersemester 2013/20014 "deutlich über den vorgeschlagenen Zahlen des Wissenschaftsministerium liegen". Der Ministeriums-Vorschlag bedeute eine "schrittweise Annäherung an ideale Betreuungsverhältnisse und hätte für die TU Wien eine spürbare Entlastung" von minus 28 Prozent bei den Studienanfängern im Bereich Architektur gebracht, hieß es weiter: "Die TU Wien wollte aber offensichtlich alles und das sofort." Der Schritt der Universität werde die Situation an der Architektur nicht verbessern, zumal die anderen Universitäten, an denen Architektur angeboten wird, angekündigt hätten, von den Zugangsregelungen Gebrauch zu machen.

Der Schritt der TU hat aber unter Umständen durchaus Auswirkungen auf die anderen Unis: An der Universität Wien hieß es, dass nun die Situation in der Informatik, wo die Uni Wien Aufnahmeverfahren geplant hat, "neu bewertet werden muss". Dies werde in den kommenden Tagen geschehen. Auch die TU Graz will sich "alle Optionen offenhalten". Die Uni Graz hält dagegen an ihren Aufnahmeverfahren fest, an der Uni Innsbruck hat man sich "nach derzeitigem Stand" sogar entschlossen, entgegen den bisherigen Plänen außer in Wirtschaftswissenschaften und Architektur auch ein Aufnahmeverfahren in Pharmazie durchzuführen. Allerdings könne sich dies aufgrund der aktuellen Entwicklungen auch wieder ändern.

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