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09/20/2012

Parallelunterricht statt Gettoklasse

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz will eigene Vorschul­kurse für Kinder, die zu wenig Deutsch können.

Migrantenkinder scheitern weitaus häufiger in der Schule als österreichische Kinder. Ein Grund dafür ist laut Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), dass "viele Schüler in der Klasse sitzen, ohne ein Wort zu verstehen".

Sein Vorschlag: "Kinder sollen vor Schuleintritt ein Deutsch-Förderjahr absolvieren. Ältere Schüler, die als Quereinsteiger in höhere Klassen kommen, sollen in einem drei- bis sechs-monatigen Crashkurs ihre Sprachkenntnisse verbessern, bevor sie am Regelunterricht teilnehmen."

Konkret heißt das: "Die förderbedürftigen Schüler sollen in eigenen Gruppen unterrichtet werden. Diese sollten möglichst durchlässig sein: Fächer wie Turnen hätten die Kinder dann gemeinsam mit ihrer Stammklasse. Sobald ein Kind die deutsche Sprache ausreichend beherrscht, kann es in diese Klasse wechseln."

Zweitsprache

Ein sinnvoller Vorschlag? Entwicklungspsychologin Brigitte Rollett meint, dass "es natürlich darauf ankommt, wie so ein Extra-Unterricht aussieht". Beispielgebend seien hier die internationalen Schulen. Dort gibt es das Konzept "Englisch als Zweitsprache" (English as Second Language, ESL) . "Die Schüler, die wenig oder gar kein Englisch sprechen, lernen dort die gleichen Inhalte wie ihre Mitschüler, zum Beispiel das Addieren. Nur wird ihnen das in sehr einfachem Englisch vermittelt. Sie lernen also Inhalte und die neue Sprache gleichzeitig. Sobald die Buben und Mädchen Englisch können, wechseln sie in die Stammklasse. "

Eine eigene Vorschulklasse, die nur als Deutschkurs konzipiert ist, lehnt Rollett ab: "Denn dort lernen die Kinder die Alltagssprache, die sicher auch wichtig ist. In der Schule müssen sie dann aber wieder Begriffe lernen, die sie eben erst im Unterricht kennenlernen und nur in der Schule benötigen."

Soziale Integration

KURIER- Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger fürchtet um die soziale Integration: "Neben der Sprache, die in Förderstunden trainiert werden kann, ist es wichtig, dass die Kinder möglichst gut und rasch sozial integriert werden. Das funktioniert, wenn sie in einer Klasse mit gleichaltrigen Kindern aus Österreich sind." Ähnlich sieht das die Grüne Integrationssprecherin Alev Korun: "Eigene Gruppen bedeuten Trennung der Kinder von Anfang an. Weitaus besser wäre es, wenn zusätzliche Lehrer die Kinder in Kleingruppen besonders fördern würden."

In Wien, wo der Migrantenanteil in Volksschulen mittlerweile bei 50 Prozent liegt, wirft man Kurz Ahnungslosigkeit vor. Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl: "Was er fordert, ist in Wien längst Realität." Einig sind sich Kritiker sowie Befürworter der "Vorschulkurse", dass Deutsch die Basis für Schulerfolg und somit für gelungene Integration ist. Ideal wäre natürlich, wenn Kinder bereits im Kindergarten Deutsch lernen.

Hotline

Probleme in der Schule? Der KURIER-Schüleranwalt weiß Rat. Sie erreichen das Team rund um die Uhr per eMail unter schueleranwalt@kurier.at . Telefonisch erreichen Sie uns an jedem Mittwoch von 8 bis 10 Uhr, und jeden Freitag von 15 bis 16 Uhr unter 0664/60 700 30000.

Fragen zu Familie & Erziehung? KURIER-Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger beantwortet ihre Fragen unter familycoach@kurier.at

Telefonsprechstunde gibt es jeden Donnerstag von 13 bis 15 Uhr unter 01-526 57 60.

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