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05.12.2011

Lehrlingssuche: Es wird eng

Schon jetzt haben laut market-Umfrage 70% der Arbeitgeber Schwierigkeiten geeignetes Personal zu finden. Die Zukunft verheisst nichts Gutes.

Die gute Nachricht zuerst: Heimische Betriebe sehen die Zukunft bemerkenswert optimistisch, die Konjunktur entwickle sich gut. Als Folge werden in den nächsten sechs Monaten - auf alle heimischen Arbeitgeber aufgerechnet - 150.000 neue Mitarbeiter benötigt, darunter etwa 90.000 Lehrlinge bzw. Personen mit Lehrabschluss.

Die schlechte Nachricht: Die Arbeitgeber rechnen damit, dass die Suche nach Facharbeitern im allgemeinen und Lehrlingen im speziellen in den kommenden Jahren immer härter wird. In einer neuen Umfrage unter Arbeitgebern geben 70 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten beim Finden geeigneter Mitarbeiter zu haben. Je größer das Unternehmen, umso stärker wird die Mitarbeitersuche als Herausforderung empfunden, sagte market-Chef Werner Beutelmeyer. Die Umfrage wurde vom Linzer market-Institut im Juli und August im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ) durchgeführt.

Als größte Probleme bei der Suche nach Arbeitskräften nennen die Arbeitgeber zu geringe fachliche Qualifikationen (59 Prozent) und mangelnde Motivation (61 Prozent). Zu hohe Lohnvorstellungen werden nicht als vordringliches Problem gesehen. Den Lehrlingen fehlt es an Leistungswillen, Umgangsformen und Grundkenntnissen im Lesen, Rechnen oder Schreiben.

"Perversität"

Früher habe man bei der Personalsuche primär nach guten Vertriebsleuten Ausschau gehalten, "jetzt ist das Thema geeignete Mitarbeiter/Qualifikation in den Vordergrund gerückt", sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl. "Es ist eine Perversität ersten Ranges, einerseits unter einem Fachkräftemangel zu leiden, aber gleichzeitig zuzuschauen, wie Fachkräfte vorzeitig in Pension gehen." Es handelt sich beim Fachkräftemangel aber nicht um ein exklusiv österreichisches, sondern um ein "weltweites Problem".

Als kurzfristigen Lösungsansatz will die Kammer den Verbleib älterer Arbeitskräfte im Arbeitsleben mit Prämien für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefördert sehen. Längerfristig sollen Ausbildungsreformen, die Aufwertung der Lehre, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, qualifizierte Migration und neue Vorschriften am Arbeitsmarkt helfen.

Demographie

Demografischer Hintergrund zu dem bevorstehenden Mitarbeiter-Engpass ist das Sinken der Geburtenzahl zwischen 1993 und 2001 um rund 20 Prozent. 2008 gab es im Land noch knapp 100.000 15-Jährige, bis 2016 erwartet man hier einen Rückgang auf 85.000. Hinzu kommt die Befürchtung seitens der Wirtschaft, den Wettbewerb um die jungen Leute zu verlieren, betonte Leitl am Montag. Wenn die Besten in (nicht berufsbildende) Höhere Schulen gingen und andere die Lehre bei "klingenden Namen" in der Industrie machten, "bleibt für den breiten Mittelstand nur wenig über".

Die Lehrlingsentschädigungen müssten sich dieser Entwicklung anpassen und seien in den vergangenen Jahren auch schon deutlicher gestiegen: "Der Tag wird kommen, an dem man Burschen ein Motorrad schenken muss, dass sie in den Betrieb kommen."

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