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04.03.2017

"Man hat das Gefühl, es bringt nichts"

Barbara Blaha, Ex-ÖH-Vorsitzende, bäumte sich als Studentin aktionistisch gegen das System auf. Dieses System lässt Studis heute kaum Freiheiten für Engagement.

KURIER: Was ist Ihnen als letzter großer Uni-Protest in Erinnerung? Barbara Blaha: Unibrennt.

Barbara Blaha: Das war 2009. Seitdem brennt nichts mehr. Warum eigentlich nicht?

Wenn man heute mit den großen Protesten rund um die Studiengebühren vergleicht, sieht man: Die Leute waren aktiv, weil sie spüren konnten, dass ihnen etwas weggenommen wird, es ging auch an die Geldbörse. Das war natürlich leicht zu popularisieren. Jetzt haben wir seit 20 Jahren neoliberale Bildungsbildungspolitik, viele der heutigen Studenten können sich gar nicht mehr vorstellen, wie Hochschule einmal war. Wie explorativ Bildung funktionieren kann, dass Unis Motor der Emanzipation sein können und man nicht von ECTS-Punkt zu ECTS-Punkt hetzen, seinen Lebenslauf frisieren, in sechs Semestern seinen Bachelor schaffen muss. Dass die Studierendengeneration jetzt so durchgeschleust wird, hat natürlich Einfluss auf sie.

Neue Studienbeschränkungen sind praktisch fix – warum geht das ohne Protest an den Studiereden vorbei?

Meine Erfahrung als ÖH-Vorsitzende war, dass das Thema Zugangsbeschränkungen sehr sehr schwer auf die Straße zu bringen war. Die Studierenden haben das Gefühl, es betrifft sie nicht, sondern betrifft nur jene, die jetzt 16 sind. Da war und ist die Solidarität bei den Studierenden verbesserungswürdig.

Engagieren sich die Studierenden heute zu wenig?

Dass die jungen Leute nichts mehr interessiert, hört jede Generation. Als wir auf die Straße gegangen sind und Parteizentralen zugemauert haben, haben wir trotzdem gesagt bekommen, dass bei den 68ern alles noch ganz anders war. Aber die Leute engagieren sich. Einerseits in der ÖH und in den Fraktionen, andererseits bei ehrenamtlichen Initiativen. Die gesamte Flüchtlingshilfe rund um Train of Hope würde es ohne Studierende nicht geben. Da fließt die Energie hinein.

Und unipolitisch? Haben sie keine Zeit oder kein Interesse?

Zwei Drittel der Studis arbeiten nebenbei, zudem ist der Druck, in Mindestzeit zu studieren, gestiegen. Bei der Verschulung des Systems und der Anwesenheitspflicht geht sich da wenig aus. Auch der Impact spielt eine Rolle. Im Ehrenamt sehe ich sofort, dass ich geholfen habe. Sobald ich die Politik als Adressaten habe, kommt schnell das Gefühl, es bringt nichts.

Was würde die Studis mobilisieren?

Das ist eine Frage der persönlichen Betroffenheit. Je konkreter der Anlass und das Problem, desto einfacher ist die Mobilisierung. Die nächste Geschichte könnte sein, dass man die Masterstudiengänge zuspitzt. Das würde die Hochschulen wieder repolitisieren, denn das betrifft auch jene, die jetzt an den Unis sind.

Was bringt öffentlichkeitswirksames Engagement den Jungen überhaupt ?

Politik ist das Bohren dicker Bretter, es braucht oft Jahre, bis man etwas erreicht. Meine Erfahrung und die der Menschen, mit denen ich politisch aktiv war, ist aber: Was man dort lernt, lernt man nirgends sonst. Und das verlässt einen das ganze Leben nicht mehr.

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