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12/05/2011

"Die jungen Leute sind begeistert"

Quantenphysiker Anton Zeilinger leitet die Internationale Akademie Traunkirchen, um den Nachwuchs zu fördern.

von Josef Ertl

Anton Zeilinger ist Professor für Quantenphysik an der Universität Wien. Der 66-Jährige, in Ried im Innkreis Geborene, hat mit Unterstützung von Landeshauptmann Josef Pühringer vor zwei Jahren die "Internationale Akademie Traunkirchen" ins Leben gerufen, die sich um den wissenschaftlichen Nachwuchs kümmert.

KURIER: Sie wollen die jungen Menschen für die Wissenschaft begeistern.
Anton Zeilinger: Ich finde Wissenschaft so spannend, dass viel mehr Leute davon wissen und das machen sollten. Wir haben viel zu wenige Leute, die die MINT-Fächer studieren: Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften und Technik. Wir müssen wegkommen von dem Bild, dass das fad ist. Im Gegenteil, das ist sehr spannend. Und dank der Unterstützung durch das Land Oberösterreich können wir hier in Traunkirchen etwas für die Begeisterung der jungen Menschen tun.
Es sind hier auch Künstler dabei, es gibt hier keinen Unterschied zwischen Naturwissenschaften und Kunst. Man spricht dieselbe Sprache. Die jungen Leute sind dermaßen begeistert, dass sie offen Ideen austauschen können und dabei völlig frei sind. Der Andrang und die Nachfrage sind sehr groß, wir haben drei Mal so viele Anmeldungen, als wir berücksichtigen können.

Was ist Ihre Motivation?
Ich mache das ehrenamtlich. Ich möchte für die nächste Generation etwas tun. So wie John F. Kennedy einmal gesagt. Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.

Wie kann sich Europa positionieren?
Europa hat eine Sache, die ganz wichtig ist. Wir haben aus der Geschichte gelernt, mit extrem komplexen Situationen kreativ umzugehen. Das hängt mit der komplexen politischen Situation zusammen, die sich in der Geistesgeschichte widerspiegelt. Es gibt Leute, die behaupten, dass die Renaissance, die der geistige Urgrund für die modernen Wissenschaften ist, deshalb entstanden ist, weil Europa so zerrissen war und dadurch etwas Neues entstehen konnte.
China hat ein Großreich gehabt, das diese Diversität nicht gefördert hat. Die Amerikaner waren von vornherein ein Schmelztiegel. In Europa haben wir die Diversität, die wir fördern müssen. Wir müssen wieder eine stärkere europäische Identität in der Wissenschaft produzieren. Es ist ein Riesenfehler, wenn wir hier in Europa das amerikanische Wissenschaftssystem nachbauen. Europäer sind viel eher geneigt, sehr fundamentale Fragen zu stellen und komplexe Dinge zu analysieren als andere Kulturen. Hier haben wir etwas zu verlieren.

Zu den Universitäten. Es gibt überall zu wenig Geld und in einigen Fächern zu viele Studenten.
Für mich ist es absolut unverständlich, dass die österreichische Politik nicht mehr Geld in die Universitäten und in die Forschung steckt. Wenn man einen Teil der Geldverbrennung, die mit den Problemen des Finanzmarktes passiert, in die Wissenschaft stecken würde, würde man etwas für die Zukunft machen.
Ich verstehe das finanzielle Argument nicht. Wir sind ein reiches Land. Die Schweiz ist nicht reicher als wir, aber sie stecken wesentlich mehr Geld in die Forschung. Was ist der Effekt? Sie sind in vielen Fächern weltweit an der Spitze und sie haben eine hervorragende Industrie. Das wirkt sich unmittelbar aus. Und sie haben eine Reihe von Nobelpreisträgern in der letzten Zeit. In Österreich gehört mehr gemacht. Die Politiker sollten hier viel mehr zur Verantwortung gezogen werden. Das Wissenschafts- und Forschungsbudget des Staates gehört jährlich um zehn Prozent erhöht. Und das zehn Jahre lang. Vielmehr sollte man nicht machen, weil man nicht genug gute Köpfe hat.

Was soll an den Universitäten passieren?
Man soll den Zugang regeln. In den meisten Studienrichtungen gibt es 50 Prozent und mehr Studienabbrecher. Das ist verantwortungslos gegenüber den jungen Menschen. Es macht keinen Sinn, wenn sie Jahre damit verbringen, etwas zu studieren, wofür sie nicht geeignet sind. Es gibt nicht viele Länder auf der Welt wie Österreich, wo es so viele Studienabbrecher gibt.

Es soll Studieneingangsprüfungen geben?
Ja. Wie die Zugangsregelung im Detail aussieht, soll jedes Fach für sich selbst entscheiden..

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