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22.03.2017

Das Studium mit sechs Studenten pro Jahr

Das Masterstudium Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft gehört zu den kleinsten Studienrichtungen in Österreich. Paul Schabl über sein privilegiertes Studentenleben unter wenigen.

Demnächst wird Paul Schabl seinen Master in Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft in Händen halten. Dann nimmt er Abschied von Freunden. Denn mit aktuell 15 Studierenden ist das Masterstudium an der Boku eines der kleinsten und familiärsten. Das viersemestrige Studium gibt es seit 2014, Schabl war im ersten Jahrgang. Wobei Astrid Forneck, Leiterin der Abteilung Wein- und Obstbau an der Universität für Bodenkultur (BOKU), einwirft, dass im ersten Jahrgang die meisten noch Quereinsteiger waren und parallel zusätzliche Module belegt werden mussten. Künftig rechnet sie mit bis zu zehn Absolventen jährlich.

Wie eine kleine Familie

Angesichts der geringen Anzahl von Studierenden ist das Verhältnis untereinander sehr gut. "Jeder Jahrgang ist eine eigene kleine Familie", weiß Schabl. Die Sorge, in einer eingeschworenen Gruppe keinen Anschluss zu finden, müssen Neue nicht haben. Als der zweite Jahrgang begann, verbrachte Schabl gemeinsam mit Kollegen gerade ein Auslandssemester an der Hochschule Geisenheim in Deutschland. Sie ist Partner für diesen Studiengang, in dem Internationalität großgeschrieben wird. Einen Kommilitonen verschlug es sogar bis nach Kalifornien. In Österreich finden die Lehrveranstaltungen in Wien und Tulln statt.

Weniger Bürokratie

Schabl kennt die Vorteile eines kleinen Studiums, er hat den direkten Vergleich. Bevor er den Master an der Boku belegte, studierte er an der WU Volkswirtschaft. "An der WU ist man einer von 1000, an der BOKU war ich einer von zehn", sagt er. Im Masterstudium könne vieles individueller gestaltet werden, es herrsche eine Atmosphäre, in der jede Frage gestellt werden darf. Es sei hier deutlich unbürokratischer. Das persönlichere Verhältnis zu den Lehrenden sieht er nicht als Problem, im Gegenteil. Prüfungen werden wie in jedem anderen Studium abgelegt und automatisch per Du sind Studierende und Lehrende noch lange nicht, auch wenn das sicher eher passiert als in den großen Studienrichtungen.Wirst du Somelier?Große Augen bekommt Schabl oft zu sehen, wenn er erzählt, was er studiert. "Viele können damit nichts anfangen", sagt er. "Oder sie glauben, dass ich Sommelier werde." Dabei handelt es sich um eine umfassende Ausbildung, die im Gegensatz zu anderen Angeboten weniger das Handwerk, als viel mehr Technisches und Naturwissenschaftliches in den Fokus rückt. So werden die vielen Interaktionen bei der Gärung des Weines genauso vermittelt wie die Methoden, Weinreben zu schützen und in ihrer Vitalität zu stärken. Einen Vorsprung haben Kollegen mit einem Bachelor in Agrarwissenschaften, Absolventen aus verwandten Studiengängen holen fehlendes Wissen nach. Sinnvoll ist ein Praktikum: "So kommt man mit Fragen aus dem Weingarten in den Hörsaal und nimmt Antworten mit hinaus."

Von Sabine Karrer

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Mini-Studien

Slowakisch (3 Beginner), Computational Logic (3) und Polnisch (4) sind, gemessen an der Zahl der Studienanfänger im Wintersemester 2015, die am wenigsten belegten ordentlichen Studien. Ausgenommen von der Aufstellung des Wissenschaftsministeriums sind Kunstunis, Doktorats-, Erweiterungs- und Individualstudien. Weitere: Wirtschaftsingenieurwesen/Technische Chemie (5), Tschechisch (5), Weinbau, Önologie, Weinwirtschaft (6), Slowenisch (8), Klassische Philologie-Griechisch (9), Portugiesisch (11), Altertums- (11) und Weltraumwissenschaften (12).