Bildung durch die Hintertür

Am 1. September startete teenXpert.at, eine Bildungsplattform für Jugendliche. Kurier.at im Gespräch mit einer der Gründerinnen.

Pisa-Studien verlautbaren nichts Gutes über den Wissensstand der österreichischen Schülerinnen und Schüler und viele Eltern klagen gerade zu Schulbeginn über Missstände im hiesigen Bildungssystem. Mag. Beate Hecher und Claudia Lorbeer wollen mit teenXpert.at etwas dagegen tun, und zwar mit dem bekannten Rezept, dass Bildung Spaß machen soll: Auf der Plattform können Jugendliche in Form von Quizzes zu verschiedenen Themen und Kreativwettbewerben ihre Allgemeinbildung verbessern, als Belohnung für die Mühen winken statt guten Noten Preise vom Frisörgutschein über iPads bis hin zu Snowboards. Wir sprachen mit Claudia Lorbeer darüber, wie der heiß begehrten Zielgruppe Jugend Bildung näher gebracht werden soll.

Kurier: Das ganze Internet ist quasi schon einziges Gewinnspiel, um jedes Like auf Facebook wird mit Preisen gebuhlt, warum sollten die Jugendlichen sich salopp gesagt die Arbeit antun, dafür auch noch ein Quiz über Politik zu machen?
In den letzten Monaten hat sich die Anzahl der Gewinnspiele wirklich multipliziert. Wir denken aber dennoch, dass attraktive Preise Leute anziehen, mitzumachen. Zusätzlich haben die Jugendlichen bei uns den Mehrwert nicht nur Sinnvolles zu erfahren, wie etwa Infos über Politik, sondern auch sich selbst mit Vorschlägen zu Themen und Contests einzubringen. Bei meinen Töchtern sehe ich selbst, dass sie sehr viel Zeit auf Facebook verbringen, aber keine nützlichen Inhalte mitbekommen, das soll teenXpert ändern.

Im herrschenden Überangebot an Informationen wird es immer schwieriger User zu erreichen. Wo setzt teenXpert.at hier an?
Claudia Lorbeer: Wir verlassen uns auf mehrere Maßnahmen: Einerseits wollen wir die Jugendlichen da abholen, wo sie sowieso sind, und zwar im Internet. Deswegen betreiben wir auch eine Facebook-Page und einen YouTube-Kanal. Andererseits haben wir Kooperationen mit Partnern, die teenXpert auf ihren Seiten publik machen und unter anderem sind Aktionen in Schulen geplant. Wir hoffen natürlich auf den berühmten Schneeballeffekt, der in Social Media möglich ist, da wir aber gerade erst gestartet sind, muss zuerst eine gewisse Grundmenge an Fans erreicht werden. Dazu braucht es aber breit aufgestellte Werbemaßnahmen, so ganz von allein geht das leider nicht immer.

Unter den Kooperationspartnern sind einige namhafte wie Libro, AMA Gütesiegel, Olympus oder der Raiffeisen Club dabei. Einige tun auch selbst viel in Sachen Jugendmarketing, warum engagieren diese sich speziell auch auf teenXpert.at?
Ganz einfach, den Partnern ist die Bildung der Jugend genauso wichtig wie uns. Wenn ein geplantes Thema für den Kooperationspartner passt, kann er Inhalte und Information beisteuern. Davon profitieren die Plattform, die Jugendlichen und die Partner. Win win win für alle Teilnehmenden.

Jugendliche können mitgestalten

Inwiefern gehen Sie inhaltlich auf die Jugendlichen ein?
Auf teenXpert gibt es einen eigenen Bereich, teenXpert Aktiv, wo die Jugendlichen ihre Vorschläge posten und darüber abstimmen lassen können. Damit soll in Zukunft die Plattform von den Jugendlichen selbst gesteuert werden. Darüber hinaus lassen wir alle Texte und Fragen der Quizzes von Jugendlichen redigieren, schließlich werden Erwachsene, die versuchen, die Sprache der Jugend zu sprechen, sofort entlarvt. Außerdem lassen wir die User selbst Fragen und Antworten für die Quizzes vorschlagen. Wir wollen das überstrapazierte Wort "Bildung" zum Beispiel gar nicht verwenden, bei uns steht der Spaß im Vordergrund, die Bildung kommt sozusagen durch die Hintertür rein. Das alles soll auch dazu beitragen, dass sich die Zielgruppe direkt angesprochen fühlt, die Inhalte weitergeleitet werden und so der Traffic natürlich wächst.

Wie sieht ihr Resümee nach den ersten Tagen aus und was erwarten Sie sich von den nächsten Monaten?
Es haben schon erstaunlich viele Jugendliche mitgemacht, mit dem Schulstart und der stärkeren Vernetzung unter den Youngsters wird das hoffentlich noch mehr. Unser Ziel ist, dass sich die Plattform durch Kooperationen finanziert, daher wollen wir diese verstärken und selbstverständlich die Userzahlen vergrößern.

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011