Bewerbungstuning: Pimp my Werdegang

Bildnummer: 36099744 © Bild: YURY SHCHIPAKIN/FOTOLIA 36099744/Yury Shchipakin/Fotolia

Wie viel Verschönern in den Bewerbungsunterlagen erlaubt ist und wieso Fälschen kein Kavaliersdelikt ist

Hier eine bessere Note im Maturazeugnis, da ein bisschen die Job-Beurteilung aufpolieren – macht doch jeder, oder?

Deutschlands Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg trägt den Doktortitel, Ex-Yahoo Chef Scott Thomson ist Bachelor und Bundeskanzler Werner Faymann hat Jus studiert. Tricksen und Optimieren gehört offenbar zum guten Ton. Ein gesundes Selbst-Marketing ist auch in Ordnung. Wer es mit dem Vita-Tuning aber übertreibt, kann auch schnell seinen Job los sein.

Bei der Bewerbung ist jeder um einen schillernden und gebildeten Eindruck bemüht. Die Interessen werden in der Biografie ein wenig intellektueller, die Sportarten ein wenig spektakulärer. Laut Experten würde das erwartet und auch toleriert werden. So kann aus der Arbeitslosigkeit schon mal eine „Neuorientierung“ werden – der Personalist drückt da gern ein Auge zu.

Doch werden auch Praktika und mehrwöchige private Reisen nach dem Studium einer Beauty-Behandlung unterzogen, erstrahlen sie plötzlich als „Festanstellung“ und „berufliche Projekte im Ausland“. Beim Vorstellungsgespräch näher darauf angesprochen, kann man schon gehörig ins Straucheln geraten. Hier merkt jeder Personalberater, dass plump getunt und kaschiert wurde. Überzeugt auch der restliche Lebenslauf nicht, stellt man sich mit diesen Polituren selbst das Bein. Falsche Angaben in der Bewerbung können sich so als wahre Karriere-Killer entpuppen.

Denn grundsätzlich gilt: Im Lebenslauf darf nichts falsch oder anders dargestellt werden. Mit der Angabe von Datum und Ort und dem Setzen seiner Unterschrift bestätigt man die Richtigkeit aller im Lebenslauf enthaltenen Daten. Wer hier die Vergangenheit veredelt, lügt.

Wer es dennoch wagt, den Werdegang aufzumotzen, kann dies dank Photoshop und Fantasie leichter denn je tun. Da Bewerbungsmappen primär Kopien enthalten, ist die Feststellung der Echtheit der Dokumente für Personalisten schwieriger geworden. Immerhin spielt die Dicke des Papiers, ein glänzendes Wasserzeichen oder die Tinte an der Unterschrift an den Originalen eine große Rolle.

Verschafft sich der Bewerber mittels vorsätzlichen Falschangaben einen Vorteil gegenüber anderen Kandidaten, handelt es sich um arglistige Täuschung und ist kein Kavaliersdelikt mehr.

Missbrauch

Gibt man als Bewerber gar einen Titel an, den man nicht besitzt, kann man wegen Titelmissbrauchs rechtlich belangt werden. Wird diese Angabe mit einem Dokument, also einer Diplom-Urkunde zum Beispiel vervollständigt, macht man sich sogar strafbar. Skeptische Arbeitgeber leiten verdächtige Bewerbungsmappen gerne auch an Detekteien weiter, die den Wahrheitsgehalt der Unterlagen mit professionellen Methoden überprüfen sollen.

„Wer mit gefälschten Unterlagen beim Vorstellungsgespräch entlarvt wird, bekommt den Job einfach nicht“, sagt Franz Hill, Geschäftsführer der Personalberatung Hill-Woltron. Ob auch eine Anzeige wegen Urkundenfälschung erstattet wird, wäre hier von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich – zustehen würde es ihnen jedenfalls. Auch die Weitergabe dieser Information über den Bewerber an Dritte wäre von den in den Bewerbungsprozess involvierten Personen abhängig.

Und was passiert, wenn der Fälscher beim Schummeln unentdeckt bleibt und den Job tatsächlich bekommt. „Falls man später ertappt wird, ist eine fristlose Kündigung durchaus möglich“, sagt Personalberater Hill. Die weiteren Konsequenzen seien gravierend. Im Falle einer Anzeige des Unternehmens wegen Urkundenfälschung würde das österreichische Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vorsehen. Zusätzlich kann das Unternehmen den Bewerber auf Rückzahlung des aufgrund der vorgetäuschten höheren Qualifikation erhaltenen Gehalts klagen. „In der Regel werden in solchen Fällen aber sehr oft diskrete Lösungen gesucht, da viele Unternehmen mit solchen Vorfällen nicht nach außen gehen möchten“, sagt Hill.

Zum Abschluss ein Tipp: Wenn Sie nicht wissen, ob Sie im Lebenslauf zu dick auftragen, lassen Sie ihn von Freunden gegenlesen. Diese machen Sie auf mögliche versteckte Hochstaplereien gerne aufmerksam.

Erstellt am 04.01.2013