Wirtschaft
14.06.2017

Kapsch TrafficCom und Efkon spitzen auf deutschen Pkw-Mautauftrag

Rund 100 automatisierte Kamerastationen sollen auf deutschen Autobahnen Kennzeichen erfassen und mit Datenbank abgleichen. Kassiert wird von den ausländischen Benützern.

Österreichs Verkehrsminister Jörg Leichtfried will die geplante Straßenmaut für ausländische Pkw in Deutschland rechtlich zu Fall bringen. Dazu wird er sich mit dem nördlichen Nachbarn vor dem des Europäischen Gerichtshof ein Match liefern müssen. Doch das könnte am Ende heimischen Unternehmen schaden. Sein deutscher Kollege Alexander Dobrindt hat jetzt das mehrstufige Vergabeverfahren für diese "Infrastrukturabgabe" gestartet.

Zwei österreichische Mautspezialisten haben sich die Ausschreibungsunterlagen bereits besorgt: die börsennotierte Kapsch TrafficCom, die das österreichische Lkw-Mautsystem errichtete, und die steirische Strabag-Tochter Efkon, die für die deutsche Lkw-Maut die Kommunikationssysteme lieferte und auch die Kontrollfahrzeuge ausrüstete.

"Deutschland ist und bleibt ein interessanter Markt für uns", sagt Alexandra Vieh von Kapsch TrafficCom zum KURIER. "Wir sichten jetzt die Unterlagen und schauen, welche technischen Anforderungen für uns passen." Die Ausschreibung besteht aus zwei Teilen: Bis 13. Juli müssen die Teilnehmer ihr Interesse für die Errichtung und den Betrieb der 100 automatisierten Erfassungssysteme in Berlin deponieren, und bis 1. August für den zweiten Teil, die Kontrolle der Pkw-Maut.

Start im Jahr 2019

Im zweiten Quartal 2018 soll der Zuschlag erteilt werden. Ab 2019 wird dann auf Deutschlands Autobahnen kräftig abkassiert. Zumindest 500 Mio. Euro will Dobrindt jedes Jahr einnehmen. Deutschen Autobesitzern wird die Maut durch die Senkung der Kfz-Steuer ersetzt.

"Das ist ein interessantes Projekt und wir schauen uns das an", sagt Efkon-Vertriebschef Bernhard Tzar zum KURIER. "Dabei geht es um Kamerasysteme, welche die Kennzeichen der Autos automatisch auslesen und mit einer Datenbank vergleichen, ob der erfasste Pkw über eine gültige elektronische Vignette verfügt oder nicht." Da mit dem deutschen Mautsystem vor allem ausländische Pkw zwecks Bezahlung auf den Autobahnen erfasst werden sollen, geht Tzar davon aus, dass viele der 100 "Mautstationen" auf grenznahen Strecken aufgestellt werden. Er schätzt, dass das Auftragsvolumen des Projekts im höheren zweistelligen Millionen-Bereich liegen wird.

Dabei haben die Österreicher mächtige Konkurrenz. Dazu zählen: der deutsche Lkw-Mautbetreiber Toll Collect, die italienische Europass-Autostrade sowie Anbieter aus Frankreich und Spanien.