Wirtschaft
05.12.2011

Kahlschlag bei der Volksbank AG

Der Verlust übersteigt das halbe Grundkapital. Nun muss die Bank ihr Geschäft und die Mitarbeiterzahl halbieren.

Der Mittwoch war der Tag der bitteren Wahrheit für die Eigentümer und Mitarbeiter der Österreichischen Volksbank AG (ÖVAG): In der Hauptversammlung wurden die Aktionäre (mehrheitlich die 62 regionalen Volksbanken) über den Verlust und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen informiert.

Mit 1,2 Milliarden Euro übersteigt der ÖVAG-Verlust 2011 das halbe Grundkapital. Vorstand Gerald Wenzel muss die Bank daher aus allen riskanteren Geschäften abziehen: Die gesamte Immobilienfinanzierung und -entwicklung der Volksbank Real Estate, die Volksbank Leasing International und das Großfinanzierungsgeschäft werden daher gestoppt und wenn möglich verkauft oder langsam gegen Null gefahren. Neue Finanzierungen werden seit Monaten nicht mehr vergeben. Bestehende Großkunden versucht die ÖVAG auf andere Banken umzuschulden.

Dem Vernehmen nach umfassen diese Abbau-Teile der ÖVAG ein Geschäftsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro - gut die Hälfte der aktuellen Bilanzsumme der Bank. Mit dem Rückzug wird - wie berichtet - auch ein kräftiger Mitarbeiterabbau verbunden sein. Noch aber will die ÖVAG nicht von groß angelegten Kündigungen sprechen. Man hoffe, dass Geschäftsteile verkauft werden können und die Mitarbeiter dabei mitgenommen würden, sagt ÖVAG-Sprecher Walter Gröblinger.

Mitarbeiter

Rund 1300 Beschäftigte hat die ÖVAG in Österreich noch. Für etwa die Hälfte dürfte es innerhalb der kommenden zwei Jahre eng werden. Die ÖVAG wird sich in der neuen Struktur, die derzeit noch mit den Volksbanken verhandelt wird, auf wenige Geschäfte konzentrieren: Dazu zählt die Steuerung der Liquidität für den gesamten Sektor (Treasury), die Produktentwicklung und das Marketing. Die Volksbanken sollen in der neuen Struktur Haftungen für die ÖVAG übernehmen, die im Gegenzug für die Volksbanken haftet.

Die Finanzmarktaufsicht hat den Sektor zu dieser Neuaufstellung gedrängt. Denn sie sah die Gefahr, dass sich die Volksbanken von der verlustreichen ÖVAG zurückziehen, die Liquidität aus dem Institut nehmen und den kaputten Rest an den Staat abgeben. Das ist mit den gegenseitigen Haftungen nicht mehr möglich.

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