Wirtschaft
13.12.2017

Jobsuche: Ohne "Vitamin B" geht in Österreich wenig

35 Prozent der jungen Menschen fanden ihren Job über Verwandte und Bekannte.

Geahnt hatte man es, jetzt ist es mit Zahlen belegt: In Österreich sind soziale Kontakte und Beziehungen (das berühmte " Vitamin B") der wichtigste Türöffner ins Erwerbsleben. Laut Umfrage der Statistik Austria fanden so 35 Prozent der jungen Befragten zu ihrem Arbeitgeber.

Bewerbungsschreiben oder die Suche über Stellenanzeigen spielten eine deutlich geringere Rolle (siehe Grafik unten). Dass der Arbeitssuchende ein Angebot direkt vom künftigen Chef erhält, ist noch seltener. Das AMS spielt für die gesamte junge Bevölkerung ebenfalls eine geringe Vermittlerrolle. Befragt wurden 8250 Personen im Alter von 15 bis 34 Jahren.

Besonders wichtig sind gute soziale Netzwerke für Nicht-Österreicher: Sie verdanken ihre Arbeit zu 44 Prozent informellen Tippgebern aus dem Freundeskreis oder der Familie. Das betrifft besonders Migranten der ersten Generation (also im Ausland Geborene), bei der zweiten Generation (ihren Kindern) ist statistisch schon kein Unterschied mehr zu jungen Österreichern feststellbar.

Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer erkennt auch Zusammenhänge mit der Qualifikation. "Insbesondere Low-skill-Jobs sind auf Kontakte angewiesen", sagte er am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten. Mehr als die Hälfte aller Hilfs- oder angelernten Arbeiter (53 Prozent) fanden ihre Stelle nach dem Motto "Ich kenne da jemanden". Jobs für Führungskräfte werden so nur zu 23 Prozent vergeben.

Junge sind wenig mobil

Insgesamt leben in Österreich 2,16 Millionen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren. Davon sind 1,47 Millionen erwerbstätig, 131.000 arbeitslos und 555.000 sind Schüler oder Studenten.

Mit ihrem Job sind viele nicht restlos zufrieden: Jeder vierte Junge sieht sich unter seinem Bildungsniveau ("nicht qualifikationsadäquat") eingesetzt – Menschen mit Migrationshintergrund doppelt so oft (41 Prozent) wie Österreicher (20 Prozent). Erklärbar ist das mit Sprachdefiziten und der fehlenden Anerkennung von Bildungsabschlüssen. Pesendorfer plädiert deshalb für "Kompetenzmessungen": Was jemand wirklich kann, sei zusehends wichtiger als ein formaler Abschluss.

Die Umfrage bestätigt das Vorurteil, dass die jungen Österreicher wenig mobil sind: 41 Prozent wären nicht bereit, für einen neuen Job umzuziehen oder länger als eine Stunde pro Strecke zu pendeln.