Wirtschaft
05.12.2011

Jetzt wird auch Zypern zum Problemfall

Mit Zypern droht ein weiterer, wenn auch kleiner Dominostein der Euro-Zone in der Schuldenkrise zu kippen. Die Insel bittet um Hilfe.

Zugegeben: Mit einem Anteil von 0,2 Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung der Euro-Zone spielt Zypern nicht in der obersten Liga Europas. Die jährliche Wirtschaftsleistung von 18 Milliarden ist mit kleineren Euro-Mitgliedern wie Estland oder Malta vergleichbar.
Aber die Ansteckungsgefahr, die das Griechenland-Desaster für andere Euro-Länder mit sich bringt und unter der die wirklichen Schwergewichte wie Spanien oder Italien seit Wochen leiden, wird für immer mehr Staaten ein hochbrisantes Thema. So auch für Zypern.

Der südliche Teil der beliebten Touristeninsel - und Steueroase - leidet unter der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem griechischen "Heimatland" und - aktuell an den Folgen der Explosionskatastrophe vor rund zehn Tagen.

Konkret Alarm geschlagen hat kurz vor dem möglicherweise alles entscheidenden Euro-Krisengipfel in Brüssel niemand Geringerer als Zyperns Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied Athanasios Orphanides.

Sein Land könne sich nach der verheerenden Explosion auf einem Marinestützpunkt und der schweren Beschädigung des größten Elektrizitätswerkes des Landes gezwungen sehen, im Ausland um finanzielle Hilfe zu bitten. "Weitere und entschlossene Maßnahmen" müssten ergriffen werden, um das Schlimmste zu verhindern - darunter auch ein "Rettungsplan" mit allem, was dieser für die Wirtschaft mit sich bringe. Zyperns Wirtschaft befinde sich in einer "Notlage", schrieb Orphanides in einem Brief an den zypriotischen Präsidenten Demetris Christofias.

Hilfe

Mehr als 800 Millionen Euro hat Zypern zum Euro-Rettungsschirm und zur Hilfe für Euro-Sorgenkinder wie Portugal oder Irland beigetragen. Nun könnte der Inselstaat selbst zum Bittsteller in Brüssel werden.

Zypern ist nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention im Jahr 1974 ist die Insel geteilt. Seit dem 1. Mai 2004 gehört sie zur EU. EU-Recht gilt aber weiterhin nur im griechischen Süden der Insel. Der Euro wurde auf Zypern zu Jahresbeginn 2008 eingeführt, im zweiten Halbjahr 2012 soll Zypern die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen.

Immerhin 13 Tote und 62 Verletzte hat die Explosion in einem Munitionslager gefordert. Dabei wurde das größte E-Werk Zyperns zerstört, mit enormen Problemen für die Stromversorgung. Nach Schätzungen könnten die Schäden ein Fünftel der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen. Dabei beträgt der Schuldenstand schon mehr als 60 Prozent und die jährliche Neuverschuldung mehr als fünf Prozent.

Gelder

Profitiert hat Zypern von der Griechenland-Krise bisher nur insofern, als reiche Griechen ihr Vermögen ins Ausland brachten. Viele Milliarden flossen dabei nach Zypern und Großbritannien. Hochproblematisch ist aber die Bankenverflechtung zwischen Zypern und Griechenland.

In der Vergangenheit profitierte Zypern vor allem vom Ruf als Urlaubsinsel und den vielen steuerschonend geparkten Milliarden russischer Oligarchen. Dem Ruf als Steueroase folgten auch Österreicher. Zypriotische Konten, auf die Millionen-Provisionen geflossen sind, tauchten in der BUWOG-Affäre rund um Walter Meischberger auf. Auch Karl-Heinz Grassers Stiftung Silverland hat eine auf Zypern angesiedelte Tochtergesellschaft. Und die über Zypern gelaufenen Deals mit hochriskanten Credit-Default-Swaps haben letztlich die Kommunalkredit zusammenbrechen lassen.

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