Mehr als ein Drittel der befragten Betriebe beklagt Auftragsrückgänge.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Konjunkturflaute
12/04/2014

Jedes 5. Unternehmen musste heuer Mitarbeiter abbauen

Klein- und Mittelbetriebe: Am schlechtesten geht es der heimischen Baubranche.

von Kid Möchel

Obwohl sie kräftiger denn je in die Hände spucken, ist die Lage der 420.000 Klein- und Mittelbetriebe (KMU), die das Herz der österreichischen Wirtschaft bilden, so schlecht wie schon lange nicht mehr.

„Die KMU sind heute kein Jobmotor mehr, weil ihnen der Treibstoff ausgegangen ist“, sagt Gerhard Weinhofer vom Wirtschaftsinformations-Dienstleister Creditreform. „Seit dem Frühjahr 2014 geht die Zahl der Beschäftigten zurück. Jedes fünfte Unternehmen baute in den vergangenen sechs Monaten Personal ab, in der Baubranche war es sogar jeder vierte Betrieb.“ Nachsatz: „Wir sind zwar noch nicht auf dem Niveau des Krisenjahres 2009, aber leider auf dem Weg dorthin.“ Das ist das Ergebnis einer Studie, für die Creditreform rund 1700 heimische Klein- und Mittelbetriebe (mit bis zu 500 Mitarbeitern) befragt hat.

Düstere Aussichten

Grund für die schlechten Zahlen ist die Konjunkturflaute, die quer durch alle Branchen zu spüren ist. „Mehr als ein Drittel der befragten Betriebe beklagt Auftragsrückgänge“, weiß der Experte. „Der Baubranche geht es derzeit am schlechtesten.“ Es fehle an privaten und öffentlichen Aufträgen.

Doch am Bau sind vor allem die geringen Gewinnspannen – 43 Prozent beklagen eine verschlechterte Ertragslage – das große Problem, überhaupt bei Großprojekten. „Beim Projekt Wiener Hauptbahnhof sind dadurch ein paar Subunternehmen in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten“, weiß Weinhofer. „Für die Zukunft rechnet die Baubranche durch den harten Wettbewerb mit einem weiteren Einbruch bei der Auftragspreisen und der Ertragslage.“

Weniger im Börsel

Auch der Handel hat seine rosigen Zeiten schon lang hinter sich. Rund 40 Prozent der befragten Handelsunternehmen beklagen ein Umsatzminus. „Durch die steigende Arbeitslosigkeit und die steigenden Lebenshaltungskosten, vor allem bei den Mieten, haben die Leute weniger Geld im Börsel und können weniger konsumieren“, weiß Weinhofer. „Auffällig am Handel ist aber die generell sehr schlechte Stimmung, weil der enorme Wettbewerb, unter anderem durch die Online-Konkurrenz, stark auf die Preise drückt.“ Auch im Handel schrumpfen die Gewinne weiter: 38 Prozent der Firmen sind davon betroffen.

Nur im verarbeitenden Gewerbe, also der „Klein-Industrie“, ist die Auftragslage noch relativ stabil. Rund 40 Prozent der Gewerbebetriebe rechnet mit gleichbleibenden Umsätzen. Doch ihre Investitionen planen sie um fünf Prozentpunkte zurückzuschrauben. Bei den Dienstleistern ist die Lage durchmischt. 27 Prozent haben heuer zwar das Personal aufgestockt. Im nächsten Jahr wollen sie aber mehr Mitarbeiter abbauen, als sie 2014 eingestellt haben. Grund dafür ist die pessimistische Umsatzerwartung: Jeder fünfte Dienstleister rechnet 2015 mit einem Umsatzminus, jeder vierte mit weniger Gewinn.

Pleiten steigen

Die schlechte Konjunktur wird sich auch deutlich in der Insolvenzstatistik niederschlagen. Sind die Unternehmenspleiten in den ersten neun Monaten 2014 nur um 1,2 Prozent gestiegen, so prognostiziert Weinhofer für das nächste Jahr einen Anstieg um zumindest weitere fünf Prozent.

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