Wirtschaft
28.06.2012

Jeder zehnte Schüler arbeitet regelmäßig

Die Hälfte arbeitet in den Ferien. Die Gewerkschaft kritisiert die teils mangelhafte Anrechnung von Schul- und Lehrzeiten.

Bereits elf Prozent der Schüler über 15 Jahren gehen neben der Schule arbeiten, zeigt eine am Dienstag präsentierte Ifes-Umfrage im Auftrag der GPA-djp (300 Befragte, September 2011). Weitere 51 Prozent arbeiten in den Ferien. Die größte Gruppe unter den arbeitenden Schülern übt eine angemeldete Nebenbeschäftigung oder einen Ferialjob (57 Prozent) aus.

Probleme

Bei Problemen im Job würden sich 69 Prozent der Befragten an ihre Eltern wenden, 58 Prozent würden bei ihrem Chef Rat suchen. An die Arbeiterkammer würden sich nur 22 Prozent, an die Gewerkschaft 13 Prozent und an den Betriebsrat lediglich acht Prozent wenden. Die GPA-djp ist Interessenvertreter für Schüler.

Die GPA-djp fordert angesichts der großen Zahl arbeitender Schüler, diese stärker über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. Passieren soll das in Form von "Berufs-, Bildungs- und Arbeitsweltorientierung" durch Experten aus Gewerkschaft oder Arbeiterkammer ab der sechsten Schulstufe.

Außerdem fordert die Schülergewerkschaft die Abschaffung von Pflichtpraktika. Dabei würden Schüler oft als billige oder kostenlose Arbeitskräfte missbraucht. Stattdessen soll es Programme zur Berufserfahrung während der Unterrichtszeit mit kollektivvertraglicher Entlohnung geben.

In billigere Lehrlingsausbildung gedrängt

Der GPA-djp-Vorsitzende Wolfgang Katzian übt auch Kritik an der oft nicht gewährten Anrechnung von Schul- auf Lehrzeiten. Derzeit würden jedes Jahr BMHS-Absolventen trotz abgeschlossener Berufsausbildung von Unternehmen in die für diese wesentlich billigere Lehrlingsausbildung gedrängt. Der Unterschied mache etwa bei der Arbeit in einem Reisebüro im ersten Jahr mehr als 13.000 Euro aus. Eine Einigung in den seit Jahren laufenden Verhandlungen ist laut Katzian im vergangenen Jahr am Widerstand der Wirtschaftskammer gescheitert.