Japan bekämpft starken Yen

Die Sorge steht dem Devisenhändler ins Gesicht geschrieben: Der Yen ist zum Dollar massiv gestiegen.
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Japans Unternehmen leiden unter der starken Währung. Die Notenbank versucht mit allen Mitteln, den Yenkurs zu drücken.

Beim japanischen Autohersteller Suzuki läuteten bereits die Alarmglocken: "Wenn niemand in Sachen Yen etwas unternimmt, muss der Konzern darüber nachdenken, seine Produktion weiter ins Ausland zu verlegen", sagte Toshihiro Suzuki, Sohn des Firmenchefs, am Mittwoch. Er sprach damit vielen Exporteuren des Landes aus dem Herzen, die oft mehr als 80 Prozent ihrer Produktion im Ausland verkaufen.
Die enorme Aufwertung des Yen gegenüber Dollar und Euro verteuert ihre Produkte im Ausland. Mit 76,81 Yen für einen Dollar und 110 Yen für den Euro hat die japanische Währung den höchsten Stand seit dem Erdbeben im März erreicht. Damals haben viele Japaner ihre im Ausland angelegten Gelder ins Land geholt, was die Währung in die Höhe getrieben hat.

Japans Notenbank trat am Donnerstag auf die Bremse: Die Notenbank verkaufte massiv Yen und kaufte Dollar-Veranlagungen, um den Kurs der heimischen Währung zu drücken. 10.000 Milliarden Yen (91 Milliarden Euro) wurden ausgegeben und Veranlagungen in Dollar gekauft. Der Yen-Kurs sank prompt um vier Prozent auf 79,93 Yen zum Dollar. Für viele Exporteure ist aber auch dieser Kurs noch zu hoch. Sie haben in ihren Planzahlen einen Wechselkurs von 83 Yen zum Dollar stehen.

Nullzins

Die zweite Möglichkeit zur Schwächung der Währung - nämlich eine Zinssenkung - steht Japan kaum mehr zur Verfügung: Die Zinsen in Japan liegen seit Jahren nahe null. Tiefer geht es kaum, obwohl es etwa in der Schweiz vor Jahren auch schon negative Zinsen gegeben hat. In diesem Fall müssen Anleger, die ihr Geld in Schweizer Franken investieren, dafür Zinsen zahlen. Die Schweiz ist derzeit nahe an diesem Schritt.

Denn der Franken sinkt trotz der massiven Franken-Verkäufe der Schweizerischen Nationalbank nur kurzfristig. Am Donnerstag lag der Kurs bei unverändert 0,91 Euro je Franken, nachdem die Notenbank am Vortag bis zu 80 Milliarden Franken veräußert und dafür Euro gekauft hat. Die Zinsen wurden auf eine Bandbreite von null bis 0,25 Prozent gesenkt. Trotz dieser De-facto-Nullzinspolitik strömt Geld von Investoren in Franken, die wegen der Verschuldungskrise Angst vor einem Wertverfall von Euro und Dollar haben. Franken-Kreditnehmer in Österreich sind zunehmend besorgt. Die Bank Austria hat in ihren Filialen eigens 400 Berater abgestellt, die in Gesprächen mit den Kunden Lösungen suchen sollen.

(kurier) Erstellt am
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